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.::Die Geschichte des Islam::. |
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| Die Geburt und frühen Jahre: | |||
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Sie beginnt mit der Geburt des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm). |
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| Er (Friede sei mit ihm) ist am 20.04.571 in der Wüste von Arabien geboren. | |||
| Der Name bedeutet „der Hochgepriesene“. | |||
| Sein Vater Abdallah starb einige Wochen vor seiner Geburt, und sein Großvater nahm sich seiner an. | |||
| Nach der herrschenden Sitte übergab seine Mutter den Säugling einer Beduinienamme, bei der er mehrere Jahre in der Wüste verbrachte. | |||
| Kaum war er nach Hause zurückgekehrt, als ihn seine Mutter, Aminah, zu seinem Onkel mütterlicherseits nach Medina mitnahm, um das Grab Abdallahs zu besuchen. | |||
| Auf dem Rückweg verschied auch sie. | |||
| Kurze Zeit später starb auch sein Großvater. | |||
| Nachdem Muhammad (Friede sei mit ihm) im Alter von acht Jahren schon soviel Kummer kennengelernt hatte, lebte er nun bei seinem Onkel Abu Talib. | |||
| Leider konnte dieser Mann die guten Eigenschaften seines Herzens nicht recht entfalten, da er für seine zahlreiche Familie sorgen mußte und nur über geringe Geldmittel verfügte. | |||
| So mußte der junge Muhammad (Friede sei mit ihm) sogleich für seinen Lebensunterhalt arbeiten; er weidete die Herden einiger Nachbarn. | |||
| Als sein Onkel eine Karawane nach Syrien führte, begleitete ihn der Zehnjährige. | |||
| Andere Reisen Abu Talibs werden nicht erwähnt; nach verschiedenen Angaben unterhielt er einen Laden in Mekka. | |||
| Es ist auch möglich, daß Muhammad (Friede sei mit ihm) seinem Onkel auch bei der Führung seines Ladens behilflich war. | |||
| Jugend und Ehe: | |||
| Muhammad (Friede sei mit ihm) war nun 25 Jahre alt geworden, und seine Ehrenhaftigkeit war allgemein bekannt. Eine reiche Witwe aus Mekka, Khadija, vertraute ihm ihre Waren an, die er in Syrien verkaufen sollte. Sie war begeistert von dem erzielten außerordentlichen Gewinn und bezaubert von den Reizen Mohammeds (Friede sei mit ihm), so daß sie um ihn warb und ihn heiratete, um ein glückliches Eheleben zu führen. | |||
| Fremde Kaufleute brachten oft ihre Waren zum Verkauf nach Mekka. | |||
| Eines Tages verfaßte ein gewisser Jemenite ein satirisches Gedicht gegen die Mekkaner, weil einige von ihnen ihm den Preis für seine Waren nicht bezahlt hatten und kein einziger der anderen ihm zu Hilfe kam. | |||
| Zubair, der Onkel des Propheten und Älteste seines Stammes, empfand lebhafte Gewissensbisse bei dieser berechtigten Satire. Im Verein mit einigen anderen Sippenhäuptern aus der Stadt wurde eine Versammlung von Freiwilligen zusammengerufen, um einen ritterlichen Orden zu gründen, der jedem Unterdrückten in der Stadt, sei er Mitbürger oder Fremder, helfen sollte. Muhammad (Friede sei mit ihm) schloß sich ihm als junger Mann mit Begeisterung an, und er sagte später oft: „Ich habe mich daran beteiligt, und ich bin nicht bereit, auf diese Ehre zu verzichten, selbst nicht für eine ganze Kamelherde; im Gegenteil, wenn einer auch heute noch mich im Namen dieser Verpflichtung zu sich riefe, ich würde ihm zu Hilfe eilen.“ | |||
| Über die religiöse Ausübung des Propheten (Friede sei mit ihm) ist bis zum Alter von 35 Jahren nicht viel bekannt, außer daß er, wie seine Biographen versichern, niemals Götzenbilder, die die Mekkaner anbeteten, angebetet haben soll. | |||
