PANORAMA Nr. 624 vom 27.3.2002 Thema: Inszenierte Bilder - Stimmungsmache aus dem Kriegsgebiet von Christine Adelhardt, Karin Dohr und Stephan Wels

 

 

 In dem Beitrag kommt bekommt der Leser folgendes zu lesen:

 

Auch wir sind zum großen Teil auf das amerikanische Fernsehen angewiesen. Die meisten Journalisten, die die Militärkolonnen an der Front im Irak begleiten, stammen aus den Vereinigten Staaten. Von ihnen bekommen wir viel Material. Ob aber die Bilder von explodierenden irakischen Panzern, sich ergebenden Soldaten oder sauberen Straßen, die nicht gerade nach Verwüstung aussehen, der Wirklichkeit entsprechen oder aber inszeniert sind, wissen wir nicht genau. Wir müssen uns darauf verlassen, was wir sehen.

 

Christine Adelhardt und Karin Dohr haben eine dieser Szenen, die Sie sicherlich schon aus dem Fernsehen kennen, noch einmal genauer betrachtet und dabei festgestellt, dass sie eigentlich etwas ganz anderes zeigt.

 

Kommentar:

Krieg im Irak. Auf allen Kanälen die gleichen Bilder. "Schlacht um Basra", lautet die Meldung. So wird sie präsentiert:

 

RTL-News, 23.3.2003

"Gegen 14.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit hatte der britische Fernsehsender BBC die Einnahme der Stadt Basra durch die Truppen der Alliierten vermeldet."

 

Kommentar:

Das sollen die Bilder der Schlacht um Basra sein. Was zeigen sie wirklich?

 

Die gleichen Bilder, ein anderer Sender, eine völlig andere Geschichte: "Die Marines zerstören leere irakische Panzer," berichtet der Reporter. Weit und breit keine feindlichen Truppen, niemand unter Beschuss, keine Kampfhandlung.

 

Das sollen also die Bilder der Zerstörung irakischer Panzer sein. Was zeigen sie wirklich?

 

Das Originalmaterial. Die Bilder, die allen Sendern zur Verfügung standen. Aus diesen Szenen haben die Nachrichtenstationen der Welt ihre Berichte geschnitten. Doch wer die Bilder genauer betrachtet, bekommt Zweifel. Was wird uns hier vorgeführt?

 

Der Soldat wartet, blickt zur Kamera, dann erst zieht er die Handgranate. Die Explosion, ein stilisiertes Kriegsbild.

 

Hier zielt ein Soldat, aber auf wen? Dort hinten radelt nur ein Mann.

 

Dieser Soldat legt sogar die Bazoka an. Warum so schweres Gerät gegen einen leeren Panzer?

 

Lächerlich findet das der Militärexperte, dem wir die Bilder zeigen. Inszenierung für die Kamera, so sein Urteil, und er kann es belegen. Der Mann mit der Bazoka. Zerstören so Militärs feindliches Gerät?

 

0-Ton Frank Rödiger: (Oberstleutnant a.D.) "Ein so aufwendiges Verfahren wie mit der Bazoka - diesen Panzer, wo ja nun sinnvoller Weise die Tür hinten schon auf steht, damit er auch reintrifft, zu beschießen, ist völlig überflüssig. Wenn ich, wie vorhin gesehen, eine Handgranate reinwerfe, reicht das vollkommen aus. Die arbeiten natürlich mit der Bazoka, weil das auch wieder ein Stückchen Kriegsgeschehen ist und man dem Reporter Bilder liefert. Das ist ganz offensichtlich. Da sind gute Bilder zu liefern, mit denen der Reporter Kriegsgeschehen darstellen kann."

 

Kommentar:

So erklärt sich auch der Schuss in Richtung Radfahrer. Es sieht aus wie Krieg, doch hier wird nur gespielt.

 

Wir fahren im Band zurück. Zuerst Ladehemmung. In aller Ruhe stellen sich die Soldaten erneut auf. Keine Spur von feindlichem Beschuss. Wir sehen nicht wirklich Krieg, sondern allem Anschein nach Stellübungen für einen Kameramann. Hier wird geprobt für das optimale Bild. Und das ist es.

 

Und es gibt noch mehr davon. Dieses hier: Soldat schleicht an. Warum mit Pistole?

 

0-Ton Frank Rödiger: "Die kann nur einen Sinn machen, wenn dieser Soldat irgendwo einen Gegner vermutet, der ihn beschießen will. Nur, auf diese Entfernung, das sind etwa 200 Meter, so weit reicht ja der Blick, nützt ihm die Pistole nichts. Insofern ist auch diese Szene, auch die geduckte Haltung des Soldaten – ich würde mal etwas kühl sagen: Hollywood, und es zeigt natürlich ein bisschen Krieg, der tatsächlich keiner ist."

 

Kommentar:

Es kracht, es knallt, es wird geballert. Die US-Marines freuen sich. Die Soldaten richten noch schnell einen Laster hin. Gänzlich absurd: MG-Beschuss auf leere Panzer.

 

0-Ton Frank Rödiger: "Das hat einen sehr schönen Effekt. Was man gar nicht mal sehen kann hier, das wird Funken sprühen, und es knallt. Es werden feindliche Panzer zerstört. Damit belässt man es aber nicht, sondern man verbindet diese Zerstörung mit der künstlichen Darstellung von Kampfhandlungen. Hier versuchen Militärs und Journalisten gemeinsam, die Erfolge der Streitkräfte darzustellen und auf diese Weise aber Zuschauer in die Irre zu führen."

 

Kommentar:

Und die Rechnung geht auf. Die Bilder vom Abenteuerspielplatz finden sich in den Nachrichtensendungen wieder. Das gleiche Bild, eine völlig andere Geschichte.

 

0-Ton RTL-News, 23.3.2003: "Die amerikanischen Spezialeinheiten gerieten unter Beschuss aus Maschinengewehren und Panzern. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen.“

 

 Interessante Aussagen, nicht wahr?