PANORAMA Nr. 624 vom 27.3.2002 Thema: Journalisten als Patrioten - Die Propagandashow der US-Medien von Ariane Reimers, Dietmar Schiffermüller
In dem Beitrag kommt bekommt der Leser folgendes zu lesen:
Eigentlich verwenden wir hier in Deutschland und die Journalisten in Amerika die gleichen Bilder. Und trotzdem könnte man zuweilen den Eindruck bekommen, dass das deutsche und das amerikanische Fernsehen über völlig verschiedene Ereignisse berichtet. Während man sich bei uns doch irgendwie um eine distanzierte Sichtweise bemüht, scheint man in vielen amerikanischen Sendern nur eins zu kennen: Patriotismus. Da wird eingeschworen gegen Saddam, da werden tapfere, überlegene amerikanische Soldaten gezeigt und heroische, ästhetische Bilder von Kampfjets in den Lüften. Die leidvolle Seite des Krieges wird häufig ausgeblendet.
0-Ton FOX News Channel: (Übersetzung) "An unsere Streitkräfte. Für Euren Mut. Für Euer Opfer. Für Eure Tapferkeit. Wir salutieren vor euch. FOX News."
Kommentar: Es ist der größte Infokanal der USA. Ein Sender im Krieg, ganz nah dran an den Soldaten. Der Unterschied zwischen Frontreporter und Kämpfer – längst verwischt. Zum Beispiel Oliver North, Ex-Marine, jetzt für FOX News in der Schlacht.
0-Ton Oliver North: (Übersetzung) (FOX News) "Meine letzte Übertragung von hier wird aus dem befreiten Bagdad kommen. Die Soldaten arbeiten dran. Und die Bösen werden bald tot sein."
Kommentar:
Die Wünsche des Reporters gehen in Erfüllung. Bomben auf Bagdad am vergangenen Freitag. Der Beginn von "Shock and Awe", "Angst und Schrecken", der neuen Strategie der US-Militärs.
Pressekonferenz im Pentagon. Die Journalisten voller Bewunderung für den Angriff. Entfesselte Reporter.
"Werden wir heute wieder so eine Show sehen wie gestern Abend?" fragt ein Reporter im Podium. Und danach sein Kollege: "Tony, noch eine Frage zur Show letzte Nacht."
Das geht selbst dem Pentagon zu weit.
0-Ton Pentagon-Sprecherin: (Übersetzung) "Das ist keine Show, das ist kein Spiel, und man sollte seine Worte sorgsam wählen."
Kommentar:
Journalistische Sorgfalt - so sieht sie bei FOX News aus: Militärkunde für die Zuschauer. Eine Serie stellt Waffengattungen vor.
Journalisten - fast schon Teilnehmer am militärischen Feldzug. Stolz auf die Souvenirs von der Front.
Zwischen den live-Berichten immer wieder Spots, martialisch und patriotisch, so wie viele Journalisten in diesen Tagen.
0-Ton FOX News: (Übersetzung) "Es wäre faszinierend zu wissen, wie es ist, dort zu stehen. Die Schüsse vom Feind, die Befehle, und plötzlich geht es los. Wie steht's dort an der Front?"
"Ja, es ist interessant, beinah wie ein Medienspektakel."
Kommentar:
Bei so viel Begeisterung werden die Proteste zu Hause kleingeredet. Demonstration in New York. Rund 200.000 Menschen protestieren gegen den Krieg. Im Fernsehen diffamieren selbsternannte Experten die Kriegsgegner. Der Protest - angeblich unbedeutend und von Extremisten gesteuert.
0-Ton FOX News: (Übersetzung) "Die Veranstalter der Demonstration sind Kommunisten und Stalinisten, und sie sind für Saddam. Und keiner der Mitmarschierer wehrt sich dagegen."
Kommentar:
Bilder wie beim letzten Golfkrieg 1991. Angeblich punktgenaue Bombardierungen. Die Opfer werden nicht gezeigt. Die Medien haben nichts dazu gelernt. Stattdessen immer wieder Schulterschluss mit den Soldaten. Und viele Medien bekennen ganz offen und distanzlos: "Unsere Herzen sind bei euch."
Interessante Aussagen, nicht wahr?