| Etwa um das Jahr 605 n. Chr. fingen die Vorhänge Feuer, die das Äußere der Kaaba (dem schwarzen „Würfel“ in Mekka) bedeckten. Das so versehrte Gebäude konnte den regnerischen Stürmen, die folgten, nicht standhalten - und alles wurde zerstört. Das Gebäude wurde bald wieder aufgebaut. Die Bürger spendeten dafür, ein jeder nach seinem Einkommen, und sie waren sorgfältig darauf bedacht, daß nur ehrlich erworbenes Geld dafür angenommen wurde. Jedermann arbeitete als Maurer mit, auch Muhammad (Friede sei mit ihm), der sich beim Steine schleppen die Schulter verletzte. Als Ausgangspunkt der rituellen Umschreitung um die Kaaba befand sich außen am Gebäude ein schwarzer Stein, der wahrscheinlich noch aus der Zeit Abrahams stammt. Als es darum ging, diesen ehrwürdigen Stein wieder an seinen Platz zu bringen, erhob sich eine große Debatte unter den Bürger: Wem sollte diese Ehre zuteil werden? Es war so weit gekommen, daß fast die Schwerter gezogen worden wären, als jemand vorschlug, den Schiedsspruch der Vorsehung zu überlassen. Der erste, der noch hinzukäme, sollte entscheiden. In diesem Augenblick erschien Muhammad (Friede sei mit Ihm), um wie gewöhnlich dort zu arbeiten. Er war bekannt unter dem Namen Al-Amin (der Zuverlässige), und wurde daher ohne Zögern als Schiedsrichter angenommen. Muhammad (Friede sei mit ihm) breitete ein ungenähtes Tuch auf dem Boden aus, stellte den Stein darauf, rief die Vorsteher aller Stämme der Stadt zusammen, und forderte sie auf den Stoff mit dem Stein hochzuheben; er selbst setzte dann den Stein in die vorgesehene Ecke - und jedermann war befriedigt. | |||
| Seit diesem Augenblick gab sich Muhammad (Friede sei mit ihm) geistlichen Betrachtungen hin. Wie schon sein Großvater, so begann er jetzt sich während des ganzen Monats Ramadan in eine Höhle des „Berg des Lichtes“ zurückzuziehen. Die Höhle hieß „Grotte des Forschens“; dort betete er, meditierte er und teilte seine knappen Vorräte mit den Reisenden, die vorbeizogen. | |||
| Der Beginn des Prophetentums: | |||
| Im fünften Jahr seiner jährlichen Zurückgezogenheit wurde er vierzig Jahre alt. Gegen Ende des Monats Ramadan erhielt er während der Nacht den Besuch eines Engels. Dieser teilte ihm mit, daß Gott ihn zu seinem Boten auserwählt und den Menschen gesandt habe; er lehrte ihn die Waschungen, die Art und Weise Gott anzubeten, d.h. das Gebet, und teilte ihm den göttlichen Auftrag mit den folgenden Worten mit: | |||
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„Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf, Erschuf den Menschen aus einem Blutklumpen. Lies, denn dein Herr ist allgütig, Der mit dem Schreibrohr lehrt, Lehrt den Menschen, was er nicht wußte.“ (Sure 96, Vers 1-5) |
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| Erschüttert kehrte Muhammad (Friede sei mit ihm) nach Hause zurück und erzählte seiner Gattin, was er soeben erfahren hatte; Er fürchtete, daß es sich um irgendeine Teufelei oder um eine Besitzergreifung durch böse Geister handeln könne. Sie tröstete ihn mit dem Hinweis darauf, daß er stets mildtätig und großmütig gewesen sei, den Armen, den Waisen, den Witwen und all denen geholfen habe, die dieser Hilfe bedurften, und daß Gott ihn deshalb gegen alles Böse schützen werde. | |||
| Dann vergingen drei Jahre ohne neue Offenbarungen. Das mußte nach der anfänglichen Erschütterung für Muhammad (Friede sei mit ihm) zuerst eine gewisse Beruhigung bedeuten; dann aber erhob sich ein Verlangen, eine stets wachsende Ungeduld. (...) Denn die Nachricht von seiner ersten Vision hatte sich verbreitet, und in der Zwischenzeit machten sich die kleinlichen Zweifler lustig über ihn und erlaubten sich bitteren Spott, der soweit ging, daß sie höhnten, Gott habe ihn im Stich gelassen. | |||
