|
|
Umars r.a. Jugend
Die Sendung des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) befand sich
noch im Anfangsstadium; der Islam war noch schwach und hilflos. Die Oberen von Mekka waren gegen ihn. Eines Nachts stand der Prophet
"O Allah unser Gott", betete er, "mache den Islam stark durch einen der zwei
Männer, 'Amr Ibn Hisam oder 'Umar Ibn Al-Hattab!"
Das Bittgebet des Propheten Muhammad, Allahs Segen und Friede auf ihm, wurde
erhört. Allah erwählte 'Umar Ibn Al-Hattab, dem Islam zu dienen. 'Amr Ibn
Hisam starb wie Abu Gahl (= Vater der Unwissenheit), aber 'Umar sollte eine Säule
des Islam werden.
'Umar war 12 Jahre jünger als der Prophet
Schon in früher Jugend erhielt 'Umar eine Ausbildung im Kriegshandwerk und
erlernte auch die Kunst der öffentlichen Rede. Schon früh zeigte er
ungewöhnlichen Mut und Offenheit. Er war lernbegierig und ernsthaft in allem,
was er unternahm. Diese Eigenschaften machten ihn schon in jungen Jahren im
Lande bekannt. Seine Handelsgeschäfte führten ihn in andere Länder; und diese
Reisen verschafften ihm ein umfassendes Wissen und ein großes Verständnis für
Menschen und Dinge.
Umar nimmt den Islam an
Als dem Propheten
Mit diesem Entschluß nahm 'Umar sein Schwert und zog aus, um den Gesandten
Allahs
"Du solltest erst einmal auf deine eigene Verwandtschaft achten", sagte der
Freund. "Deine Schwester und ihr Mann haben den Islam angenommen!"
Durch diese Worte wurde 'Umars Zorn in eine andere Richtung gelenkt. Er ging
geradewegs zum Haus seiner Schwester Fatima Bint Al-Hattab und klopfte an die
Tür. Drinnen rezitierte jemand den Qur'an. Fatima erschrak, als sie 'Umars
Stimme hörte. Sie versteckte die Qur'an-Blätter, in denen sie gerade gelesen
hatte, und öffnete die Tür.
"Was hast du gerade aufgesagt?" fragte 'Umar.
"O, nichts", sagte die Schwester.
"Wieso nichts?" rief er zornig aus, "ich habe alles genau gehört. Ich weiß, daß
ihr beide Muhammads Glauben angenommen habt."
Während er dies sagte, begann er seinen Schwager Sa´id zu schlagen. Fatima kam
diesem zu Hilfe und bekam einen Schlag auf den Kopf, so daß er zu bluten anfing.
Dies machte das Paar erst recht mutig;
"Ja, wir sind Muslime geworden", schrien sie 'Umar an, "mach, was du willst! "
Der Anblick der blutenden Schwester berührte 'Umar sehr. Fatima war eine so
liebe Schwester! Sicher mußte im Qur'an etwas Wahres enthalten sein, das ihr
unschuldiges Herz gewonnen hatte.
"Würdest du mich einen Blick in den Qur'an werfen lassen?" fragte 'Umar.
Nach langem Zögern händigte ihm Fatima die wenigen Blätter des Qur'an aus, die
sie besaß und die die ersten acht Verse aus der 57. Sura enthielten.
'Umar setzte sich, um diese Seiten zu studieren. Sein Gesichtsausdruck änderte
sich bald, und sein Zorn kühlte sich ab, als er die ersten acht Verse las,
welche lauten:
Und Er ist mit euch, wo immer ihr (auch) sein möget. Und Allah sieht alles, was
ihr tut. Sein ist das Königreich der Himmel und der Erde; und zu Allah werden
alle Dinge zurückgebracht. Er läßt die Nacht in den Tag und den Tag in die Nacht
eintreten; und Er ist der Kenner all dessen, was (ihr) in den Herzen hegt.
Glaubt an Allah und Seinen Gesandten und spendet von dem, zu dessen Erben Er
euch gemacht hat. Und jenen von euch, die glauben und spenden, wird ein großer
Lohn zuteil sein. Was ist euch, dass ihr nicht an Allah glaubt, obwohl der
Gesandte euch aufruft, an euren Herrn zu glauben; und Er hat von euch bereits
ein Versprechen abgenommen, wenn ihr Gläubige seid."
Die Furcht vor Allah ergriff 'Umars Herz. Er weinte und erklärte: "Sicher,
dies ist das Wort Allahs. Ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist!" ´Umar
setzte seinen Weg zum Propheten
Jetzt ging er nicht zu ihm, um ihn zu töten, sondern um vor ihm seinen Glauben
kundzutun.
Der Prophet
"'Umar, was führt dich zu mir?"
'Umar antwortete: "O Prophet Allahs, ich komme, um den Islam anzunehmen."
Die Freude des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, und seiner Anhänger
war groß. Laute Rufe "Allahu akbar!" schallten durch Mekka. Bald wußte jeder,
daß 'Umar kein Feind des Islam mehr war. Es war ein großer Tag für den Islam,
weil einer seiner ärgsten Feinde sein fester Anhänger geworden war.
Der Beiname Al-Faruq
Der Übertritt 'Umars brachte für den Islam eine Wende. Vorher mußten die Muslime
in ständiger Furcht vor den Ungläubigen leben. Einige hatten ihren Glauben sogar
vor den Mekkanern verheimlicht. Sie konnten ihre Gebete nicht in der
Öffentlichkeit verrichten. Dies alles änderte sich, nachdem 'Umar Muslim
geworden war.
Als erstes rief 'Umar die Oberen von Mekka zusammen, und vor dieser Versammlung
erklärte er, ein Anhänger des Islam zu sein. Man starrte ihn schweigend an,
niemand konnte ein Wort der Entgegnung herausbringen.
Dann bat 'Umar den Propheten
Vor der Auswanderung nach Al-Madina ereignete sich das gleiche. Die meisten
Muslime verließen Mekka still und heimlich mit Ausnahme von 'Umar (r). Er legte
seine Waffen an, ging zur Kaaba und betete dort. Die Oberen von Mekka
schauten ihm schweigend zu. Nach dem Gebet rief er ihnen laut zu:
"Jetzt ziehe ich nach AI-Madina. Wer mich daran hindern will, soll mich jenseits
des Tals treffen. Seine Mutter wird ihn gewiß trauernd beweinen."
Trotz dieser Herausforderung wagte es kein Mekkaner, 'Umar aufzuhalten. Dies
brachte 'Umar den Beinamen "Al-Faruq" ein. "Al-Faruq" heißt einer, der zwischen
Wahrheit und Lüge unterscheidet bzw. eine Änderung herbeiführt. Durch 'Umars
Übertritt zum Islam erfuhren dieser und seine Anhänger einen großen Wandel.
Verehrung für den Prophete
In allen Schlachten und Unternehmungen stand 'Umar dem Propheten
Seine Liebe zu Allah und seinem Propheten war groß, stärker als Blutsbande oder
Freundschaft.
Beim Kampf von Uhud befand sich der Prophet
Der Prophet
"Dann sind also Muhammad, Abu Bakr und 'Umar alle tot?"
