PANORAMA Nr. 629 vom 31.7.2003 Thema: Die Saudi-Connection - USA schützen die Geldgeber des Terrors von John Goetz und Volker Steinhoff

 

 

 In dem Beitrag kommt bekommt der Leser folgendes zu lesen:

 

Nichts wird mehr sein, wie es mal war – das wurde uns nach den Terroranschlägen des  September immer wieder prophezeit. Und in der Tat, auch heute, zwei Jahre danach, beschäftigen wir uns fast täglich mit den Folgen. Ob es der Einsatz in Afghanistan war oder der Irak-Krieg, die Begründung ist immer wieder: der 11. September. Alles sollte ans Licht, hatte Präsident Bush damals versprochen, die Anschläge lückenlos aufgeklärt werden. Aber wenn man sich den jetzt erschienenen Untersuchungsbericht des amerikanischen Kongresses ansieht, bleiben Zweifel. Zwar werden darin die Pannen und das Versagen der amerikanischen Geheimdienste deutlich angeprangert, aber andere wichtige Passagen ließ die US-Regierung schwärzen – aus Gründen der nationalen Sicherheit.

John Goetz und Volker Steinhoff über das, was die Bush-Regierung verheimlichen möchte.

 

Kommentar:

Letzte Woche war es so weit: der lang erwartete Untersuchungsbericht zum 11. September wird veröffentlicht. 800 Seiten, von einem Kongressausschuss erstellt. Doch im Bericht der Eklat: Wichtige Passagen ließ die Bush-Regierung schwärzen.

 

Seither reagiert das Personal der saudischen Botschaft in Washington gereizt – nicht ohne Grund: Im Untersuchungsbericht führt eine Spur von dieser Botschaft zu zwei Attentätern des 11. September: Khalid al-Midhar und Nawaf Alhazmi. Die von ihnen entführte Boeing flog ins Pentagon. Die brisante Frage: Wer finanzierte die Terroristen?

 

US-Ermittler stießen bei der saudischen Botschaft in Washington auf eine erstaunliche Spenderin: die Ehefrau des Botschafters.

 

0-Ton Robert Baer: (Übersetzung) (ehem. CIA-Agent) “Es gibt einen Zusammenhang zwischen den Zahlungen der Botschafterfrau und den Abforderungen der Attentäter, wenn sie wieder Geld für den Flugunterricht brauchten. Das sieht man an den Überweisungen.”

 

Kommentar:

Die beiden Attentäter brauchten offenbar viel Geld, denn der Untersuchungsbericht nennt noch eine weitere Finanzquelle: Omar al Bayoumi. Doch die entscheidenden Einzelheiten über ihn ließ die Bush-Regierung zensieren. Dabei halten Ausschussmitglieder gerade den Fall Bayoumi für besonders brisant.

 

0-Ton Tim Roemer: (Übersetzung) (US-Ausschuss 11. September) “Dies ist ein ziemlich sensibler Teil in unserem Untersuchungsbericht. Es geht um Omar al Bayoumi, der offenbar enge Verbindungen zu zwei Attentätern des 11. September hatte. Und er hatte Geld, viel Geld, fast endlose Summen von Geld.”

 

Kommentar:

Al Bayoumi war ein Agent des saudischen Geheimdienstes. Nach dem 11. September setzte sich Bayoumi von Amerika aus in die saudische Heimat ab. Der Ausschuss wollte ihn dort vernehmen.

 

0-Ton Tim Roemer: (Übersetzung) “Die Saudis versprachen zwar zu kooperieren, aber wir durften nicht mit ihm reden. Keine vorbildliche Art der Kooperation unter Freunden.”

 

Kommentar:

Doch die Saudis haben offenbar nicht nur einzelne Attentäter, sondern die ganze Organisation al-Quaida seit Jahren finanziert, auch Mitglieder der Königsfamilie. Selbst der allmächtige Innenminister wird in US-Berichten namentlich erwähnt.

 

0-Ton Robert Baer: (Übersetzung) (ehem. CIA-Agent) “Die saudische Regierung hat mindestens 500 Millionen Dollar an bin Laden bezahlt, so eine Art Schutzgeld. Und indirekt haben die Saudis noch mehr gespendet.