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| Während dieser drei Jahre der Unterbrechung und des Wartens widmete sich der Prophet (Friede sei mit ihm) mehr und mehr dem Gebet und geistlichen Übungen. Dann begannen die Offenbarungen wieder: Gott versicherte ihm, daß er ihn keineswegs im Stich gelassen habe - im Gegenteil: durch ihn sei er auf den rechten Weg geführt worden; nun solle er sich der Waisen und Bettler annehmen und die Gnade Gottes verkünden (Sure 93). Dies war offenkundig eine Aufforderung zum Predigen. Eine andere Offenbarung forderte ihn auf, die Menschen von dem zu unterrichten, was ihnen drohe, wenn sie ihre schlechten Sitten beibehielten. Er sollte sie ermahnen, nur den einen Gott anzubeten und alles zu unterlassen, was ihn erzürnen könnte (Sure 74:2-4). Wieder eine andere Offenbarung trug ihm auf, seine nächsten Verwandten zu warnen (Sure 26, Vers 214); und endlich: | |||
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„So tue kund, was dir befohlen wurde, und wende dich von den Götzendienern ab.“ (Sure 15, Vers 94) |
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| Muhammad (Friede sei mit ihm) begann seine Botschaft zunächst insgeheim seinen vertrauten Freunden zu verkünden, dann seinem Stamm, dann schließlich öffentlich in der Stadt und ihrer Umgebung. Sein Aufruf war zuerst ein Angriff gegen den Götzendienst, die Vielgötterei und den Atheismus. Er betonte eindringlich die Notwendigkeit, an einen einzigen und übersinnlichen Gott zu glauben, an die Auferstehung und an das Jüngste Gericht, und er forderte zur Nächstenliebe und Wohltätigkeit auf. Er trug Sorge dafür, daß die Offenbarungen, die er empfing, schriftlich aufgezeichnet und von seinen Anhängern auswendig gelernt wurden. Diese Arbeit des Aufzeichnens setzte sich durch sein ganzes Leben hindurch fort, denn der Quran wurde nicht auf einmal im Ganzen offenbart, sondern stückweise. Jede Offenbarung war die göttliche Antwort zu einem besonderen Anlaß. Nach und nach wuchs die Zahl seiner Anhänger, doch mit ihrer Absage an das Heidentum vergrößerte sich auch der Widerstand derer, die am Glauben ihrer Vorfahren festhielten. Dieser Widerstand artete nach und nach in körperliche Quälerei aus - gegen den Propheten (Friede sei mit ihm) ebenso wie gegen die, welche zu seiner Religion übergetreten waren: sie wurden im Sommer auf den glühenden Wüstensand gelegt, mit Eisen gebrannt oder mit Ketten an den Füßen gefesselt. Einzelne starben an den Folgen der Folterung, aber niemand wollte den Glauben aufgeben, wenn er ihn einmal kennen gelernt hatte. An den Vorstehern der Stadt verzweifelnd, rief der Prophet (Friede sei mit ihm) den Seinen, ihre Geburtsstadt zu verlassen und ins Ausland zu flüchten, nach Abessinien, „wo ein gerechter König regiert, bei dem niemand unterdrückt wird“ (vgl. Ibn Hischam). Dutzende von Gläubigen nutzten diesen Ratschlag, aber nicht alle. Und angesichts dieser Auswanderungen mußten sich alle Zurückbleibenden auf ein Anwachsen der Verfolgungen gefaßt machen. (...) Als Folge dieser Auswanderungen einer großen Zahl von Muslimen nach Abessinien schickten die heidnischen Führer eine Delegation, um die Auslieferung der Flüchtlinge zu erlangen. Als der gerechte König Negus dieses verweigerte, richteten sie ein Ultimatum an den Stamm des Propheten (Friede sei mit ihm), indem sie schärfstens betonten, daß dieser verbannt und den Heiden zur Hinrichtung ausgeliefert werden sollte. Doch jeder einzelne des Stammes - ob er nun zum Islam übergetreten war oder nicht - wies diese Forderung zurück (vgl. Ibn Hischam). Die Stadt beschloß daraufhin den vollkommenen Boykott über den Stamm; niemand durfte mit seinen Mitgliedern sprechen noch kaufmännische oder eheliche Beziehungen zu ihnen haben. Eine Stammesgruppe, die um Mekka wohnte und mit den Einwohnern verbündet war, schloß sich dem allgemeinen Boykott an und verursachte furchtbares Elend unter den unschuldigen Opfern - Kinder, Frauen und Greise nicht ausgenommen. Mehrere starben, aber niemand wollte den Propheten (Friede sei mit ihm) seinen Verfolgern ausliefern. Ein Onkel des Propheten (Friede sei mit ihm), Abu Lahab, verließ jedoch seine Stammesgenossen und