Der Stern Nr. 7/2006 Thema: die gesteuerte Empörung von Christoph Reuter

 

 

In dem Artikel bekommt der Leser unter anderem folgendes zu lesen:

 

„Stellen wir uns Deutschland ein wenig anders vor: Gewiss, es gäbe immer noch Millionen Türken, die hier leben und arbeiten würden. Aber ihnen wäre es verboten, öffentlich zu beten, jeder islamische Gottesdienst wäre bei Androhung von Gefängnis strengstens untersagt. Manchmal kämen türkische Imame, getarnt als Geschäftsleute, nach Deutschland und hielten unter dem Schutz der Botschaft heimlich Freitagspredigten. Alle Moschee, egal wie alt, würden abgerissen. Der Verkauf von Koranen würde als Angriff gegen das Christentum mit Gefängnis geahndet. Schließlich sei unser Glaube dem Islam weit überlegen, das hätten schon die Kreuzfahrer vor 900 Jahren entdeckt. Selbst harmlose Abbildungen von Halbmonden, etwa auf Postern oder Postkarten, würden von der deutschen Religionspolizei beschlagnahmt, so wie alles was an hohen islamischen Feiertagen grün ist – es könnten ja Symbole Mohammeds sein. Und nun malen wir uns aus, welcher –absolut berechtigte – weltweite Sturm des Protestes über Deutschland hinwegginge.

 Doch spiegelverkehrt ist die Situation exakt so: in Saudi Arabien, dem Geburtsland des Isalm, wo für Hunderttausende christlicher Gastarbeiter keine einzige Kirche stehen darf, wo Gottesdienste nur heimlich auf dem Gelände der Botschaften stattfinden dürfen, wo selbst rote Plüschherzen beschlagnahmt werden aus Furcht, es könnte ein Symbol der Ungläubigen sein.

 

Aber: Da fällt mir ein Artikel aus dem Stern Ausgabe 48, Seite 40 ein, in dem heist es:

 

Wer sich im Terror Reich der Taliban verdächtig machte, hatte wenig Chancen:

Jeder Ausländer, den die Machthaber für ein Sicherheitsrisiko hielten, verschwand hinter Gittern. Dort konnte er ohne richterliche Beschlüsse so lange festgehalten werden, wie es dem obersten Kriegsherrn richtig erschien. Alle Gespräche mit den Pflichtverteidigern wurden abgehört. Kam der Beschuldigte vor Gericht – wo auch immer auf der Welt -, entschieden nicht Berufsrichter über ihn, sondern ein Militärtribunal. Anklage und Beweise wurden nur hinter verschlossenen  Türen verlesen. Woher die Beweise kamen, wurde nicht gesagt. Zeugen traten inkognito auf. Auch Beschuldigungen vom „Hörensagen“ waren zugelassen. Wie groß die Jury war, wer die Geschworenen und wer sie auswählte – alles war geheim. Die Todesstrafe konnte auch verhängt werden, wenn nur zwei Drittel der Geschworene  (alle Militärs) dafür waren. Berufung gegen das Urteil gab es nicht. Ankläger, Richter Verteidiger, Henker – alle Positionen besetzt mit Mitgliedern des Sicherheitsapparates.

 

Diese Schilderung hat einen Haken: Sie stammt nicht aus Kabul, sie kommt aus Washington. Das ist nicht Taliban-Recht, sondern die Sonderjustiz, mit der Präsident George W. Bus und sein Justizminister John Ashcroft ab sofort Topterroristen  ausschalten wollen. Der fromme Ahscroft, Mitglied einer protestantischen Sekt, die sogar das Tanzen verbiete, erließ vor zwei Wochen eine umstrittene „Notverordnung“. Die erlaubt es dem Justizminister in gewissen Fällen, die Gespräche zwischen Inhaftierten und Anwälten abzuhören. Rund 100 Häftlinge werden bereits überwacht. „Abscheulich“, klagte der Vorsitzende der Strafverteidiger, Irwin Schwartz, „wenn wir nicht vertraulich mit unseren Klienten sprechen können, dann können wir es ganz bleiben lassen. Und wenn das eintritt, werden die verfassungsmäßige Rechte verletzt.“ Die Vorstellung das „Leute, deren Schuld nicht bewiesen ist“, im demokratischen Mutterland USA so behandelt werden, sei „ungeheuerlich“, sagte die Vorsitzende des Center for National Security Studies, Kate Martin. Justizminister Ashcroft blieb hart. Für die Feinde der USA gelte „die amerikanische Verfassung nicht“. (...) Das „Anwaltskomitee für Menschenrechte“  fragte: „Wenn Länder wie Peru, Ägypten und Kolumbien so etwas machen, protestiert unser Außenministerium. Was sagen wir denen in Zukunft?