Da konnte 'Umar nicht länger ruhig bleiben und rief zurück:
"O Feind Allahs, wir sind alle wohlauf!"
Bei der Einnahme von Mekka nahm der Prophet
Einmal war der Prophet
"Bitte sage dem Gesandten Allahs, daß ich nicht gekommen bin, um für Hafsa zu
sprechen. Wenn es der Prophet will, schlage ich ihr den Kopf ab und lege ihn ihm
zu Füßen."
Als der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm, diese Worte hörte, gestattete
er 'Umar einzutreten.
'Umars Ansichten über die meisten Dinge waren sehr ausgewogen. Oft geschah es,
daß 'Umar (r) eine andere Meinung als die anderen Sahaba hatte.
Nicht selten wurden dann seine Ansichten nachträglich durch später offenbarte
Qur'an-Verse unterstützt. So kam es, dass der Prophet
Als der Prophet
'Umars Verehrung für den Propheten
Krieg mit Persien
Eroberung des Irak
Nach Halid war Al-Mutanna Ibn Harita Oberbefehlshaber der islamischen
Streitkräfte in Al-Hira im Irak. Er wurde vom Feind angegriffen, schlug jedoch
den Vorstoß zurück. Es tauchten aber Gerüchte auf, daß die Perser einen weiteren
schweren Schlag vorbereiteten. Deshalb kam Al-Mutanna Ibn Harita nach AI-Madina,
um dem Kalifen die Lage zu schildern. Einen Tag nach der Ankunft AI-Mutannas
verstarb Abu Bakr (r). Aber vor seinem Tod hatte er 'Umar ans Herz gelegt, in
erster Linie an den Irak zu denken.
Bald kamen die Menschen aus allen Teilen des Landes nach AI-Madina, um dem neuen
Kalifen ihre Treue zu geloben. 'Urnar nutzte ihre Anwesenheit, um mit ihnen zu
sprechen und sie zu überzeugen, daß ihre Teilnahme am irakischen Feldzug
notwendig sei. Aber die meisten Leute waren der Meinung, daß Halid Ibn Al-Walid
der einzige Mann sei, der mit dem Feind fertig werden könne. Sie zweifelten am
Erfolg eines Feldzuges, der nicht von Halid geleitet würde. 'Umar fuhr jedoch
fort, seine Gedanken dem Volk eindringlich nahezubringen. Er wollte die falsche
Vorstellung ausmerzen, daß der Islam nur auf einen bestimmten Mann angewiesen
sei, so hervorragend dieser auch sein mag. Schließlich erklärte Abu 'Ubaida Ibn
Al-Garrah (r), Oberhaupt der Banu Taqif, daß er für die Sache Allahs kämpfen
wolle, und viele Männer folgten daraufhin seinem Beispiel. Abu 'Ubaida erhielt
das Oberkommando für die Kämpfe im Irak.
Sieg über Gaban und Nursyy
Die Niederlagen der Perser im Irak ließen ihre Herrscher verzweifeln. Die Führer
begruben ihre Streitigkeiten und trafen sich zu Beratungen. Nach vielen
Überlegungen krönten sie die Prinzessin Puran Duukht zur Kaiserin und ernannten
den wohlbekannten Adligen Rustum zu ihrem obersten Minister und Oberbefehlshaber
der Streitkräfte. Als erstes nahm Rustum die Grenzbezirke wieder in Besitz, die
in die Hände der Muslime gefallen waren. Dann sandte er zwei große Heere aus
unter der Führung von Gaban und Nursyy, zwei Männern, die in der Kriegsführung
sehr erfahren waren. Nursyy war ein Prinz und Gaban ein Mann von hohem Adel.
Abu 'Ubaida führte die erste Schlacht gegen Gaban bei Namariq. Gaban wurde
völlig besiegt und von einem muslimischen Soldaten gefangen genommen, der nicht
wusste , wer sein Gefangener war. Gaban sagte zu ihm: "Ich bin ein alter Mann,
laß mich gehen. Ich werde dich dafür gut bezahlen."
Der Soldat willigte ein. Bald darauf wurde Gaban aber von einem anderen Soldaten
erkannt, und man schleppte ihn vor Abu 'Ubaida. Gaban berichtete ihm von dem
Handel, den er mit einem seiner Männer gemacht hatte. Die meisten der Anwesenden
verurteilten diese Handlungsweise mit scharfen Worten, aber Abu 'Ubaida sagte:
"Wir müssen ein einmal von uns gegebenes Wort halten. Der Islam erlaubt uns
nicht, unser Wort zu brechen."
So erhielt Gaban seine Freiheit wieder.
Die Perser, die von Namariq geflohen waren, stießen zur Armee Nursyys. Aber
Nursyy wurde ebenfalls besiegt. Beide Siege waren von Nutzen für den
Grenzbereich. Die Oberen und Edlen dieser Bezirke erschienen vor Abu 'Ubaida
(r), um ihm Treue zu geloben.
Ein Beispiel für die Gleichheit im Islam
Einige der Oberen brachten nach ihrer Unterwerfung ausgewählte Speisen für Abu 'Ubaida.
"Sind diese Gerichte für mich oder für die ganze Armee?" fragte er.
Sie erwiderten, es sei schwierig, in so kurzer Zeit für das ganze Heer Essen
zuzubereiten. Aber Abu 'Ubaida sagte: "Diese Männer sind genauso wie ich bereit,
ihr Blut im Kampf zu vergießen. Also muß auch ich bereit sein, das gleiche zu
essen wie sie."
Solche Worte hatten die stolzen Herren noch nie gehört, da sie einen anderen
Lebensstil in Persien gewohnt waren. Die muslimische Lebensweise versetzte sie
über alle Maßen in Erstaunen.
Die Schlacht bei der Brücke
Die Niederlagen von Gaban und Nursyy schreckten Rustum auf: er mußte etwas gegen
die Muslime unternehmen. Sogleich stellte er ein gewaltiges Heer unter dem
Befehl seines tapfersten Generals Bahman Dschaduya auf und übergab ihm die
berühmte Durfasch-i-Kawayani, die heilige Flagge Persiens, die nur bei ganz
besonderen Anlässen herausgegeben wurde.
Im Monat Sa'ban im Jahre 13 n.H. rückte Abu 'Ubaida gegen Bahman vor. Der
Euphrat trennte die beiden Heere. Bahman fragte Abu 'Ubaida, welches der beiden
Heere übersetzen solle. Die muslimischen Heeresführer wollten gern auf ihrer
Flußseite bleiben. Aber Abu 'Ubaidas Selbstvertrauen war so groß, daß er sich
entschloß, jenseits des Flusses zu kämpfen. Die Muslime überquerten daraufhin
den Fluß auf einer aus Booten gebauten Brücke. Hier waren sie jedoch erheblich
im Nachteil: Das Gelände war uneben, so daß das Heer sich nicht frei bewegen
konnte. Das schlimmste aber war, daß die Perser durch eine dicke Mauer von
Elefanten geschützt waren. Die arabischen Pferde hatten nie zuvor so große Tiere
gesehen; sie scheuten und waren schwer zu zügeln.