nahm zusammen mit den Heiden an dem Boykott teil. Nach drei schweren Jahren, während derer die Opfer sogar kleingehackte Häute essen mußten, erklärten vier oder fünf Nicht-Muslime, die verschiedenen Stämmen angehörten und nicht so unmenschlich waren wie die übrigen, öffentlich ihren Abscheu gegen den ungerechten Boykott. Zur gleichen Zeit fand man, daß der Vertrag über den Boykott, der im Tempel aufgehängt war, auf wundersame Weise von Termiten zerstört war, wie es Muhammad (Friede sei mit ihm) vorhergesagt hatte; nur die Namen Gottes und Mohammeds (Frieden sei mit ihm) waren verschont geblieben. Nun endlich wurden die Verbote aufgehoben, jedoch infolge der erlittenen Entbehrungen starben die Gattin des Propheten (Friede sei mit ihm) und sein Onkel Abu Talib kurz darauf. Abu Lahab - ein erbitterter Feind des Islam - wurde darauf Vorsteher des Stammes des Propheten (Friede sei mit ihm). In schamloser Weise sprach er den Bann über seinen eigenen Neffen und machte ihn vogelfrei. Deshalb war der Prophet (Friede sei mit ihm) gezwungen seine Geburtsstadt und seine Familie zu verlassen und anderenorts Zuflucht zu suchen. Er begab sich zu seinen Onkeln mütterlicherseits in Ta'if, ging aber sofort nach Mekka zurück, als die schlechten und bigotten Einwohner von Ta'if ihn mit Steinwürfen aus ihrer Stadt vertrieben und er dabei verwundet wurde. Zu dieser Zeit erlebte Muhammad (Friede sei mit ihm) seine Himmelfahrt: Er sah sich von Gott in den Himmel aufgenommen, er schaute die Wunder der himmlischen Welt und brachte seiner Gemeinde als göttliches Geschenk das islamische Gebet (...). Die Nachricht von dieser himmlischen Begegnung konnte die Feindseligkeit der Heiden nur noch steigern. Der Prophet (Friede sei mit ihm) ging jedoch unbeirrt den Weg seines göttlichen Auftrages. | |||
| Von Mekka nach Medina: | |||
| Die jährliche Pilgerfahrt zur Kaaba führte Araber aus allen Teilen der Halbinsel nach Mekka. Muhammad (Friede sei mit ihm) versuchte daher irgendeinen Volksstamm zu finden, der ihm Obdach gewähren und die Möglichkeit zur Ausführung seiner reformatorischen Sendung geben würde. Die fünfzehn Abordnungen von Stämmen, die er nacheinander aufsuchte, wiesen ihn aber alle mehr oder weniger heftig zurück. Er verzweifelte jedoch nicht, und schließlich traf er zuletzt ein halbes Dutzend Leute aus Medina. Als Nachbarn von Juden und Christen waren ihnen Propheten und ihre geoffenbarte Botschaft bekannt. Sie wußten auch, daß diese „Völker der göttlichen Bücher“ die Ankunft eines Propheten, eines letzten Trösters, erwarteten. Daher wollten sich diese Medinenser sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, den anderen zuvorzukommen. Sie schenkten Muhammad (Friede sei mit ihm) alsbald Glauben und versprachen ihm, in Medina neue Anhänger und die notwendige Unterstützung für ihn zu suchen. Im folgenden Jahre leistete ein Dutzend Medinenser ihm den Treueschwur und baten um einen Islamlehrer. Das Wirken dieses letzteren, Mus'ab, hatte so großen Erfolg, daß er eine Gruppe von 73 Neubekehrten anläßlich der Wallfahrt nach Mekka führen konnte. Diese luden den Propheten (Friede sei mit ihm) - und auch die anderen Muslime aus Mekka - in ihre Stadt auszuwandern und versprachen sie zu schützen und wie die Mitglieder ihrer eigenen Familie zu behandeln. Heimlich und in kleinen Gruppen wanderte nun der größte Teil der Muslime nach Medina aus. Die Heiden beschlagnahmten nicht nur die von ihnen zurückgelassenen Güter, sondern bereiteten auch eine Verschwörung zur Ermordung Mohammads (Friede sei mit ihm) vor. Der Prophet (Friede sei mit ihm) konnte nicht mehr daheim bleiben. (Wir müssen uns hier daran erinnern, daß die Heiden trotz ihrer Feindseligkeiten gegenüber seiner Sendung auf seine Rechtschaffenheit vertrauten - viele von ihnen hatten sogar ihre Ersparnisse bei ihm hinterlegt). Muhammad (Friede sei mit ihm) übergab diese Besitztümer Ali, einem seiner Vettern, der sie den Eigentümern zurückerstatten sollte.) Er verließ dann heimlich die Stadt zusammen mit seinem treuen Freund Abu Bakr und nach mancherlei Abenteuer gelang es ihm, unversehrt nach Medina zu kommen. Es war das Jahr 622; damit beginnt die (islamische) Zeitrechnung der Hidschra. | |||
