Der Stern Artikel vom 16. November 2004  Thema: Falludscha "Jetzt ist er tot" von Steven Hurst und AP

 

In dem Bericht geht es um weitere Menschenrechtsverletzungen durch die US-Armee:

 

Noch sind die Kämpfe in Falludscha nicht beendet, da geraten US-Soldaten in Mossul und Ramadi bereits in neue Kämpfe. Die Erschießung eines unbewaffneten Mannes in Falludscha konfrontiert die Amerikaner mit dem Vorwurf schwerer Menschenrechtsverletzungen.

 

Filmaufnahmen von der Erschießung eines irakischen Rebellen in Falludscha konfrontieren die US-Streitkräfte erneut mit dem Vorwurf schwerer Menschenrechtsverletzungen. Sieben Monate nach der Enthüllung des Folterskandals von Abu Ghreib ermitteln die Streitkräfte jetzt gegen einen Marineinfanteristen, der einen verletzten und offenkundig unbewaffneten Mann in einer Moschee erschossen haben soll.

 

Die Filmaufnahmen wurden am vergangenen Samstag von NBC-Reporter Kevin Sites gedreht, der die US-Truppen in Falludscha begleitet und seine Bilder im Rahmen einer Pool-Vereinbarung anderen Sendern zur Verfügung gestellt hat. Möglicherweise seien drei weitere Verletzte in der Moschee ebenfalls erschossen worden, erklärte Sites.

 

Eine Einheit der Marineinfanteristen wurde demnach am Freitag aus der Moschee heraus beschossen. Die Soldaten stürmten das Gebäude und töteten zehn Rebellen, fünf wurden verletzt. Die Marineinfanteristen versorgten die Verletzten und ließen sie dann zurück. Auch am Samstag hätten sich die fünf Verletzten noch in der Moschee befunden, berichtete Sites. Soldaten einer anderen Einheit, vom 1. Regiment des 3. Bataillons der Marineinfanteristen, betraten die Moschee an diesem Tag in Begleitung von Sites.

 

Während sich die Kamera des Reporters durch das Gebäude bewegt, hört man im Hintergrund einen Soldaten obszöne Ausdrucke rufen und dann sagen: "Er täuscht vor, tot zu sein." Ein weiterer Soldat sagt: "Ja, er atmet." Daraufhin erwidert der erste Soldat erneut, dass der Gefangene vortäusche, tot zu sein. Der Videofilm zeigt dann, wie ein Soldat sein Gewehr auf einen Mann am Boden richtet. In der gesendeten Fassung des Films sieht man danach nur noch eine schwarze Fläche. Man hört aber noch einen Schuss. Danach sagt ein Soldat: "Jetzt ist er tot."

 

Die geschwärzten, nicht gesendeten Szenen des Films wurden dem Fernsehnachrichtendienst APTN und anderen Mitgliedern des Pools zur Verfügung gestellt. Sie zeigen, wie eine Kugel den Mann im oberen Teil seines Körpers trifft, möglicherweise auch im Kopf. Blut spritzt an die Wand, und der Körper des Mannes erschlafft.

Interessante Aussagen, nicht wahr?