Als Abu 'Ubaida das sah, befahl er seinen Männern, abzusitzen. Mit ihren
Schwertern zerschnitten sie die Stricke der auf den Elefanten befestigten Sitze,
brachten so die Reiter zu Boden und töteten sie. Aber die Elefanten selbst
blieben ein Problem. Sie trampelten die Männer zu Tode. Ein weißer Elefant, der
Anführer der Herde, wurde zum Schrecken der Soldaten. Überall, wo er auftauchte,
wurden die Muslime von Panik ergriffen, und ihre Linien brachen zusammen. Abu 'Ubaida
mußte etwas unternehmen: So trennte er mit einem Schwertstreich den Rüssel des
Elefanten ab. Im nächsten Augenblick trampelte das wütende Tier den
Oberbefehlshaber der Muslime zu Tode. Sein Bruder sprang vor, um die Standarte
zu halten, aber er erlitt das gleiche Schicksal. Auf gleiche Weise fielen
nacheinander sieben Verwandte Abu 'Ubaidas.
Dadurch verlor das muslimische Heer seinen Kampfgeist. Sie wollten fliehen, aber
die Brücke war nicht mehr da. Sie war von einem jungen Mann der Banu Taqif
abgebrochen worden, um die muslimischen Soldaten an der Flucht zu hindern. Die
Lage schien hoffnungslos. Nun hatte Al-Mutanna Ibn Harita den Oberbefehl, Er
ordnete an, die Brücke wieder herzustellen. Inzwischen hielt er den Feind
zurück. Trotzdem erlitt das islamische Heer schwere Verluste. Fast 4000 Mann
ertranken im Fluß; von einer Armee mit 9000 Mann konnten sich nur 3000 retten.
Vorbereitung zur Vergeltung
'Umar (r) war sehr traurig über die Niederlage. Der Verlust so edlen Lebens
bewegte ihn sehr. Er forderte verschiedene Stämme durch Boten auf, unter dem
Oberbefehl von Al-Mutanna Ibn Harita zu kämpfen, und es dauerte nicht lange, bis
Al-Mutanna genügend Männer beisammen hatte, um den Kampf wieder aufzunehmen.
Diesmal wählte Rustum den General Mehran zum Kampf gegen die Muslime. Dieser
General hatte langjährige Erfahrung und kannte die arabische Kriegsführung.
Rustum war überzeugt, daß Al-Mutanna Ibn Harita kein leichtes Spiel gegen Mehran
haben würde. Um ganz sicher zu gehen, stellte er 12.000 Mann der kaiserlichen
Garde unter Mehrans Befehl. Die beiden Heere trafen sich da, wo heute Al-Küfa
steht. Wieder trennte sie der Euphrat. Mehran fragte Al-Mutanna, ob er
übersetzen wolle; er verneinte. Nun setzte das persische Heer über den Fluß.
Die Schlacht begann. Es war ein verbissener Kampf: Die Perser waren zahlenmäßig
um ein Mehrfaches überlegen, doch die Muslime kämpften verzweifelt. Mit
erstaunlichem Wagemut stießen sie mitten in die persischen Heere. Ein junger
Mann der Banu Taglib erkannte Mehran. Er stürzte sich auf ihn und schlug ihm den
Kopf ab. Dann rief er: "Ich bin ein junger Taglib und habe den Anführer der
Perser getötet!"
In der persischen Menge entstand daraufhin Unruhe, und es folgte ein wilder
Ansturm auf die Brücke. Al-Mutanna Ibn Harita hatte jedoch seinen Plan bereits
ausgeführt, die Brücke abzubauen, ehe der Feind sie erreichen konnte. Ohne die
rettende Brücke ertranken Tausende von Persern; nicht weniger als 100.000
verloren ihr Leben in dieser Schlacht. Der Sieg der Muslime war vollständig. Der
ganze Irak westlich des Euphrat lag nun in den Händen der Muslime.
Yezdegerd wird Kaiser
Die Niederlage brachte die Herrscher Persiens in große Schwierigkeiten. Wieder
traf sich der Adel zu geheimer Beratung. Man war sich klar, daß das Land
gerettet werden mußte und daß kein Preis dafür zu hoch sei. Schließlich kamen
sie überein, daß eine Frau die Staatsgeschäfte nicht führen könne; und sie
setzten einen männlichen Herrscher an die Stelle der Kaiserin: Yezdegerd, ein
einundzwanzigjähriger geistvoller junger Mann, wurde Kaiser. Der neue Kaiser
nahm seine Aufgabe ernst. Er reorganisierte das Heer und verstärkte die Grenz
Verteidigung. Er regte den Adel zu neuen Taten an, und in Persien wurde ein
neues Lebensgefühl spürbar. Verlorene Teile des Irak wurden wieder gewonnen. Als
'Umar (r) davon erfuhr, befahl er Al-Mutanna Ibn Harita, sich an die arabische
Grenze zurückzuziehen. Auf diese Anweisung hin sammelte Al-Mutanna seine
Streitkräfte in einem Lager bei Di Qar, einem arabischen Außenposten. Der
gesamte Irak war wieder einmal in persischer Hand.
Für kurze Zeit erschien das Perser-Reich so mächtig wie zuvor. Es gewann zurück,
was es verloren hatte, und der junge Yezdegerd schien Persien den früheren Ruhm
zurückgegeben zu haben. Der Adel und das Volk waren glücklich darüber, aber ihre
Freude war nur von kurzer Dauer; denn jenseits der Grenze bahnten sich
furchtbare Dinge an.
Die Schlacht von Al-Qadisiyya
Der Wiederaufstieg Persiens und die damit verbundene erneute Bedrohung für den
islamischen Staat war eine Herausforderung, der man begegnen mußte. 'Umar (r)
traf Kriegsvorbereitungen in großem Umfang. Die Gouverneure erhielten Befehle,
treue Krieger, erprobte Generäle und gute Redner in die Hauptstadt zu schicken.
Diese Befehle wurden ausgeführt, und die besten Söhne des Islam versammelten
sich in AI-Madina.
'Umar (r) wollte das Heer selbst führen. Talha, Az-Zubair Ibn AI-'awwarn, 'Abdurrahman
Ibn 'Auf und andere hervorragende Sahaba des Propheten wurden zu Anführern
verschiedener Abteilungen ernannt. 'Umar (r) marschierte ungefähr drei Meilen
lang an der Spitze des Heeres; dann schlug er ein Lager auf, um endgültig zu
entscheiden, ob er selbst das Oberkommando weiter behalten sollte, wie es die
meisten wollten. Aber die alten Krieger meinten, daß dies zu gefährlich sei:
Niemand könne den Ausgang der Schlacht voraussagen, und falls die Muslime unter
dem Kommando des Kalifen unterliegen sollten, könnte ihnen nichts mehr ihr
Vertrauen und Ansehen zurückgeben. Dies leuchtete 'Umar ein. Er übertrug deshalb
Sa'd Ibn Abi Waqqas, einem Onkel des Propheten mütterlicherseits, den
Oberbefehl. Er selbst kehrte nach AI-Madina zurück. Sa'd setzte den Vormarsch
fort, bis er die Stelle erreichte, wo jetzt Al-Kufa steht. Hier erfuhr er von
AI-Mutanna Ibn Haritas Tod. Al-Mutannas Bruder stieß mit seiner Streitmacht zu
Sa'd; er überbrachte dem neuen Befehlshaber nützliche Hinweise, die sein
verstorbener Bruder ihm gegeben hatte.