| Um einen besseren Zusammenschluß der Geflüchteten zu erreichen, vereinte sie der Prophet (Friede sei mit ihm) durch eine Art Bruderschaftsvertrag mit einer gleichen Anzahl unter den reichen Leuten aus Medina. Die Familien der beiden Vertragspartner arbeiteten für den Lebensunterhalt zusammen und halfen sich gegenseitig auf jegliche Art und Weise. Muhammad (Friede sei mit ihm) war davon überzeugt, daß der Mensch sich besser zur Vollkommenheit entwickeln könne, wenn man Religion und Politik einander gleichstellte, wie die Bestandteile eines einzigen Ganzen. Er rief daher die Vertreter der Muslime und der Nicht-Muslime aus dem Bezirk zusammen: Araber, Juden, Christen und andere, und legte ihnen die Schaffung eines Stadtstaates Medina nahe. Nachdem er mit ihnen einig geworden war, gab er diesem Stadtstaat eine schriftliche Verfassung, die erste dieser Art in der Welt, in der die Pflichten und die Rechte der Bürger wie auch des Staatsoberhauptes festgelegt waren. Zu diesem letzteren Amt wurde Muhammad (Friede sei mit ihm) einstimmig berufen. Durch dies Verfassung wurde die bisherige private Rechtsprechung abgeschafft und die Sorge dafür von nun an der Gemeinschaft aller Bürger übertragen. Grundsätze für Verteidigung und Außenpolitik wurden festgelegt. Für die Obligationen, die zu schwer zu tragen waren, wurde eine System von sozialen ma'aqil (Versicherungen) erstellt und man billigte Muhammad (Friede sei mit ihm) das letzte Wort bei allen Streitigkeiten zu. Es gab keine Beschränkung für die gesetzgeberische Macht des Propheten (Friede sei mit ihm). Die Religionsfreiheit wurde ausdrücklich anerkannt, speziell für die Juden, denen die Verfassung die Gleichstellung mit den Muslimen in allem zugestand, was das zeitliche Leben betrifft. Danach machte Muhammad (Friede sei mit ihm) mehrere Reisen, um eine Zusammenführung der benachbarten Stämme zu versuchen und mit ihnen Bündnis- und Hilfsverträge abzuschließen. Er beschloß, unter ihrer Mitwirkung einen wirtschaftlichen Druck auf die Heiden von Mekka auszuüben, die den Besitz der ausgewanderten Muslime beschlagnahmt und unzählige Schäden verursacht hatten. Die Behinderung der Handelskarawanen aus Mekka bei ihrem Durchzug durch das Gebiet von Medina erbitterte die Heiden, so daß ein blutiger Streit entbrannte. Doch neben den Sorgen für die Versorgung der materiellen Interessen der Gemeinschaft wurden die geistigen Gesichtspunkte keineswegs außer Acht gelassen; kaum ein Jahr nach der Auswanderung nach Medina erfolgte die Anordnung der strengsten geistlichen Disziplin: das jährliche Fasten während des ganzen Monats Ramadan für alle erwachsenen Muslime, Männer wie Frauen. Für die Mekkaner war die Austreibung ihrer muslimischen Mitbürger noch nicht genug: Sie stellten an die Einwohner von Medina die Forderung, Muhammad (Friede sei mit ihm) und seinen Gefährten jeglichen Schutz zu entziehen und sie auszuweisen - allerdings offensichtlich ohne Erfolg. | |||
| Die Kriegsjahre: | |||
| Einige Monate später, im zweiten Jahr der Hidschra, schickten sie ein mächtiges Heer gegen den Propheten (Friede sei mit ihm). Der Kampf fand in Badr statt, und die Heiden wurden in die Flucht geschlagen, obwohl sie dreimal so zahlreich waren wie die vom Propheten (Friede sei mit ihm) angeführten Muslime (624). Nach einem weiteren Jahr der Vorbereitung fielen die Mekkaner in Medina ein, um sich für die Niederlage von Badr zu rächen. Der Feind war viermal stärker als die Muslime, zog sich jedoch nach einem blutigen Kampf in Uhud zurück, ohne daß eine Entscheidung gefallen war. Die von den Heiden geführten Söldner wollten sich nicht weiteren Gefahren aussetzen (625). Trotzdem war die Schlacht von Uhud eine Niederlage für die Muslime. | |||
