MONITOR Nr. 519 am 3. Juni 2004 Thema: Verhört, verhaftet, abgeschoben: Wehe, Du reist in die USA von: Mathias Werth 

 

 

In dem Beitrag kommt bekommt der Leser unter anderem folgendes zu lesen:

 

Ein Protokoll:

 

Er wurde Opfer von Anti-Terrormaßnahmen und lernte, die langsame Aushöhlung von selbstverständlichen Bürgerrechten kann sehr beiläufig beginnen.

 

Sein Geld verdient Josef Trapp vor allem in den USA. Der Geschäftsmann aus der Pfalz berät alle großen amerikanischen Automobilkonzerne beim Anlagenbau für die Motorenherstellung.

 

Viele Dutzend Mal war er drüben - immer gern, nicht nur wegen der Einkünfte. Auch wenn die Einreisekontrollen zugenommen haben und manchmal etwas lästig sind, fliegt er Anfang letzten Monats wieder hin. Über Atlanta soll es nach Detroit gehen, zu Daimler-Chrysler.

   

Jakob Trapp, Ingenieur: "Ich habe natürlich volles Verständnis für die Angst vor Terrorismus. Deshalb habe ich überhaupt keine Probleme, am Flughafen jedes Mal den Koffer öffnen zu müssen. Aber ich habe Verständnis dafür, weil ich möchte auch sicher reisen. Ich möchte auch sicher sein, dass ich im Flugzeug sitze und es kann eigentlich nichts passieren." 

 

Aber diesmal erlebt er einen Krimi.

 

Jakob Trapp, Ingenieur: "Ich bin kerzengerade auf die Customs zumarschiert. Musste da etwas in der Schlange warten. Irgendwann dann war ich dran. Der Customer hat mir seine Fragen gestellt. Und dann hat er mich am Ende des Gesprächs gebeten, in einen nebenstehenden Raum zu gehen, um ein paar zusätzliche Fragen zu beantworten. Ich habe bisher noch nicht erlebt, dass ich in so einen Raum gehen musste. Aber ich habe mir nicht viel dabei gedacht. Ich habe gedacht, okay, vielleicht musst du jetzt ein paar Fragen beantworten. Warum denn nicht? Ich tue das auch. Er hat also gefragt, was der Grund meiner Reise ist, wo ich hin möchte, was ich dann auch tun möchte dort. Dann hat man mich immer wieder gefragt: Wer bezahlt Sie denn? Wer bezahlt Sie denn? Ich wusste überhaupt nicht, wohin es führt. Das ich dann letztendlich in einer Gefängniszelle landen würden, dass war mir erst ab 12 Uhr nachts klar. Was vorher passieren würde, das konnte ich mir eigentlich gar nicht vorstellen. Deshalb habe ich auch immer wieder gefragt: Ja, wie geht es weiter? Wo komme ich jetzt hin? Wo kann ich jetzt hingehen? Was passiert jetzt? Ich bekam immer nur die Antwort: Ja, es geht schon weiter."

 

Anrufen darf er nicht: Weder das Konsulat, noch einen Anwalt.

   

Jakob Trapp, Ingenieur: "So um 12 hat man dann meinen Mitgefangenen, die hier im Raum mit saßen, in Handschellen gelegt und meine Gedanken waren dann noch: Das sind vielleicht doch größere Straftäter. Ich wusste nach nicht, wer die Leute sind. Und habe dann noch gedacht, wenn man in Handschellen gelegt wird, dann muss man schon irgendwie was ausgefressen haben. Als man die Leute alle in Handschellen gelegt hatte, war ich der letzte, der schließlich auch in Handschellen gelegt wurde. Da war mir schnell klar, dass es schon ernsthaft ist, was hier abgeht. Nachts, nachdem man uns die Handschellen angelegt hat, hat man uns in einer Reihe durch Hinterausgänge zu einem Gefangenentransporter gebracht und mit diesem Gefangenentransporter dann ins Gefängnis von Atlanta gefahren. Und es wurden dann von uns allen noch Bilder gemacht. So Verbrecherfotos, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Die Zelle war schätzungsweise zwei Meter breit, drei Meter lang. War ein Doppelbrett drin. 7 Uhr morgens hat man mich wieder zur Tür gerufen, wo dann zwei Beamte wieder standen mit den Handschellen, um uns dann in die Abschiebezelle an den Flughafen zu bringen."   

 

Zehn Stunden später wird er wie ein Verbrecher nach Deutschland abgeschoben. Bis heute wollen die US-Behörden keine Stellung nehmen.

 

Jakob Trapp, Ingenieur: "Ich habe in der Nacht schon vieles verflucht. Ich konnte einfach nicht glauben, dass ich hier in Amerika bin. In einem Land, das ich eigentlich für freies Land, für ein befreundetes Land gehalten habe, bisher. Und ich sitze in einer Zelle, ohne irgendetwas getan zu haben. Ich habe überhaupt keine Chance gehabt, irgendwas dagegen zu unternehmen. Die Ohnmacht, die da noch zu Tage tritt, wenn man spürt, hier hast du keine Chance, hier kannst du machen was du willst. Es geht nichts."

   

Sonia Mikich: "Als jetzt deutsche Geschäftsleute zu solchen Einreiseproblemen befragt wurden, bestätigten dreiviertel der Befragten Behinderungen, Willkür und Ausweisung. Nebenbei verursachen die Sicherheitsmaßnahmen auch gewaltige Umsatzeinbußen."

 

 Interessante Aussagen, nicht wahr?