Von Al-Madina aus befaßte sich 'Umar (r) bis in alle Einzelheiten mit dem
Feldzug, und Sa'd erhielt vom Kalifen ständig Anweisungen. Dieser bestimmte
auch, wie die Armee gegliedert werden sollte, und er wählte Al-Qadisiyya als den
Ort aus, an dem die Muslime Halt machen sollten. Dann ließ er sich eine genaue
Karte der Umgebung anfertigen. Anhand dieser Landkarte legte er dann die
anzuwendende Taktik fest.
Ungewohntes Gespräch bei Yezdegerd
Sa'd erhielt die Anweisung, dem Feind vor Beginn des Kampfes den Frieden
anzubieten. Als Unterhändler wurden die Oberen von 14 verschiedenen Stämmen
entsandt. Yezdegerd versammelte seine Ratgeber, um die Unterhändler zu
empfangen. Der Hof war ein Spiegel persischen Pomps und Glanzes; denn die Perser
wollten durch Prachtentfaltung die Augen der Wüstenbewohner blenden. Aber es
zeigte sich, daß die Muslime von anderer An waren: Mit Umhängetüchern aus dem
Yemen um die Schultern, Lederschuhen an den Füßen und Peitschen in den Händen
gingen sie unbekümmert an den Hof. Die Höflinge und der Kaiser waren
gleichermaßen über das furchtlose Auftreten der Muslime erstaunt.
|
|
Die Friedensgespräche begannen. Yezdegerd fragte die Abgesandten, weshalb sie in
sein Land gekommen seien. Nu'man Ibn Muqarrin, der Leiter der Abordnung, trat
hervor und sagte:
"Herrscher, vor nicht allzulanger Zeit waren wir noch ein unwissendes und wildes
Volk. Allah hatte Mitleid mit uns und sandte uns Seinen auserwählten Propheten.
Der Prophet zeigte uns den Weg der Wahrheit. Er rief uns zu einem besseren Leben
auf und befreite uns von allem Übel. Er versprach uns in diesem und im nächsten
Leben Erfolg, wenn wir seine Botschaft anerkennen. Wir glauben an seine Sendung.
Dann befahl er uns, seine Botschaft, den Islam, den uns umgebenden Völkern zu
bringen. Der Islam ist der Urquell alles Guten. Er sagt ganz klar, was gut und
was böse ist. Persische Edle, wir rufen euch auf den Weg des heiligen Glaubens.
Wenn ihr ihn annehmt, kann es nur das Beste für euch sein, und wir werden euch
in Frieden lassen. Wir werden euch Allahs geschriebenes Gebot übergeben. Dieses
Buch wird euer Führer sein. Ihr werdet seine Gebote befolgen. Aber wenn ihr die
Botschaft des Islam zurückweist, müßt ihr unter unserer Herrschaft leben und die
Gizya bezahlen. Auch müßt ihr dafür sorgen, daß es keine Ungerechtigkeiten und
üble Taten mehr in eurem Land gibt.
Wenn ihr auch dies verweigert, muß das Schwert entscheiden." Yezdegerd hörte
diese Rede ruhig an und sagte: "Araber, vor nicht allzulanger Zeit gab es kein
Volk, das so armselig und verkommen war wie ihr. Es genügte die Anweisung an
einen Grenzposten, um Vergehen von euch zu bestrafen und Ordnung zu schaffen.
Daher rate ich euch, eure Eroberungsgelüste aufzugeben. Sollte es euch an
Nahrung oder anderen Dingen fehlen, laßt es uns wissen. Wir werden euch mit dem
Notwendigen versorgen. Wir werden auch einen gerechten Herrscher über euch
ernennen, der euch mit Güte regieren wird."
Nach diesen Worten stand Al-Mugira Ibn Zarara auf und erwiderte: "Kaiser, wir
lebten tatsächlich so armselig, wie ihr sagtet, vielleicht sogar in noch
schlimmerem Maße. Wir aßen tote Tiere, bekleideten uns mit Fellen und schliefen
auf dem Boden. Aber seit Allahs auserwählter Prophet unter uns erschienen ist,
haben wir uns grundlegend geändert. Seine wunderbare Lehre und sein erhebendes
Beispiel haben uns zu den Führern der Welt gemacht. Auch stolze Herrscher wie
ihr fürchten uns jetzt. Kaiser, jedes weitere Gespräch ist nutzlos. Entweder
erkennt ihr den auserwählten Propheten an und beugt euch vor seiner erhabenen
Lehre, oder ihr zahlt die Gizya. Wenn ihr beides verweigert, entscheidet das
Schwert!" Al-Mugiras Worte brachten den Kaiser außer Fassung.
"Bei Yazdan", brüllte er zornig, "wenn uns nicht das Gesetz daran hinderte, das
Blut von Unterhändlern zu vergießen, hätte ich euch enthaupten lassen! Aber ich
werde Rustum beauftragen, mit euch abzurechnen. Er wird euch und alle eure
Kameraden in der Erde von Al-Qadisiyya begraben."
Dann frage er: "Wer hat das größte Ansehen unter euch?"
"Ich", antwortete 'Asim Ibn 'Umar.
Der Kaiser ließ einen Korb mit Erde füllen und ihn 'Asim auf den Kopf setzen.
Dieser lief davon und brachte ihn zu seinem Befehlshaber Sa'd. Als er den Korb
vor diesem niedergesetzt hatte, sagte er:
"Ich gratuliere dir zum Sieg! Der Feind hat uns sein Land selbst ausgehändigt!"
Sa'd gefiel dies sehr, und er nahm dies als ein gutes Vorzeichen für den Sieg
der Muslime. Der Fortgang der Ereignisse gab ihm recht.
Rustums Demütigung
Mit einer Armee von 120.000 Mann zog Rustum nach Al-Qadisiyya. Hier bezog er
Stellung für die Schlacht, aber im Innersten seines Herzens fürchtete er die
Muslime. Daher zögerte er den Beginn der Schlacht um einige Wochen hinaus.
Ständig waren Abgesandte beider Seiten unterwegs. Der letzte Abgesandte, der
Rustum aufsuchte, war Al-Mugira Ibn Su'ba. Rustum tat alles, was er konnte, um
den Muslim mit Glanz zu blenden: Er saß auf einem goldenen Thron, hatte eine
Diamantenkrone auf dem Haupt, und der ganze Hof war mit Brokat, Gold und
Diamanten reich geschmückt. Al-Mugira Ibn Su'ba stieg vom Pferd herab, ging
geradewegs zu Rustums Thron, stieg hinauf und setzte sich an Rustums Seite.