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| Inzwischen hatten die jüdischen Einwohner von Medina mit Unruhestiftung begonnen: Nach dem Siege von Badr war einer ihrer großen Führer, Ka'b ibn al-Aschraf, nach Mekka gereist, um die Heiden seiner Zusammengehörigkeit mit ihnen zu versichern und sie zu einem Vergeltungskampf anzuregen. Nach der Schlacht von Uhud zettelten die Juden seines Stammes eine Verschwörung an, die zur Ermordung des Propheten (Friede sei mit ihm) führen sollte. Sie luden ihn ein, ihr Dorf in Gesellschaft von nur zwei oder drei anderen Personen zu besuchen und gaben vor, daß sie alle bereit seien, den Islam anzunehmen, falls der Prophet ihre Rabbiner, die Dolche in ihren Gewändern verborgen hielten, anläßlich einer Diskussion über religiöse Fragen überzeugen könne. Eine Araberin, die mit einem Juden dieses Stammes verheiratet war, ließ ihrem muslimischen Bruder heimlich die Nachricht darüber zukommen und vereitelte damit das Komplott. So wird es bei Samhudi erzählt, der sich auf alte Quellen stützt und zu Recht darauf verweist, daß diese Version der Ibn Is'haqs vorzuziehen ist. Trotzdem beschränkte sich Muhammad (Friede sei mit ihm) darauf, von den Angehörigen dieses Stammes zu verlangen, daß sie das Gebiet von Medina unter Mitnahme all ihres Besitzes verließen. Sie sollten ihren Grundbesitz verkaufen und ihre Kreditbriefe zurückerhalten. Diese Milde hatte völlig unerwartet einen entgegengesetzten Erfolg. Von Khaibar aus setzten sich die Vertriebenen nicht nur mit den Bewohnern von Mekka, sondern auch mit den Stämmen nördlich, südlich und östlich von Medina in Verbindung, mobilisierten ihre militärische Hilfe und führten einen Angriff auf Medina mit Kräften aus, die viermal so stark waren wie die von Uhud. Die Muslime erwarteten eine Belagerung, hoben einen Graben aus und bereiteten sich auf ihre härteste Prüfung vor. Der Abfall der in der Stadt zurückgebliebenen Juden machte jedoch alle Verteidigungspläne zunichte. Einem geschickten Diplomaten gelang es dann aber, die verbündeten Feinde zu entzweien, und sie zogen sich einer nach dem anderen zurück (627). Zu dieser Zeit wurden alkoholische Getränke und Glücksspiele für die Muslime als verboten erklärt. Muhammad (Friede sei mit ihm) versuchte nochmals sich mit den Mekkanern zu versöhnen und begab sich nach Hudaibiyah, nicht sehr weit von Mekka. Die Abschneidung des nördlichen Karawanenweges hatte die Wirtschaft der Mekkaner zugrunde gerichtet. Muhammad (Friede sei mit ihm) versprach ihnen gesicherte Durchfahrt, die Auslieferung der Flüchtlinge, die sich zu ihm begeben würden, und die Erfüllung jeder anderen vom Feinde gestellten Bedingung. Er war sogar bereit, nach Medina zurückzukehren, ohne die Pilgerfahrt zur Kaaba gemacht zu haben. Die beiden vertragschließenden Parteien gelobten in Hudaibiyah nicht nur den Frieden, sondern auch die Nichteinmischung in Streitigkeiten mit Dritten (628). Diesen Frieden nutzte der Prophet (Friede sei mit ihm) zur Entfaltung einer großen Aktivität für die Verbreitung des Islams. Abgesehen von seinen Bemühungen in Arabien sandte er Missionsbriefe an die Herrscher von Byzanz, von Iran, von Abessinien und anderen Staaten. Der „Autokrator“ oder Oberpriester von Byzanz nahm den Islam an und wurde deshalb von der christlichen Volksmenge gelyncht; der Präfekt von Ma'an (Palästina) wurde aus dem gleichen Grunde vom Kaiser zum Tode verurteilt und gekreuzigt. Ein muslimischer Gesandter wurde in Palästina/Syrien ermordet, und der Kaiser - statt den Mörder zu bestrafen - rannte zu seinem Schutze mit seiner Armee gegen die Stafexpedition an, die der Prophet (Friede sei mit ihm) angeordnet hatte (Schlacht von Mu'tah). | |||
