In dem Beitrag kommt bekommt der Leser unter anderem folgendes zu lesen:
Wir haben sie wohl unterschätzt – die alte Regierung unter Helmut Kohl. Das müssen wirklich erstklassige Leute mit hohem Fachwissen gewesen sein. Ansonsten ist es wohl kaum zu erklären, warum sie dem Medienzaren Leo Kirch so viel Geld wert waren und sind. Denn wie jetzt bekannt wurde, gab er generös einigen hochrangigen Politikern hochdotierte Beraterverträge. Ganz schön teuer eingekauft, so ein Ex-Postminister Bötsch – um das Versandwesen zu revolutionieren? Man fragt sich auch, in welchen Themen Helmut Kohl beraten hat. Europapolitik? Geschichte? Landschaftspflege? Gut, bei einem könnte Beratung Sinn gehabt haben: Theo Waigel – der wusste wenigstens, wie man Schulden macht. Beratervertrag – allein das Wort hat einen komischen Beigeschmack. Andreas Lange und Ariane Reimers über ein lukratives Beziehungsgeflecht, das nun zum bundesweiten Skandal wird.
Kommentar:
Leo Kirch und Helmut Kohl. Seit vielen Jahren dicke Freunde. Aber – und das ist neu – sie waren auch Geschäftspartner. Ex-Kanzler Kohl kassierte Geld von Leo Kirch – für “Beratungstätigkeiten”. Mehrere Hunderttausend Euro sollen geflossen sein. Unmittelbar nach seinem Abgang als Bundeskanzler schloss er den Vertrag mit Kirch. Eine brisante Geschäftsbeziehung, deren genauer Inhalt bis heute geheim gehalten wird.
Das Büro von Helmut Kohl bestätigt nur: Es gab einen Beratungsvertrag mit Kohls Firma P&S. Und zwar vom Frühjahr 1999 bis zum Frühjahr 2002. Wozu Kohl Leo Kirch beraten haben will – dazu keine Auskunft gegenüber Panorama.
Auch Ex-Finanzminister Theo Waigel kassierte Geld von Leo Kirch – ebenfalls für “Beratung”. Theo Waigel bestätigt jetzt schriftlich: Das Vertragsverhältnis bestand vom März 1999 bis Februar 2002. Und auch der ehemalige Postminister Wolfgang Bötsch bekam Geld vom Medienunternehmer Kirch. Auch er als “Berater”. Seine schriftliche Auskunft: Das Vertragsverhältnis bestand von Oktober 1999 bis zum April 2002.
Und noch mehr Berater. Der ehemalige Verteidigungsminister Rupert Scholz und Ex- Wirtschaftsminister und Vizekanzler Möllemann. Ebenfalls von Kirch verpflichtet. Kohl und seine Minister. Millionen sollen geflossen sein. Doch wofür? Darüber schweigen sich die Herren lieber aus.
Waigel spricht von anwaltlicher Verschwiegenheit. Und Bötsch will sich sogar aus grundsätzlichen Erwägungen nicht äußern. Von den anderen – gar keine Antwort.
O-Ton Hans-Jürgen Jakobs: (Süddeutsche Zeitung) “Es wirkt ein bisschen wie ein kleines Dankeschön im Nachhinein. Es bleibt ein Geschmack.”
O-Ton Jörg Schmitt (Manager-Magazin) “...sieht eigentlich momentan eher so aus, als wäre das ganze eher eine Pensionskasse gewesen für abgehalfterte oder ausgeschiedene Minister der FDP oder CDU-Regierung damals . Man muss sich wirklich die Frage stellen, wofür die Gelder gezahlt worden sind.”
O-Ton Hans-Jürgen Jakobs: Süddeutsche Zeitung “Man kommt ins Rätseln, was war denn eigentlich während der Regierungszeit. Waren das nur die normalen Kontakte oder gab es dort auch mehr.”
Kommentar:
Es gab viel. 1982 – Helmut Kohl wird Bundeskanzler. Ein historischer Moment – für Kohl und auch für Leo Kirch.
Denn wenig später gibt Kohl den Startschuss für das Kabelfernsehen. Die Privaten kommen, die Geburtsstunde auch von SAT1. Kirch ist am Ziel. Sein Imperium entsteht.