Alle Anwesenden waren aufs äußerste verblüfft; denn so etwas Ungeheuerliches
hatte noch niemand gewagt. Schließlich kamen Wachen herbeigelaufen und zwangen
Al-Mugira, vom Thron herunterzusteigen. Al-Mugira blieb jedoch kühl und sagte,
an den versammelten Hof gerichtet: "Edle von Persien! Ich hielt euch für weise,
aber ihr habt euch als töricht erwiesen. Wir Muslime erheben niemals einen
Menschen in den Rang von Göttern. Die Schwachen unter uns glauben nicht an die
Überlegenheit der Starken, und ich dachte, ihr würdet nach denselben Grundsätzen
handeln. Ich wußte nicht, daß bei euch die Starken über Schwachen stehen und von
diesen angebetet werden. Auch war mir nicht bekannt, daß ihr nicht an die
Gleichheit der Menschen glaubt. Wenn ich das gewußt hätte, wäre ich überhaupt
nicht erst an euren Hof gekommen. Aber ich sage euch, daß ihr mit diesen
Methoden euer Reich nicht halten könnt. Unruhe unter den Schwachen wird alles
auf den Kopf stellen." Mit Al-Mugiras Rede waren die Friedensgespräche beendet.
Aber in den Ohren der persischen Noblen klangen seine Worte nach.
"Wie wahr die Worte dieses freimütigen Muslims sind!" sagten einige.
"Der Bursche hetzt unser Volk gegen uns auf, sagten andere, "es wäre töricht,
auf die Muslime herabzusehen."
Die Schlacht
Im Monat Al-Muharram des Jahres 14 n.H. begann endlich die Schlacht von
Al-Qadisiyya. Sa'd Ibn Abi Waqqas (r), der muslimische Oberbefehlshaber, war
jedoch krank und erlitt starke Schmerzen. So konnte er den Einsatz nur vom Dach
eines nahe gelegenen Hauses aus leiten. Er befahl den Angriff nach dem frühen
Nachmittagsgebet. Nach islamischer Regel rief der Befehlshaber dreimal laut: "Allahu
akbar!"
Beim vierten Ausruf setzte sich das Heer in Bewegung. Der Kampf dauerte bis spät
in den Abend. Die persischen Elefanten waren wieder das Schreckgespenst für die
arabischen Pferde und die muslimischen Bogenschützen versuchten, sie und ihre
Reiter zu treffen. Aber das Problem mit den Elefanten blieb ungelöst, und der
erste Tag endete mit einem Vorteil für die Perser.
Am Morgen des zweiten Tages wurde die Schlacht fortgesetzt. Die Toten wurden
beerdigt, die Verwundeten der Pflege der Frauen überlassen. Vor Beginn des
Kampfes traf Verstärkung aus Syrien ein. Es waren 6000 Mann, die jedoch bis zum
Abend in kleineren Gruppen heraneilten. Diese Taktik erweckte bei den Persern
den Eindruck, daß sich die islamische Armee ständig vergrößere. Der Gedanke
erfüllte sie mit Schrecken.
Die syrischen Truppen hatten sich etwas besonders Kluges ausgedacht, um gegen
die Elefanten zu kämpfen: Sie bedeckten ihre Kamele mit großen schwarzen,
wehenden Umhängen, und dieser Anblick bewirkte, daß die Elefanten verwirrt
wurden und sich nicht mehr leiten ließen. Bis Mitternacht blieben die beiden
Heere in einen Kampf auf Leben und Tod verwickelt. Bahman, Prinz Schahr Baraz
und viele andere persische Führer wurden getötet. Die Muslime erlangten
insgesamt einen klaren Vorteil.
Ein seltsamer Vorfall
Am darauf folgenden Tag ereignete sich während der Schlacht ein seltsamer
Vorfall. Abu Mahgan At-Taqafyy war ein großer Krieger und guter Dichter, aber
Sa'd hatte ihn betrunken angetroffen und ins Gefängnis geworfen. Vom Fenster
seines Gefängnisses aus sah der tapfere Krieger die bewegten Szenen der Schlacht
und wäre gern dabeigewesen. Da ging Sa'ds Frau Salma vorbei; er flehte sie an,
ihn zu befreien, damit er am Kampf teilnehmen könne. Er versicherte ihr: "Wenn
ich am Abend noch lebe, kehre ich in diese Zelle zurück und lege die Fesseln
wieder an." Salma war bewegt von seinen Worten und befreite ihn. Abu Mahgan
stürzte sich daraufhin sofort in das Getümmel der Schlacht.
Sa'd bemerkte vom Dach des Hauses aus die überragenden Heldentaten eines
einzelnen Kriegers. Überall, wo er auftauchte, brachen die feindlichen Linien
zusammen; Sa'd war voller Lob über seinen Mut und wollte wissen, wer er sei.
Am Abend kehrte Abu Mahgan freiwillig ins Gefängnis zurück und legte seine
Fesseln an. Am Morgen erfuhr Sa'd von seiner Frau alles über den tapferen
Gefangenen. Jetzt wußte er, wer der bewundernswerte Krieger des vergangenen
Tages war.
"Bei Allah !" erklärte Sa'd (r). "Ich kann einen Mann, der sich so sehr für
seinen Glauben einsetzt, nicht hinter Gitter sperren."
"Bei Allah !" erklärte Abu Mahgan nach seiner Freilassung.
"Ich will nie mehr einen Tropfen Wein zu mir nehmen!"
Niederlage der Perser
Der dritte Tag der Schlacht begann. Die persischen Elefanten waren noch immer
ein Problem, und Sa'd fragte schließlich zwei persische Muslime, wie man ihnen
am besten beikommen könne.
"Stecht ihnen die Augen aus!" rieten sie.
Es gab zwei große Elefanten, die die Herde anführten. Zwei muslimische Krieger
übernahmen es, eines der riesigen Tiere zu erledigen: Gleichzeitig stachen sie
mit ihren Speeren seine beiden Augen aus, dann schlug ihm einer von beiden den
Rüssel ab. Das gleiche geschah mit dem zweiten Riesen.
Wahnsinnig vor Schmerz taumelten beide Elefanten zum Fluß zurück, und der Rest
der Herde folgte den geblendeten Anführern. Von da an wurden die Elefanten nicht
mehr gesehen.
Die Schlacht wütete Tag und Nacht mit unverminderter Heftigkeit. Im Morgengrauen
trieben die Oberen verschiedener arabischer Stämme ihre Männer mit lauten Rufen
zu einem letzten Vorstoß an. Diese sprangen von ihren Pferden und stürzten sich
mit gezogenem Schwert in die feindlichen Linien. Noch vor Mittag waren sie im
Zentrum der persischen Streitkräfte. Einige von ihnen drangen sogar bis zu
Rustum, dem persischen Befehlshaber, vor. Dieser saß auf seinem goldenen Thron
und leitete von hier aus das Gefecht. Überrascht sprang er herab und kämpfte
vorbildlich, aber schließlich wurde er von dem muslimischen Soldaten Hilal Ibn 'Alqama
erschlagen. Hilal sprang auf Rustums goldenen Thron und rief aus:
"Beim Herrn der Al-Ka'ba, ich habe Rustum erschlagen!"
Der Kalif erhält die Siegesnachricht
'Umar (r) bangte sehr dem Ausgang der Schlacht entgegen. Jeden Morgen ging er
einige Kilometer vor AI-Madina hinaus und wartete auf einen Boten aus
Al-Qadisiyya. Eines Tages sah er einen Kamelreiter in der Ferne. "Woher?" fragte
'Umar, als der Reiter nähergekommen war.
