PANORAMA Nr. 624 vom 27.3.2003 Thema: Verdrängte Themen - Wer vom Krieg profitiert von Niels Grützner, David Pilgrim und Stephan Stuchlik
In dem Beitrag kommt bekommt der Leser folgendes zu lesen:
Tja, es gäbe noch einiges mehr über die Union zu berichten, etwa der Streit zwischen CDU und CSU in Sachen Sozialpolitik. Normalerweise wäre das ganz oben auf der journalistischen Agenda, aber in Kriegszeiten bleibt es eben eine kleine Randnotiz. (…) So einiges ist schlagzeilentechnisch untergegangen in der irakischen Bilderflut. Aber so ganz vergessen wollen wir von PANORAMA die sonstigen Verfehlungen dann doch nicht. Stephan Stuchlik mit Themen, über die PANORAMA Sie - wäre nicht Krieg – in dieser Ausgabe sicher ausführlicher informiert hätte.
Kommentar:
Sie war das erste Medienopfer des Irakkrieges: Rachel Corrie, 23 Jahre, Friedensaktivistin. Im Gaza-Streifen stellt sie sich gegen einen israelischen Bulldozer. Mit ihren Mitstreitern will sie die Zerstörung eines palästinensischen Wohnhauses verhindern. Der israelische Soldat im Bulldozer wird später sagen, er habe die Demonstrantin nicht sehen können. Ein tragischer Unfall, heißt die israelische Version - Beobachter sprechen von kaltblütigem Mord. Rachel Corries Tod geht in den Medien unter. Niemand interessiert sich mehr für Palästina, der Irak ist das Thema. Die Israeli wissen das. Sie marschieren erst in Dschebalia ein und greifen danach fast täglich Palästinenserstädte an. Blutige Szenen beinahe unter Ausschluss der Weltöffentlichkeit.
Ein kleiner Satz mit nachhaltiger Wirkung:
0-Ton
Bundesverfassungsgericht: "Die Verfassungsbeschwerden werden zurückgewiesen."
Kommentar:
Das Verfassungsgericht stellt damit fest: Der Staat darf – nach richterlicher Genehmigung - Telefongespräche von Journalisten abhören. Kritiker sehen die Unabhängigkeit eines ganzen Berufsstandes in Gefahr. Denn Journalisten, die Skandalen nachgehen, müssen damit rechnen, dass die Justiz mithört, dass sich kein Informant mehr telefonisch bei ihnen meldet. Doch das Abhörurteil fällt im Schatten des Krieges. Die Unabhängigkeit von Journalisten, bei Korrespondenten im Irak oft gefordert, in Deutschland ist sie kein Thema - vorerst zumindest nicht.
0-Ton Hans-Ulrich Jörges: (Stern-Chefredaktion) "Wenn die Kriegszeiten vorbei sind, dass man wieder Gehör findet bei der Politik, dass die Abhörmanie und die Sicherheitsmanie zurückgeschraubt wird und dass die Politik dann bereit ist, sich wieder mal ein bisschen um innere Freiheit zu kümmern - im Moment halte ich das für vergebliches Bemühen."
Kommentar:
Auch er ist ein Mediengewinnler des Irakkrieges: Uli Hoeneß, der gewiefte Manager des FC Bayern München. Fußballstars wie Zé Roberto hat er zu Saisonbeginn eingekauft, dazu noch Michael Ballack. Das Geld für die exklusiven Spieler: offenbar Schmiergeld. Denn Medienmogul Leo Kirch bezahlte rund 20 Millionen Euro an die Bayern. Gegenleistung: Die Bayern setzen sich dafür ein, so der geheime Vertragstext, dass die Kirch-Gruppe die Bundesligarechte bekommt. Die Liga tobt.
0-Ton Rainer Calmund: "Dat is net schön, dat is net in Ordnung."
0-Ton Michael Maier: "Das ist schon infam, wenn man das tut."
Kommentar:
Bayern-Arroganz. Bei so viel Kritik überlege man sich, nach Italien auszuwandern, sagt die Clubführung. Und da sich in Kriegszeiten für Kahn und Co. kaum jemand interessiert, lügt Hoeneß weiter. Nur kein Aufsehen, alles kleinreden. Zwanzig Millionen Bestechungsgeld? Alles Peanuts.
0-Ton Uli Hoeneß: (Manager FCB) "Demzufolge sehe ich zwar einen kleinen Verstoß, aber das ist für mich eine Lappalie."
Kommentar:
Und ein Urteil der Fußballgewaltigen müssen die Bayern auch nicht fürchten.Was auch untergegangen ist: Es gab noch eine Firma mit geheimen Kirch-Verträgen, nämlich den Deutschen Fußballbund selbst
Interessante Aussagen, nicht wahr?