 

Kein Wunder – auch Osama bin Laden ist ein Saudi. Und einer seiner ersten öffentlichen Gesprächspartner nach den Anschlägen war ein Scheich aus der gemeinsamen Heimat. Der berichtete von der großen “Begeisterung” in Saudi-Arabien.

 

0-Ton Scheich Khaled al-Harbi: (Übersetzung) “Ein Flugzeug in ein Hochhaus, unglaublich, eine Spitzenleistung.”

 

Kommentar:

Von den 19 Attentätern des 11. September kamen die meisten aus   e i n e m   Land: Saudi-Arabien. Bis heute leben ihre Helfer dort unbehelligt, geschützt vor Auslieferung.

 

Guantanamo – hier sperrt die Bush-Regierung alle ein, die sie für Terroristen hält. Und wieder: Aus keinem Land kommen so viele wie aus Saudi-Arabien.

 

Deutschland. Hinter der offiziellen Kulisse knüpfen auch hier saudische Regierungsmitarbeiter Kontakte zu Terroristen. Im Frühjahr flog ein saudischer Diplomat bei einer Terroristenfahndung auf. Offiziell war er Leiter der islamischen Abteilung, hier in der saudischen Botschaft in Berlin. Nach Erkenntnissen deutscher Ermittler aber kümmerte er sich vor allem um Geld für Islamisten. Er verließ Deutschland, bevor er ausgewiesen werden konnte. Die Spuren des Saudi-Diplomaten aus Berlin führten auch nach Hamburg, zu Mounir al Motassadeq, vor kurzem als Mittäter des 11. September verurteilt. Bei dem Hamburger Terroristen fand sich eine Visitenkarte des saudischen Botschaftsmitarbeiters.

 

0-Ton Prof. Udo Steinbach: (Deutsches Orient-Institut) “Wo immer, ob das in Deutschland war, ob das in Tschetschenien ist, ob das in Pakistan war, ob das in Afghanistan war, ob das in Amerika ist oder wo immer – wo immer al Quaida war, wo immer Aktivitäten nachweisbar waren, da lässt sich auch doch irgendwo eine Spur finden, die nach Saudi-Arabien führt, sei sie organisatorischer Natur oder sei es, dass das etwas mit der Finanzierung zu tun hat.”

 

Kommentar:

US-Präsidenten und saudische Herrscher – seit Jahren arbeiten sie zusammen. Jetzt will George Bush die Veröffentlichung der unangenehmen Fakten über die Saudis verhindern. Schließlich ist Saudi-Arabien der größte Erdölproduzent der Welt. Ohne das saudische Öl würde auch die US-Wirtschaft zusammenbrechen. Die Saudis garantieren relativ stabile Ölpreise. Von dem eingenommenen Geld kaufen sie Waffen. Hauptlieferant: die USA. Und sie bezahlen amerikanische Politiker davon.

 

0-Ton Tim Roemer: (Übersetzung) (US-Ausschuss 11. September) “Es gibt sehr enge Beziehungen zwischen den Saudis und der Bush-Regierung, ja, fast allen US-Regierungen. Und wenn unsere Minister ihr Amt verlassen, bekommen viele einen neuen Job bei den Saudis.

 

Kommentar:

Auch Bush bedankt sich mit diesen geschwärzten Seiten und schützt damit Hintermänner des 11. September.

 

0-Ton Robert Baer: (Übersetzung) (ehem. CIA-Agent) “Wenn man sich die angeblichen Beweise von Colin Powell und Bush gegen den Irak ansieht, im Vergleich mit dem neuen Kongressbericht, dann haben wir eindeutig das falsche Land angegriffen.”

 

Anja Reschke:

Die saudische Regierung hat nun alle Anschuldigungen zurückgewiesen. Deshalb hat der saudische Außenminister von der amerikanischen Regierung verlangt, die geschwärzten Seiten öffentlich zu machen. George Bush hat dies vorgestern abgelehnt.

 

 Interessante Aussagen, nicht wahr?