"Von Al-Qadisiyya!" hieß die Antwort, und der Mann ritt weiter. 'Umar (r) lief
neben ihm her, um Schritt zu halten, und fragte weiter:
"Aber welche Neuigkeiten bringst du denn?"
"Allah hat den Muslimen den Sieg verliehen", antwortete der Bote.
Nun lief 'Umar (r) weiter, um noch mehr Einzelheiten von ihm zu erfahren. Als
beide die Stadt erreichten, begrüßte das Volk 'Umar als den Führer der
Gläubigen. Der Bote war völlig überrascht; denn er hatte 'Umar vorher nie
gesehen. "O Führer der Gläubigen", fragte er mit leiser Stimme,
"warum hast du nicht gesagt, wer du bist?"
"Mach dir deshalb nur keine Sorgen", sagte 'Umar, "bitte fahre fort mit den
Einzelheiten deines Berichts! "
Die Eroberung Persiens
"Eine Gruppe von Muslimen wird den »Weißen Palast« des persischen Kaisers
besetzen", hatte der Prophet (Friede sei mir ihm) vor einigen
Jahren vorausgesagt. Die stolze Hauptstadt des Perser-Reiches war Al-Mada'in.
Hier lebte der mächtige Kaiser in seinem berühmten "Weißen Palast". Die
Kaiserstadt war nicht mehr als 40 Meilen von Al- Qadisiyya entfernt.
Nach dem Sieg von Al-Qadisiyya blieb Sa'ds Heer zwei Monate in Ruhestellung. Als
die Männer sich erholt hatten, befahl Sa'd den Marsch auf Al-Mada'in. Städte und
Befestigungen am Wege wurden mühelos eingenommen, und bald erreichten die
Muslime das Ufer des Tigris. Auf der anderen Seite glänzte der "Weiße Palast" in
der Sonne.
Die Perser hatten die Brücke über dem Fluß zerstört. Sa'd befahl einigen seiner
Leute, überzusetzen und das andere Ufer für eine Landung des Heeres zu sichern.
Sechzig Reiter stürzten sich sogleich in den Fluß. Dieser Anblick erschreckte
die persischen Wachen so sehr, daß sie laut schreiend davonliefen:
"Die Riesen sind da! Die Riesen sind da!"
So setzte Sa'd mit seinem Heer über, ohne auf Widerstand zu stoßen. Yezdegerd
und sein Hof waren schon geflohen. Als die Muslime schließlich im "Weißen
Palast" waren, fanden sie Mengen von Edelsteinen und unermeßliche Schätze. Ein
Fünftel dieser reichen Beute wurde nach AI-Madina geschickt, der Rest wurde
unter die Männer verteilt. Jeder Soldat erhielt 12.000 Goldstücke und andere
wertvolle Gegenstände. Sa'd und 'Umar dankten Allah dafür, daß ihre Männer sich
während des ganzen Feldzuges als vollkommen ehrlich und aufrichtig erwiesen
hatten.
Umar weint
Als die reiche Beute aus dem "Weißen Palast" in Al-Madina eintraf und in der
Propheten-Moschee aufgehäuft wurde, brach 'Umar bei diesem Anblick in Tränen
aus.
"Das ist doch kein Grund zum Weinen", bemerkte einer, der dabeistand.
"Ich weine", sagte 'Umar (r), "weil Reichtum Feindschaft und gegenseitige
Erbitterung hervorruft, und ein Volk mit diesen üblen Eigenschaften verliert
sein Ansehen."
Zur Beute gehörte auch das Schwert des Kaisers. Sein Knauf war mit Juwelen von
besonderer Schönheit verziert. Der Kalif bewunderte die Pracht des Schwertes und
lobte auch die Ehrlichkeit seiner Truppen, die nichts für sich zurückbehalten
hatten von dem, was in ihre Hände gefallen war.
"Führer der Gläubigen", bemerkte Ali Ibn Abi Talib (r), "wenn du solch ein
erhebendes Beispiel von Ehrlichkeit gibst, wie sollte dann dein Volk nicht auch
ehrlich sein?“
Die Schlacht bei Nahawand
'Umar hatte nicht den Wunsch, das ganze Perser-Reich zu erobern; er wollte nur
das arabische Land von den Persern zurückbekommen. Nachdem er dies erreicht
hatte, wollte er Frieden. Er sagte oft:
"Ich wünschte mir einen feurigen Berg zwischen uns und den Persern, damit wir in
Frieden leben könnten."
Aber Yezdegerd wollte das nicht. Er versuchte immer wieder zurückzugewinnen,
was ihm einmal gehört hatte. Dies führte zu ständigen Gefechten. Das von Gallula'
wurde zu einer der heftigsten Schlachten. Die Perser wurden überall geschlagen.
Yezdegerd floh von Ort zu Ort, wollte aber keinen Frieden schließen. Schließlich
ging er nach Khorasan und ließ sich in Merv nieder. Hier bereitete er einen
umfassenden Krieg gegen die Muslime vor.
Sa'd schrieb dem Kalifen, was in Persien vor sich ging. Einige schlugen vor, daß
'Umar selbst ein Heer gegen Yezdegerd anführen solle. Aber Ali Ibn Abi Talib
war anderer Meinung. Danach sollte der Kalif in der Hauptstadt zurückbleiben. 'Umar
stimmte schließlich Ali's Vorschlag zu. Er ernannte Nu'man Ibn Muqarrin zum
Befehlshaber des Heeres gegen Yezdegerd. Nu'man war im Monat Al-Muharram des
Jahres 19 n.H. zur Schlacht bereit.
Der persische Kaiser führte eine Armee von 150.000 Mann an. Beide Heere trafen
bei Nahawand aufeinander. Zwei Tage lang kämpften sie ohne einen klaren Vorteil
für eine Seite, am dritten Tag zogen sich die Perser hinter Befestigungen
zurück. Da die Muslime den Kampf nicht in die Länge ziehen wollten, lockten sie
den Feind mit einer Kriegslist aufs offene Feld.
Nun entstand ein erbarmungsloses Handgemenge, das bis in den späten Abend
anhielt. Es floß so viel Blut, daß das Schlachtfeld davon durchtränkt wurde. Das
Pferd des Kommandierenden Nu'man rutschte auf dem glitschigen Boden aus; er fiel
hinunter und wurde verwundet. Sein Bruder ließ ihn sogleich an einen geschützten
Platz bringen, dann bekleidete er sich mit Nu'mans Kopfbedeckung und Umhang und
bestieg selbst dessen Pferd. Dadurch erfuhren die Krieger nichts von der
Abwesenheit ihres Befehlshabers und kämpften weiter wie zuvor.
Im Schutz der Nacht wandten sich schließlich die Perser zur Flucht. Sie wurden
aber verfolgt und zu Tausenden getötet. Reiche Beute fiel in die Hände der
siegreichen Muslime.
Nu'mans Wunden stellten sich als tödlich heraus. Er erlebte aber noch den
glücklichen Ausgang der Schlacht.
"Tausendfachen Dank an Allah", hauchte er noch "gebt 'Umar Nachricht."
Im nächsten Augenblick verschied er. ´Umar war glücklich über die
Siegesnachricht. Als er aber von Nu'mans Tod erfuhr, brach der Kalif in Tränen
aus und weinte lange.