| Die Heiden von Mekka zogen Nutzen aus den Schwierigkeiten der Muslime und verletzten den abgeschlossenen Friedensvertrag. Der Prophet (Friede sei mit ihm) selbst stellte sich an die Spitze einer Armee von zehntausend Mann und überraschte die Stadt, die er ohne Schwertstreich eroberte. Als großmütiger Sieger versammelte er die Bevölkerung um sich und rief ihnen ihre Missetaten ins Gedächtnis: die religiöse Verfolgung, die ungerechte Beschlagnahme des Vermögens der Flüchtlinge, die wiederholten Überfälle, zwanzig Jahre sinnloser Feindseligkeit. Schließlich stellte er die Frage: „Und was erwartet ihr von mir?“ Als alle beschämt das Haupt sinken ließen, rief Muhammad (Friede sei mit ihm): „Gehet in Frieden, und Gott verzeihe euch. Heute soll euch keine Buße auferlegt werden; ihr seid frei“. Er verzichtete sogar auf die Besitztümer, die die Heiden den Muslimen abgenommen hatten. Diese Haltung verursachte Augenblicklich eine Änderung der Lage in psychologischer Hinsicht, und als ein Häuptling aus Mekka nach Bekanntgabe des Straferlasses sich freiwillig an Muhammad (Friede sei mit ihm) wandte, um zum Islam überzutreten, sprach Muhammad (Friede sei mit ihm) zu ihm: „Und ich ernenne dich zum Statthalter von Mekka.“ Ohne einen einzigen Soldaten aus Medina oder anderswo in Mekka zurückzulassen, kehrte der Prophet (Friede sei mit ihm) nach Medina zurück. Die Bekehrung Mekkas zum Islam, die sich in wenigen Stunden vollzog, war vollkommen und aufrichtig (630). | |||
| Nun rüstete sich die Stadt Taif zum Kampf gegen den Propheten (Friede sei mit ihm). Das feindliche Heer wurde nach einigen Schwierigkeiten im Tal von Hunain zerstört. Die Muslime zogen es jedoch vor, die Belagerung von Taif aufzugeben und lieber friedliche Mittel anzuwenden, um den Widerstand dieses Gebietes zu brechen. Knapp ein Jahr später begab sich eine Abordnung von Taif nach Medina und gab dort ihren Anschluß an den Islam bekannt. Sie erbaten jedoch zunächst die Befreiung von der Gebetspflicht, von der Steuer und vom Militärdienst; außerdem die Erlaubnis, die Praxis der Unzucht und des Genusses alkoholischer Getränke fortzusetzen, ja sogar die Erhaltung des Tempels eines Götzen in Taif. Aber der Islam war nicht eine sittenlose materialistische Bewegung und die Abordnung schämte sich bald ihrer eigenen Forderungen bezüglich des Gebetes, des Ehebruch und des Alkohols. Der Prophet (Friede sei mit ihm) gestand ihr die Befreiung von Steuern und Militärdienst zu und fügte hinzu: „Ihr braucht das Götzenbild nicht eigenhändig zu zerstören. Wir werden Leute von hier schicken, die das tun werden. Sollte ein Unglück daraus entstehen, wie euer Unglaube es euch fürchten läßt, so werden diese davon betroffen werden.“ Das zeigt, welche Zugeständnisse der Prophet den Neu-Übergetretenen machen konnte. Die Bekehrung der Taiften war so aufrichtig, daß sie nach wenigen Monaten von selbst auf die mit ihnen vereinbarten Vergünstigungen verzichteten. Dies kann man daraus ersehen, daß der Prophet (Friede sei mit ihm) - so wie in den anderen islamischen Gebieten - einen Steuereinzieher auch in ihrem Gebiet ernannte. | |||
| Während dieser zehn „Kriegs“-jahre hatten die Nicht-Muslime auf den Schlachtfeldern alles in allem etwa 200 Tote zu verzeichnen. Dank dieses gutartigen Eingriffs genas der arabische Kontinent vom Geschwür der Anarchie und Unsittlichkeit. In diesen zehn Jahren uneigennützigen Kampfes nahmen alle Völker der arabischen Halbinsel, Südpalästinas und des Südiraks freiwillig den Islam an. (Einzelnen christlichen, jüdischen und persischen Gruppen jedoch, die ihrem Glauben treu bleiben wollten, wurde jegliche Gewissensfreiheit wie auch gerichtliche und rechtliche Selbständigkeit zugestanden.) | |||
