In dem Beitrag kommt bekommt der Leser folgendes zu lesen:
Sie wollten dem Irak die Freiheit bringen und eine stabile Demokratie errichten. Das war das erklärte Ziel der US-Regierung für den letzten Golf-Krieg. An diesem Vorhaben halten die Amerikaner weiter fest, und dafür geben die eigenen Soldaten täglich ihr Leben. Aber das Vertrauen in die guten Absichten der Besatzer wird dann erschüttert, wenn sich die Friedensbringer als Kriegsverbrecher entpuppen sollten.
Volker Steinhoff über schockierende Aufnahmen, die Verstöße gegen weltweit geltendes Völkerrecht dokumentieren.
Kommentar:
Das Grauen – im Irak der Alltag. Bilder, die keiner mehr sehen kann. Täglich neue Opfer: US-Soldaten, Polizisten, Zivilisten. Und nur selten Mitleid mit den Ermordeten.
US-Soldaten jagen ihre militanten Gegner. Durchaus verständlich. Doch Bilder dieser Jagd gibt es bisher kaum. 1. Dezember letzten Jahres, der Krieg ist längst vorbei. Ein Apache-Helikopter der 4. Infanteriedivision startet zur Terroristenjagd. Die Piloten entdecken nördlich von Bagdad drei Personen auf einer Straße. Die Aufnahmen aus dem amerikanischen Hubschrauber dokumentieren die Folgen.
O-Ton mit Untertiteln „A big truck
over here, he is having a little pow-wow.” (Ein großer Laster da, die
planen etwas.)
“Yeah.“ (Ja.)
Kommentar:
Die Bilder werden dem Fernsehsender ABC zugespielt. Die Kamera im Apache-Helikopter filmt alles, zeichnet auch den Funkverkehr auf. Und so entsteht das schockierende Protokoll eines Verbrechens. Zunächst hält sich eine Person am Auto auf, holt einen Gegenstand heraus und läuft los.
O-Ton mit Untertiteln “I got a guy
running, throwing a weapon.” (Ich sehe da einen laufen, der wirft eine
Waffe weg.)
“Smoke him.“ (Lösch ihn aus.)
Kommentar:
Bevor der US-Soldat im Hubschrauber mit seinem 30-mm-Geschütz auf die Personen schießt, fragt er sicherheitshalber ein weiteres Mal nach.
O-Ton mit Untertiteln „Hit him.“ (Erschieß ihn!)
“Got him.“ (Hab ihn erwischt.)
“Good.” (Gut!)
”Second one.” (Der Zweite.)
“Hit the other one.” (Erschieß den anderen.)
“Hit the truck.” (Schieß auf den LKW.)
“Go to the right, see if anyone's moving by the truck.”
(Etwas nach rechts, guck, ob sich wer beim LKW bewegt.)
“Take the trucks out?” (Die LKWs auch beseitigen?)
“Is there anybody in the truck? Wait for movement.” (Ist da wer drin?
Wart' auf Bewegung.)
“Have not seen any.” (Hab nichts gesehen.)
Kommentar:
Dann bewegt sich doch noch eine Person.
O-Ton mit Untertiteln “Store that - auto range store.”
“There's another guy moving, right there.” (Da bewegt sich noch einer.)
„Good. Fire.” (Feuer!)
„Hit him.“ (Erledigt.)
„Target 4.“ (Ziel 4.)
„We take the other truck out?” (Den LKW beseitigen?)
„Roger“ (Ja.)
„Wait for movement by the truck.”(Wart auf Bewegung beim LKW.)
„Movement right there.” (Da
ist Bewegung.)
“Roger.“ (Ok.)
“He's wounded.” (Er ist verwundet).
“Hit him.“ (Erschießen!)
“He's in the truck.” (Er ist im LKW.)
“Hit the truck and him.” (Schieß auf den LKW und auf ihn.)