Persien in muslimischer Hand
Nach dem Sieg von Nahawand entschloß sich 'Umar (r), das persische Problem ein
für allemal zu lösen. Die Städte Al-Basra und Al-Kufa im Irak waren bereits
gegründet und dienten den Muslimen als militärische Basis. Von diesen
Stützpunkten aus sollten mehrere Heere unter verschiedenen Befehlshabern in die
einzelnen persischen Provinzen einmarschieren. Die Eroberung war in rund fünf
Jahren abgeschlossen. Etwa um das Jahr 23 n.H. war fast ganz Persien Teil des
islamischen Reiches.
Al-Hakam Ibn 'Umair At-Taglabyy drang nach Osten bis Sind vor. Ein großes Heer
der Belutschen stellte sich ihm entgegen. Der Radscha von Sind sandte seine
Streitkräfte zur Verstärkung. Aber Al-Hakam gewann, und Makran wurde ein Teil
des islamischen Reiches.
Al-Hakam wollte noch weiter nach Osten ziehen: Sein Wunsch war, die Fahne des
Islam bis nach Indien zu tragen. Aber 'Umar wollte das islamische Reich nicht
weiter ausdehnen und dafür muslimisches Blut vergießen. Daher untersagte er
Al-Hakam, über Makran hinauszugehen.
Yezdegerd verursachte noch eine Zeit lang Schwierigkeiten. Er stellte einige
Armeen auf und versuchte, die Macht zurückzugewinnen. Er erhielt sogar
militärische Hilfe von den benachbarten türkischen Königreichen. Alle seine
Versuche scheiterten jedoch. Schließlich gab er die Hoffnung auf und floh nach
Transoxanien, wo er während der Regierungszeit ´Utmans getötet wurde.
Hurmuzans List
Während die Besetzung Persiens vor sich ging, verursachte Hurmuzan, ein
führender Perser, einiges Kopfzerbrechen in AI-Madina. Er war Statthalter von
Al-Ahwaz an der Küste des Golfs. Zweimal schon war er in Schlachten geschlagen
worden und hatte um Frieden gebeten, aber jedesmal hatte er sein Wort wieder
gebrochen und dadurch neue Streitigkeiten verursacht.
Der Kalif war verwirrt und fühlte sich veranlaßt, etwas dagegen zu unternehmen.
Die Befehlshaber von Al-Basra und Al-Kufa erhielten den Befehl zu einem
zangenartigen Angriff gegen den argwöhnischen Hurmuzan. Dieser zog sich in die
Festung Schuschter zurück, da er zu einer offenen Schlacht nicht fähig war. Die
Belagerung der Festung dauerte einen ganzen Monat. Hurmuzan fühlte sich hilflos
und gab schließlich unter der Bedingung auf, zum Kalifen geschickt zu werden,
der mit ihm machen sollte, was er für richtig hielt.
Bald war Hurmuzan unter Bewachung auf dem Weg nach AI- Madina. Als die Stadt in
Sicht kam, legte er glänzende, seidene Gewänder an und setzte eine Juwelenkrone
auf. Der Anblick des Kalifen in geflickter Kleidung nahm dem stolzen Perser fast
den Atem. "Warum hast du dein Wort immer wieder gebrochen?" fragte der Kalif.
Ehe Hurmuzan auf die Frage antwortete, bat er um einen Trunk, und es wurde ihm
ein Becher Wasser gebracht. Während er diesen in der Hand hielt, rief er: "Ich
fürchte, ich werde erschlagen, ehe ich mit dem Trinken fertig bin!"
"Keine Angst", sagte der Kalif, "bevor du nicht ausgetrunken hast, wirst du
nicht getötet."
Da goß der Perser das Wasser aus und sagte: "Nun kannst du mich nicht
erschlagen; ich habe dein Wort." Alle waren sprachlos über diesen Trick. Da
erklärte Hurmuzan seinen Übertritt zum Islam, indem er die AS- Sahada sprach.
"Ich bat nur deshalb um Wasser", fuhr Hurmuzan fort, "um von dir das Versprechen
zu erhalten, daß du mein Leben schonst. Ich habe diesen Trick gebraucht, damit
die Leute nicht behaupten können, ich wäre aus Angst um mein Leben Muslim
geworden."
Der Kalif war belustigt. Hurmuzan verbrachte den Rest seines Lebens in Al-Madina.
Der Feldzug nach Syrien
Als 'Umar Kalif wurde, herrschte noch Krieg mit Byzanz. Einige Tage danach
erlitt der Feind die schwere Niederlage am Al-Yarmuk. Aber er nahm diese nicht
zum Anlaß, die Beziehungen zu den Muslimen endgültig zu regeln; denn Byzanz
hielt es für nötig, die Schande der Niederlage wieder auszumerzen. Bald wurden
große Heere in Damaskus und Fahl aufgestellt.
Der Kaiser von Byzanz wollte zurückerobern, was er verloren hatte, und außerdem
wollte er den Muslimen eine Lektion erteilen, die sie nicht vergessen sollten.
Der muslimische Befehlshaber Abu 'Ubaida (r) bat den Kalifen schriftlich um
Anweisungen. 'Umar (r) ordnete den Angriff an beiden Fronten an, worauf Abu 'Ubaida
beide Städte nacheinander belagerte.
Der Fall von Damaskus
Damaskus war die Hauptstadt von Syrien, und sie war sehr stark befestigt. Abu 'Ubaida
leitete den Angriff mit Hilfe fähiger Generäle wie Halid Ibn Al-Walid, 'Amr Ibn
AI-'As und Yazid Ibn Abu Sufyan. Aber die byzantinischen Streitkräfte hatten
sich in die Stadt zurückgezogen und wollten nicht zum Kampf herauskommen.
Halid suchte ständig nach einer günstigen Gelegenheit zum Angriff und schlief
deshalb nachts kaum. Eines Nachts bemerkte er in der Stadt eine ungewöhnliche
Aufregung. Spione brachten die Nachricht, daß dem Statthalter ein Sohn geboren
worden sei und daß das Volk sich dem Trunk und Vergnügen hingegeben habe.
Halid sah endlich seine Chance: Er überquerte den Festungsgraben in Begleitung
einiger sorgfältig ausgewählter Männer, die starke Seile bei sich hatten. Damit
gelang es ihnen, die Stadtmauer zu erklettern, dann sprangen sie hinab, töteten
die Wachen und öffneten das Tor. Mit dem Ruf "Allahu akbar!" drangen Halids
Truppen in die Stadt ein.
Die byzantinischen Heeresführer waren völlig überrascht. Hastig öffneten sie das
Stadttor auf der anderen Seite, liefen zu Abu 'Ubaida und baten um Frieden.
Dieser wußte noch nichts von Halids gewagtem Handstreich und gewährte ihnen
bereitwillig Frieden zu günstigen Bedingungen.
Von den entgegengesetzten Toren kommend, trafen Halid und Abu 'Ubaida in der
Mitte der Stadt aufeinander. Jetzt bemerkte Abu 'Ubaida die List des Feindes,
aber er blieb bei den Bedingungen, die er gewährt hatte.
Damaskus fiel im Monat Ragab des Jahres 14 n.H. Zum Gouverneur von Damaskus
wurde Yazid Ibn Abu Sufyan ernannt. Er und sein jüngerer Bruder Mu'awiya
eroberten das umliegende Gebiet mit seinen Städten.