| Im Jahre 10 H., als Muhammad (Friede sei mit ihm) sich zum Hadsch (der Pilgerreise) nach Mekka begab, traf er dort mit 140.000 anderen Gläubigen aus allen Teilen Arabiens zusammen, die ihn zur Erfüllung der religiösen Pflichten begleiten wollten. Er hielt ihnen jene berühmte Rede, in der er seine ganze Lehre zusammenfaßte: Glaube an einen einzigen Gott ohne Bilder oder andere Symbole. Gleichheit der Gläubigen ohne Unterschied der Rasse oder des Standes - ohne andere Überlegenheit als die Frömmigkeit des einzelnen. Schutz des Lebens, der Güter und der Ehre aller Menschen. Abschaffung der verzinslichen Darlehen (auch der nicht-wucherischen). Abschaffung der Blutrache und der privaten Justiz. bessere Behandlung der Frauen. Verpflichtung zur Erbteilung unter den nächsten Verwandten der beiden Geschlechter, wodurch jede Möglichkeit zur Anhäufung von Reichtümern in den Händen einer kleinen Gruppe ausgeschlossen wurde. Der Quran und das Verhalten des Propheten (Friede sei mit ihm) sollten von nun an als Grundlage für das Gesetz und als gesundes Kriterium in allen Fragen des menschlichen Lebens dienen. | |||
| Der Tod und das Erbe: | |||
| Nach seiner Rückkehr nach Medina erkrankte Muhammad (Friede sei mit ihm) und konnte einige Wochen später seine Seele in die Hand seines Schöpfers zurückgeben indem befriedigten Bewußtsein, daß er die ihm anvertraute Aufgabe, der Welt die göttliche Botschaft auszurichten, gut erfüllt hatte. (632 n.Chr.) | |||
| Er hinterließ der Nachwelt eine Religion des reinen Eingottglaubens. Er hat aus nichts einen disziplinierten Staat geschaffen, der vom Chaos des Krieges aller gegen alle befreit war. Er hat eine harmonische Gleichschaltung zwischen dem Geistlichen und dem Zeitlichen, zwischen Moschee und Zitadelle erreicht. Er hat eine neue Rechtsordnung erlassen, die eine unparteiische Rechtssprechung erlaubt und der das Staatsoberhaupt selbst in gleicher Weise unterworfen ist wie jeder einfache Bürger, und bei der die religiöse Duldsamkeit so weit geht, daß die nicht-muslimischen Bewohner des Landes sich einer vollkommenen rechtlichen, gerichtlichen und kulturellen Selbständigkeit erfreuen. Bezüglich der staatlichen Einkünfte hatte der Quran bestimmt, daß sie vor allem den Armen zu dienen haben und keinesfalls Eigentum des Staatsoberhauptes sind. Schließlich sei beigefügt, daß Muhammed (Friede sei mit ihm) seine Lehre in jeder Hinsicht auch selbst befolgt hat. | |||
| Und hier ist die andere Seite: | |||
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Nach dem Fall von Mekka lagen ihm mehr als eine Millionen Quadratmeilen zu Füßen. Doch als Herr von Arabien reparierte er seine eigenen Schuhe, seine ungeschliffen Wollgewänder, melkte Ziegen, reinigte den Herd, zündete Feuer an und kümmerte sich um andere Angelegenheiten in der Familie. Die ganze Stadt Medina, in der er lebte, wurde reich und wohlhabend. Überall war reichlich Gold und Silber. Und doch bestand die Nahrung des Herrschers von Arabien nur aus Wasser und Datteln. Oft ging seine Familie hungrig ins Bett, weil sie abends nichts zu essen fanden. Er schlief nicht in einem weichen Bett, sondern, nach seinen anstrengenden Tagen, auf einer Palmenmatte. Die meiste Nacht stand er weinend vor seinem Herrn im Gebet versunken. An seinem Todestag bestand sein Vermögen aus einigen Münzen, wovon ein Teil zur Schuldenbegleichung ausgeben wurde und der Rest einer bedürftigen Person geben wurde, die zu seiner Hütte kam. Seine Kleidung hatte viele Flicken und das Haus von dem aus das Licht des Islam in die Welt hinausstrahlte, war dunkel, da es kein Öl in den Lampen gab. Man bedenke, daß wir von dem mächtigsten Mann Arabiens reden und die einzigen Titel, die er für sich beanspruchte waren: Diener Gottes und sein Gesandter. Zuerst der Diener, danach erst ein Gesandter. |