 

Im Kongress protestieren nicht nur liberale Senatoren wie Patrick J.Leahy: „Bus signalisiert der Welt, dass es nun akzeptabel ist, Geheimprozesse und Standrecht durchzuführen, wenn der Angeklagte ein Ausländer ist.“ Auch Republikaner meuterten. Doch viel Macht haben sie nicht, die Notverordnungen abzuschaffen, die Bush als Oberkommandierender der Streitkräfte erlassen hat. Statt die Schuldigen vor ein UN-Kriegsverbrecher-tribunal zu stellen, wie im Bosnienkrieg, untergrabe Bush mit seinem „abenteuerlichen Erlass“ nun „genau die Werte und Prinzipien, die er versucht zu schützen“, schrieb die „New York Times“: „Jeder Diktator würde das bewundern.“

 

Das Thema hieß: Militärtribunale für Terroristen, Abhören von Strafverteidigern – in den USA setzt Justizminister Ashcroft den Rechtssaat außer Kraft. (Aus: Der Stern, Ausgabe 48, Seite 40)

 

Der Autor macht den Fehler, dass er Saudia Arabien und seine national-staatliche Politik mit dem Islam gleichsetzt. In Saudia Arabien ist es z.B. auch für Frauen verboten Auto zu fahren, wollen sie dass auch dem Islam anlasten?

 

Die Saudis sind mit ihrer eigenen „Regierung“ (in Wirklichkeit sind es doch despotische Herrscher) auch nicht zufrieden und würden sie am liebsten aus dem Land jagen, doch eben diese „Regierung“ unterdrückt ihre eigene Bevölkerung und lässt sie ausbluten. Dieses mit Hilfe westlicher Technologie in Form von Waffen. Ich erinnere an die Panzerlieferung der Deutschen an Saudi Arabien.

 

 

Weiter: „Weshalb kommt ein Zeichner in Dänemark auf die Idee, Mohammed mit Zündschnur zu malen? Fielen die Flugzeuge am 11. September einfach so vom Himmel?“

 

Günter Grass wird in der „Die Welt“ vom 10.02.2006: von DW wie folgt zitiert:

 

„Es war eine bewusste und geplante Provokation eines rechten dänischen Blattes“, sagte der Schriftsteller in einem interview mit der spanischen Zeitung „El Pais“. Den Blattmachern sei bekannt gewesen, dass die Darstellung Allahs oder Mohammeds in der islamischen Welt verboten sei. „Sie haben weitergemacht, weil sie rechtsradikal und fremdenfeindlich sind“ Von den gewalttätigen Reaktionen zeigte sich der 78jährige Autor wenig überrascht. Es sei die fundamentalistische Antwort auf eine fundamentalistische Aktion des Westens, angefangen von der Invasion in den Irak, die gegen internationales Recht verstoßen habe. Dem Westen warf Grass in der Debatte über die Karikaturen Selbstgefälligkeit und Arroganz vor.

 

 

Weiter heisst es: „Die größten Ballung von Diktaturen liegt zwischen Marokko und Pakistan. Die meisten ihrer Herrscher haben jedwede politische Opposition zerschlagen. Als Sammelbecken ist nur der Islam geblieben, denn die Moscheen lassen sich nicht abschaffen.“

 

Wenn die Analyse weit genug gegangen wäre, dann müste die Frage lauten: Warum unterstützt der Westen diese Regime warum ignoriert er die demokratischen Werte wie Meinungsfreiheit Menschenrechte und freie Presse, wenn es um Wirtschaftsinteressen geht? Glauben sie wirklich, dass die Bevölkerung diese Doppelmoral des Westens nicht erkennt, wenn ein Krieg ums Öl geführt wird, während Massenvernichtungswaffen als Lüge dienen, während Israel genug davon hat, aber nicht behelligt wird.

