PANORAMA Nr. 639 vom 08.04.2004 Thema: Terror im Irak – Erfundene Kriegsgründe und die brutale Realität von Julia Fensterer, Volker Steinhoff und Stephan Stuchlik

 

 

 In dem Beitrag kommt bekommt der Leser folgendes zu lesen:

 

Täglich – ja fast stündlich erreichen uns neue Horrormeldungen und Schreckensbilder aus dem Irak. Ein Land versinkt im Chaos – ist am Rande des Bürgerkriegs. (…)

 

Es ist unfassbar, was im Moment im Irak passiert. Die schrecklichen Aufnahmen  vermitteln nicht den Eindruck, dass der Krieg seit fast einem Jahr vorbei ist. Jeden Tag neue Tote – jeden Tag noch verheerendere Anschläge – heute hat der Terror eine neue Dimension erreicht. Erstmals wurden Zivilisten als Geiseln genommen. Gefangene Japaner in Todesangst - bedroht von Terroristen. Das ist die Realität im Irak. Es sind nicht die schlimmsten Bilder, aber mehr wollten wir Ihnen und uns nicht zumuten. 

 

Eigentlich war doch gerade der Kampf gegen den Terrorismus ein Grund für die amerikanische Regierung in den Irak zu ziehen. Auf schreckliche Weise haben sich die Aussagen des US-Präsidenten bewahrheitet: Irak und Terrorismus gehören zusammen. Nur eben erst, nachdem die Amerikaner dort Krieg geführt haben. Für Al Kaida ist der Irak zum neuen Schlachtruf geworden. Um willige Gotteskrieger in aller Welt zu Gewalt aufzurufen. Spanien wird erpresst, seine Truppen vom Golf abzuziehen. Julia Fensterer, Volker Steinhoff und Stephan Stuchlik mit den Folgen eines Feldzugs, der sich irakische Freiheit nannte.

 

Irak im Frühjahr 2004.  Der Mob von Falluja ermordet in diesem Auto 4 Amerikaner. Bilder des Hasses, der Barberei. Die verbrannten Leichen werden geschändet.

 

O-Ton George W. Bush, 01.05.2003 (Übersetzung): (US-Präsident) "Die Befreiung des Irak war ein entscheidender Schritt im Kampf gegen den Terror. Wir haben einen Verbündeten von Al Quaida beseitigt.“

 

(Bilder aus Falludscha, 31.03.2004: Iraker ziehen Leiche durch die Straßen.)

 

O-Ton George W. Bush, 26.02.2003 (Übersetzung): (US-Präsident)  “Das neue Irak wird ein großartiges und inspirierendes Vorbild der Freiheit für andere Länder in der Region sein.”

 

(Bilder aus Falludscha, 31.03.2004: Leiche hinter einem Auto.)

 

O-Ton  George W. Bush, 07.12.2002 (Übersetzung): (US-Präsident) “Unser Handeln sichert den Frieden und führt zu einer besseren Welt.” “Gott segne Amerika.”

 

Bush in diesen Tagen:  Während seine Soldaten sterben, reißt der Präsident Witze – mit einer Diashow. Auf den Bildern durchsucht er sein Arbeitszimmer nach den angeblichen Kriegsgründen.

 

O-Ton George W. Bush, 24.03.2004 (Übersetzung): (US-Präsident) “Diese Massenvernichtungswaffen müssen doch irgendwo sein?“ „Nein, da sind auch keine Waffen.“

 

Vor gut einem Jahr schickte Präsident Bush seine Soldaten in den Irak. Fast täglich kehren seitdem einige zurück – in Särgen. Bisher 641 tote Amerikaner. Bilder, die im US-Fernsehen nicht gezeigt werden.

 

Sie sollten den Irak von Terroristen befreien, die es vor dem Krieg nicht gab. Das hat sich geändert. Jetzt ist der Terror da.

Ergebnis einer Gewaltspirale, die nach dem Krieg begann. US Soldaten suchen im Irak die angeblichen Al-Kaida-Terroristen. Demütigung statt Frieden und Freiheit.

 

Die Amerikaner jagen den meist unbekannten Gegner, auch aus der Luft. Wer verdächtig ist, wird erschossen. Das Ergebnis: Neuer Terror.

 

Washington – der Optimismus längst vorbei. Nicht nur der Terror schockiert die Amerikaner, sondern auch die Enthüllungen dieses Mannes: Richard Clarke, jahrelang Chef der Terrorabwehr im Weißen Haus – und enger Mitarbeiter von George Bush.

Jetzt erschien Clarkevor einer Parlamentskommission. Seine Aussage: Bush wollte schon immer den Irak angreifen, für den wirklichen Kampf gegen den Al-Kaida-Terror fehlt deshalb das Geld.

 

O-Ton Richard Clarke: (ehem. Chef Terrorabwehr)  „Durch die Invasion des Irak  hat der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika den Kampf gegen den Terrorismus extrem untergraben.“

 

Nicht nur das: Der Präsident hat auch neuen Terror geschaffen - im Irak, wo es ihn vor dem Krieg nicht gab.

 

Militante Schiiten. Seit dem Wochenende kämpfen sie für den islamischen Gottesstaat.

Jetzt haben sie auch zu den Waffen gegriffen, um die “gottlosen Besatzer“ zu vertreiben.  Beifall und Unterstützung bekommen die Schiiten inzwischen auch von Al Kaida. Der Irak versinkt im Chaos.

 

Und auch in Europa ist der Terror angekommen. Ländliche Idylle in Spanien. Hier bauten islamistische Terroristen die Bomben für die Anschläge von Madrid. Ihre Rechtfertigung: Die Besatzung des Irak.

Und hier wohnten die Verdächtigen: mitten in einem bürgerlichen Viertel von Madrid.

Als die Polizei kommt, sprengen sie sich in die Luft.

Sie hinterlassen Sprengstoff und Zünder für weitere Anschläge in Europa.

Und: es tauchen neue Bekennerschreiben von Al Kaida auf. Darin auch die Begründung für den Terror: die Besatzung des Irak. Terroristen, Al Kaida und Gotteskrieger im Irak - nun wird zynischerweise wahr, was sich US-Präsident Bush einst zur Rechtfertigung seines Krieges ausgedacht hatte.

 

Und deshalb täglich neue Schreckensbilder – auch heute.

 

O-Ton George W. Bush, 07.12.2002 (Übersetzung): (US-Präsident) “Unser Handeln führt zu einer besseren Welt.” “Gott segne Amerika.”

 

 Interessante Aussagen, nicht wahr?