O-Ton Marcel Rosenbach: (Der Spiegel) “Insgesamt muss man nochmal sagen, dass ja in der Tat bemerkenswert ist, dass Herr Kirch Anfang der 80er Jahre, als es die geistig-moralische Wende gab in Bonn, ein Filmhändler war von Beruf, ein bedeutender Filmhändler, aber eben ein Filmhändler. Der Aufstieg von Leo Kirch zu einem Medienmogul, der neben seinem internationalen Filmhandel auch noch eine ganze Senderkette kontrollierte und 50 Prozent des deutschen Privatfernsehens, fand tatsächlich in der Amtszeit von Helmut Kohl statt.”
Kommentar:
Beim Kirch-Sender SAT 1 muss Kanzler Kohl keine kritischen Fragen fürchten. Stattdessen Hofberichterstattung.
O-Ton Interviewer SAT1: “Was war in dieser Zeit für Sie der schönste Erfolg?”
Helmut Kohl: (ehem. Bundeskanzler) “Ja, das geht so net. Der hat ja noch nicht angefangen gehabt. Fang nochmal langsam an.”
Kommentar:
Wahlkampf 1994: Kohl bekommt auf SAT 1 ein Forum zur Selbstdarstellung. Kirch hilft Kohl.
O-Ton Gerhard Naeher: (SAT1-Nachrichtenchef, 1994) “Ich war damals verantwortlich für die Nachrichtensendungen und Doetz forderte mich direkt auf, im Programm mehr für die Unionsparteien zu tun und ganz konkret – Kohl urlaubte auch damals schon am Wolfgangsee – ein freundliches Portrait und ein freundliches Gespräch mit Kohl führen zu lassen, um Stimmung für die Regierung zu machen.”
Kommentar:
Unter Kanzler Kohl wurde Leo Kirch zum großen Medienmogul. Das System: Geben und Nehmen. Beispiel: Die EU-Kommission.
Gegen deren Widerstand will Leo Kirch eine Allianz mit der Telekom und dem Bertelsmann-Sender Premiere. Der zuständige Wettbewerbskommissar van Miert verweigert die Erlaubnis. Er befürchtet ein Monopol.
Ein Fall für Kanzler Kohl. Persönlich setzt er sich für die Interessen seines Freundes ein – ganz offen, mit einem Besuch in Brüssel.
Karel van Miert, der damalige Wettbewerbshüter beschreibt in seinen Memoiren, wie sich Kohl für Kirch stark machte.
Der Allianz Kohl-Kirch widmet er ein eigenes Kapitel: Überschrift: Der Bundeskanzler schreitet ein. Nachdem die EU Kirchs Wünsche blockiert hatte, habe Kohl gepoltert:
Das bedeutet Krieg.
Auch die Familienbeziehungen sind Teil des Systems Kohl-Kirch. Und so überrascht es nicht, dass Leo Kirch auch Kohls Sohn Peter bereits 1995 mit Aufträgen versorgt. Das wurde jetzt bekannt. Peter Kohls Firma K&R in London kassiert Millionen von Kirch, bis ins Jahr 2000.
O-Ton Hans-Jürgen Jakobs: (Süddeutsche Zeitung) “Es gab offenbar eine Freundschaft der Familien auch und da waren die Mitglieder der Familie davon betroffen. Es ist die Art der Patriarchen gewesen, Geschäfte und Verbindungen untereinander zu machen und die Mitglieder in den Familien daran teilhaben zu lassen. Das ist das Wesen von Patriarchen.”
Kommentar:
Die Spendenaffäre. Kohl wird gejagt. Schwere Zeiten. Und wieder hilft Leo Kirch: Eine Million Mark für Kohls CDU-Wiedergutmachungskollekte.
Tatsächlich die einzige Spende? Kirch muss vor den Untersuchungsausschuss. Der Verdacht: Er sei einer der anonymen Spender, die Kohl bis heute verschweigt.
Auch andere schweigen. Doch die Fragen werden immer brisanter. Wer kassierte noch? Wofür? Können Wirtschaftsbosse wie Leo Kirch Politiker kaufen?
O-Ton Thomas Clark: (Financial Times Deutschland) “Ich glaube, Leo Kirch hat im Grunde genommen nie ein Problem damit gehabt, Leute zu kaufen, das hatte er oft, wenn nicht immer versucht.”
O-Ton Jörg Schmitt: (Manager-Magazin) “Ich denke mal, dass wir da erst gerade mal so an der Spitze des Eisberges sind. Es ist ja oft so, wenn solche langen und mächtigen Strukturen wie bei Kirch aufbrechen, das danach eine ganze Menge nachkommt.
Kommentar:
Eines ist heute schon sicher. Weitere Namen von sogenannten Kirch-“Beratern” werden in den nächsten Tagen enthüllt. Nicht nur Namen von CDU-POlitikern.
Interessante Aussagen, nicht wahr?