 

 

Weiter heisst es: Das Gebot, kein Bildnis vom Propheten zu machen, sei nur an die Gläubigen gerichtet. Mohammed habe nicht gewollt, dass sie sein Bild anbeten sondern Gott“

 

Das ist falsch: Es so dass Muslime nichts abbilden sollen, was eine Seele hat. Und es sit nicht nur an die Gläubigen gerichtet, denn das Gebot das man sich keine Bilder machen soll findet sich auch in der Bibel aus, welches für Juden und Christen gleichermaßen gilt, da es im AT steht (Jes 44,15).

 

 

Weiter heisst es: „Reza, ein deutsch-iranischer Webdesigner aus dem Rheinland (fragt) Warum sollte ich also nicht auch Gott zeichnen dürfen?" In den kommenden Tagen will er nun zu einem Wettbewerb aufrufen: „Wir karikieren Gott!" Schließlich stehe im Koran selbst, zweite Sure: „Es gibt keinen Zwang in Glaubensdingen."

 

Denjenigen den sie zitieren, wird wohl kaum ein Muslim sein, da der Islam, diejenigen verflucht die Bilder malen und wie frevelhaft muss es für einen Muslim sein, der Gottes Wohlgefälligkeit sucht, etwas vorsätzlich zu tun, was Gott verflucht. Diese Person geht hin und führt einen Vers aus dem Quran, völlig aus dem historischem und inhaltlichem Kontext gerissen an, um seine These zu untermauern: Der Vers „es gibt keinen Zwang im Glauben“ beinhaltet das folgende, dass ich niemanden zwingen kann, (m)einen Glauben anzunehmen. Die Glaubenswahl ist frei. Es ist kein Freifahrtschein für alles Mögliche. Dann könnte ich ja auch den Genuss von Schweinefleisch und Alkohol mit dem Gebot aus dem Quran belegen.

 

 

Der türkische, in Deutschland lebende Schauspieler Serdae Somuncu (...) will in seinem Kabarettprogramm die Witze über Mohammed nicht streichen.

 

Es geht darum dass man  nicht verstehen will, dass es nicht um Muhammed geht sondern mit ihm gleichzeitig um über 1 Milliarde Muslime, die seinem Beispiel folgen. Die Herabwürdigung von Muhammed (Friede sei mit ihm), seiner Familie und seiner Weggefährten und stellt eine ungeheure Beleidigung für jeden Muslim dar. Dieses geht auf zwei Aussagen zurück: Die erste findet sich im Quran, in dem es heißt: "Wahrlich, ihr habt an dem Gesandten Allahs ein schönes Vorbild für jeden, der auf Allah und den Letzten Tag hofft und Allahs häufig gedenkt." (Sure 33, Vers 21)  und eine Aussage des Propheten (Friede sei mit ihm), wonach seine Generation die beste war.

 

Ich frage mich also warum sie ihn anführen? Es geht dabei wohl nicht darum „Pseudo-Muslime“ zu nehmen, die provokante Aussagen tätigen, um damit bekannt(er) zu werden, und damit gleichzeitig helfen, gewisse Gebote, auszuhöhlen?

 

 

Und bezüglich ihres Titels: "die gesteuerte Empörung," möchte ich eben jenen Titel benutzen, um Ihnen folgenden Artikel aus „Die Welt“ vom 10.02.2006 zum Lesen zu geben: ""Jyllands-Posten“ will Holcaust Karrikaturen nicht veröffentlichen":

 

"Die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ hat den Abdruck von Karikaturen zum Holocaust ausgeschlossen, für die eine iransiche Zeitung einen Wettbewerb ausgerufen hatte. Diese Bilder würden „unter keinen Umständen“ veröffentlicht“ schrieb Chefredakteur Carsten Juste auf der Internet-Seite seines Blattes, das mit der Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen gewalttätige Proteste in der moslemischen ‚Welt hervorgerufen hatte. Juste widersprach damit auch den Worten eines Kulturredakteurs seiner Zeitung, der zuvor gesagt hatte, die Redaktion erwäge die Veröffentlichung der Zeichnungen. Die Teheraner Zeitung „Hamschari“ hatte in Reaktion auf die Mohammed Karikaturen einen Karikaturenwettbewerb zum Thema Holocaust ausgerufen, mit dem sie nach eigenen Angaben die Grenzen der Pressefreiheit aufzeigen will."

 

Soviel zur Meinungs- und Pressefreiheit

 

 Interessante Aussagen, nicht wahr?