“Go forward of it and hit him.” (Ziel etwas daneben
und erschieß ihn.)
„Roger.“ (Ok.)
Kommentar:
Wir zeigen diese Aufnahmen einem ehemaligen General der US-Armee. Ihm fällt vor allem eine Szene auf:
O-Ton General Robert Gard: (Übersetzung) (ehem. US-Armee) „Laut Pilot ist der irakische Widerstandskämpfer verletzt. Dennoch der Befehl, ihn zu töten. Ich denke, es hätte viel mehr Sinn gemacht, den Verletzten festzunehmen und zu verhören. Aber ganz abgesehen davon: Der Mord an einem kampfunfähigen, verletzten Gegner ist verboten. Nach der Genfer Konvention ist das Mord.“
Kommentar:
Und wäre damit ein Kriegsverbrechen. Auch ein renommierter deutscher Völkerrechtler sieht das ähnlich.
O-Ton Prof. Stefan Oeter: (Völkerrecht) „Das Völkerrecht setzt, dass gegnerische Kampfführende nur beschossen werden dürfen, solange sie – wie soll ich sagen – aktiv militärisch tätig sind und wenn sie außer Gefecht sind, geschont werden müssen. Also insofern der Verdacht ist, dass hier ein Verstoß gegen das Völkerrecht vorliegt, und schwere Verstöße gegen das Völkerrecht, gegen das humanitäre Völkerrecht sind Kriegsverbrechen.“
Kommentar:
Die Bilder – sicher nur ein Ausschnitt aus der Realität. Ein endgültiges Urteil ließe sich nur nach einer genauen Untersuchung fällen. Doch das US-Verteidigungsministerium verweigert gegenüber PANORAMA jede Auskunft.
Die Schüsse aus dem Helikopter, das Erschießen von Verwundeten - es ist kein Thema für Zeitungen und öffentliche Proteste. Und auch kein Einzelfall.
8. April 2003, ein Vorort von Bagdad.
Bei einer Durchsuchung werden amerikanische Soldaten bedroht und schießen. CNN ist dabei und filmt. Ein Iraker liegt verwundet am Boden, das Gewehr neben ihm. Die US-Soldaten erschießen ihn dennoch.
Nach dem Treffer der Jubel. Der gleiche Todesschuss noch einmal, aber in einer viel eindeutigeren Fassung, die im Internet läuft.
O-Ton Anthony Riddle: (Übersetzung) (U.S. Marine-Sergeant) „Naja, die sind jetzt tot. Aber ein gutes Gefühl. Danach denkt man: echt stark, lass uns das noch mal machen.
Kommentar:
Auch diese Szene zeigen wir dem ehemaligen US-General.
0-Ton General Robert Gard: (Übersetzung) (ehem. US-Armee) „Ich halte dies für unentschuldbar. Dies passierte nicht in der Mitte eines wilden Gefechtes. Dies war die kaltblütige Ermordung eines Schwerverletzten.“
Kommentar:
Harte Urteile, erschreckende Bilder. Doch es gibt keine öffentlichen Proteste, niemanden, der Aufklärung fordert.
Keine Aufklärung, die Folgen sind absehbar.
0-Ton General Robert Gard: (Übesetzung) (ehem. US-Armee) „Wenn die Iraker das Gefühl haben, hier finden illegale Tötungen statt, führt das zu Rache. Und daher rührt wenigstens ein Teil des Widerstandes in diesem Land.“
Kommentar:
"Rache" - ganz sicher keine Entschuldigung für die täglichen Anschläge im Irak. Aber ein willkommener Vorwand für Terroristen, weiter Hass zu säen. Keine gute Grundlage für Frieden und Demokratie.
Anja Reschke:
Normalerweise wären das Fälle, die vor dem internationalen Strafgerichtshof in Den Haag untersucht werden müssten. Aber dieses Abkommen hat die amerikanische Regierung nie unterzeichnet.
Interessante Aussagen, nicht wahr?