Der Stern Artikel vom 17. Mai 2004 Thema: Der Folterskandal – Amerikas Tor zur Hölle von Michael Streck und Jan Christoph Wiechmann
Textpassagen aus dem Artikel der sich mit Abu Ghreib und Afghanistan befassen, lesen sich wie folgt:
„Es wird noch schlimmer werden. Wenn erst jene Fotos und Videobänder an die Öffentlichkeit gelangen, die Senatoren und Kongressabgeordnete in der vergangenen Woche sahen, in einem kleinen Raum im vierten Stock des Capitols. Es war eine Slide-Show menschlicher Abgründe. Bilder von Gefangenen, die offenbar zu Oralsex gezwungen wurden. Bilder der Gefreiten Lynndie England, die es mit ihrem Freund und anderen Soldaten vor den Augen der Iraker treibt. Bilder von analer Vergewaltigung mit Besenstielen. Bilder von einem Gefangenen, der, eine Leine um den Hals, seinen Kopf bis zur Bewusstlosigkeit vor die Zellenwand schmettern musste. Bilder von einer Soldatin, die vor einem toten Iraker posiert. Bilder, die Senator Ron Wyden aus Oregon so zusammenfasste: "Nehmen Sie den schlimmsten Fall und multiplizieren den mehrmals..." Bilder, die die Amerikaner nicht zu sehen bekommen sollen, weil man so etwas von "Amerikanern nicht erwartet", wie der republikanische Senator Norm Coleman aus Minnesota sagte.“
„Laut "Spiegel TV" wurde ein 47-jähriger Iraker auf der US-Militärbasis Al Asad zu Tode gefoltert. Amnesty International und Human Rights Watch haben mehrfach Beschwerden geäußert über "Patterns of Abuse" der US-Streitkräfte in beiden Ländern. Heidi Burgess, Co-Direktorin des Conflict Research Consortium an der Universität von Colorado, gibt der Regierung eine Mitschuld an den Vorkommnissen: "Solche Dinge passieren oft im Krieg, aber diese Regierung war sehr aktiv darin, den Gegner zu entmenschlichen."“
„Rumsfeld soll grünes Licht gegeben haben. Nachdem Bush schon im Februar 2002 angekündigt hatte, die Genfer Konvention gelte nicht für gefangene Terrorverdächtige in Afghanistan, soll Rumsfeld nach den Anschlägen auf das UN-Hauptquartier in Bagdad vergangenen Herbst grünes Licht gegeben haben, die afghanischen Verhörmethoden auch im Irak anzuwenden.“
„Selbst "Military Times", die Zeitung der US-Streitkräfte, legte jetzt ihrem obersten Chef den Rücktritt nahe: "Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat früh den Ton vorgegeben, als er beharrlich Gefangenen jene Rechte verweigerte, die Kriegsgefangenen gemäß der Genfer Konvention zustehen. Die Botschaft an die Truppen war: Anything goes. Die Verantwortung zu übernehmen ist essenziell, selbst wenn man dann die Führer in Zeiten des Krieges entlassen müsste."“
„In Kirchenkreisen werden der Krieg und Bush als selbst ernannter Moralapostel immer umstrittener. Der Nationale Kirchenrat, eine Vereinigung von 36 protestantischen und orthodoxen Kirchen, nannte die Außenpolitik des Präsidenten am vergangenen Dienstag "gefährlich". Die Bischöfe der Methodistischen Kirche - zu der Bush gehört - beschuldigten die USA, eine Gewaltspirale in Gang gesetzt zu haben, die zu einer "Herabsetzung der menschlichen Würde" geführt habe. Im Gespräch mit dem stern sagte Bischof Clifton Ives: "Wir haben mehrere Male versucht, mit unserem Kirchenmitglied George Bush zu sprechen. Er will es nicht.“
Interessante Aussagen, nicht wahr?