Halids Verdienste werden anerkannt
Von Damaskus aus marschierte die islamische Armee nach Fahl und eroberte es.
Dann nahm sie die Befestigungen Marg Ar-Rum, Hirns und Qansrin ein. In all
diesen Kämpfen spielte Halid (r) eine führende Rolle.
Als 'Umar von Halids gewagten Unternehmungen erfuhr, war er voller Lob für ihn.
"Möge Allah Abu Bakr segnen!" rief er aus. "Er kannte die Menschen besser als
ich und hat Halid an den richtigen Platz gestellt. Ich habe ihn nicht deshalb
seines Postens enthoben, weil er Fehler gemacht hätte, sondern weil ich
befürchtet hatte, daß die Muslime zu sehr von ihm abhängig würden. Immerhin hat
Halid allein durch seine Leistungen den Rang eines Befehlshabers verdient."
Der Kalif erhöhte Halids Rang und vergrößerte seine Macht.
Heraklios flieht aus Syrien
Als Damaskus fiel, hielt sich der Kaiser von Byzanz in Antiochia auf. Kaum hatte
man sich von dieser Niederlage erholt, fielen schnell andere wichtige Städte.
Die byzantinischen Streitkräfte waren einfach hilflos gegen die vordringende
Flut des islamischen Heeres. Nach den fortwährenden Niederlagen gab der Kaiser
schließlich die Hoffnung auf, Syrien halten zu können. Um den Rest des Reiches
zu sichern, verzichtete er auf dieses Land.
"Lebe wohl, schönes Syrien", sagte er mit einem Seufzer, als er von einem Hügel
aus das Land überblickte, "nie mehr werde ich dich wiedersehen."
Heraklios wundert sich
Als Heraklios seine Hauptstadt Konstantinopel erreicht hatte, ließ er einen
ehemaligen Kriegsgefangenen zu sich kommen. Dieser war in die Hände der Muslime
gefallen und erst vor kurzem geflohen.
"Was für ein Volk ist das?" fragte der Kaiser. Der Mann entgegnete:
"O Kaiser! Es ist ein wunderbares Volk: Am Tage furchtlose Krieger, in der Nacht
andächtig Betende. Von den unterworfenen Völkern verlangen die Muslime nichts,
wofür sie nicht auch bezahlen. Überall verbreiten sie Frieden und Gerechtigkeit.
Aber wenn ein Volk sich ihnen entgegenstellt, ruhen sie nicht eher, bis es
nachgibt."
"Wenn sie solch magische Kräfte besitzen", sagte der Kaiser, "werden sie
sicherlich eines Tages auch den Boden unter meinen Füßen erobern."
Der Fall von Antiochia und Adnadain
Die Muslime nahmen Aleppo ein und zogen dann gegen Antiochia. Als "Asiatische
Hauptstadt des Kaisers" nahm diese Stadt eine Schlüsselstellung ein, aber sie
konnte ohne großen Widerstand genommen werden.
Während Abu 'Ubaida und Halid in Nordsyrien beschäftigt waren, vertrieb Yazid,
der Sohn Abu Sufyans, den Feind vom libanesischen Küstenstreifen. Nach der
Einnahme von Beirut besetzte er die Küste in ihrer ganzen Länge.
Als nächstes fiel die Festung von Adnadain. Nun kam Jerusalem an die Reihe, das
bereits von einer islamischen Armee belagert wurde
Der Fall von Jerusalem
'Amr Ibn AI-'As belagerte Jerusalem. Nach der Einnahme von Antiochia stießen Abu
'Ubaida, Halid und andere Führer des islamischen Heeres zu ihm. Die Christen in
Jerusalem hatten wenig Hoffnung auf Hilfe von Byzanz; deshalb entschieden sie
sich für die kampflose Übergabe.
Jedoch hegten die Christen einige Befürchtungen. Sie wußten, daß sich vorher
auch andere Städte kampflos ergeben hatten, und in jedem Fall hatten die Sieger
das Leben und das Eigentum der Besiegten geachtet. Sie hatten ihre heiligen
Stätten geschont und ihnen erlaubt, ihre eigene Religion auszuüben. Aber weil es
sich um Jerusalem handelte, waren sich die Christen da nicht ganz sicher. Die
Stadt war sowohl für sie als auch für die Muslime ein heiliger Ort. Vor der
Übergabe wollten sie sicher gehen, daß sie gut behandelt würden. Sie machten
deshalb Abu 'Ubaida folgenden Vorschlag:
"Wir sind bereit zur Übergabe, aber euer Kalif muß persönlich zur Unterzeichnung
des Friedensvertrages hier erscheinen."
Die Führer des islamischen Heeres kamen zur Beratung zusammen und berieten über
diesen Vorschlag; schließlich stimmten sie ihm zu; denn sie sagten sich: "Warum
sollen wir Blut vergießen für eine Sache, die auch so geregelt werden kann?"
Der Vorschlag der Christen wurde dem Kalifen überbracht: Jerusalem könne
genommen werden, ohne einen Tropfen Blut zu vergießen, aber dazu müsse 'Umar den
weiten Weg von AI-Madina nach Jerusalem zurücklegen. Darauf ging 'Umar (r)
bereitwillig ein.
Umar in Jerusalem
Als der Kalif nach Jerusalem aufbrach, ließ er Ali (r) als seinen
Stellvertreter zurück. Er nahm nur einen Begleiter mit. Sie hatten nur ein
Kamel, das sie abwechselnd ritten. Am Tag der Ankunft in Jerusalem war der
Diener an der Reihe zu reiten.
"Führer der Gläubigen", sagte er, "es wird in den Augen der Leute seltsam
aussehen, wenn ich reite und du das Kamel führst. Sollten wir nicht lieber
tauschen?"
"O nein", antwortete 'Umar, "ich will nicht ungerecht sein!
Der Islam ist genug Ehre für uns alle!"
Abu 'Ubaida, Halid, Yazid und andere Anführer gingen dem Kalifen entgegen. Sie
trugen alle feine, luxuriöse Gewänder. Als 'Umar dies sah, wurde er sehr wütend.
Er hob einige Kieselsteine auf, bewarf sie damit und sagte:
"Habt ihr euch in knapp zwei Jahren so sehr verändert? Was ist das für eine
Kleidung? Selbst wenn dies 200 Jahre später geschehen wäre, hätte ich euch
entlassen! "
Die Heeresführer antworteten:
"O Führer der Gläubigen, wir sind in einem Land, in dem die Kleidung eines
Mannes seinen Rang zum Ausdruck bringt. Wenn wir gewöhnliche Kleidung tragen,
genießen wir wenig Ansehen im Volk. Aber unter diesen Gewändern tragen wir
unsere Waffen."
|
|
Nun wurden die Tore der Stadt geöffnet. 'Umar ging direkt zum Tempel Davids,
Al-Masgid Al-Aqsa. Er betete unter Davids Bogen. Danach besuchte er die größte
christliche Kirche der Stadt. Als es Zeit zum Nachmittagsgebet war, befand er
sich gerade in der Kirche.
"Wenn du willst, darfst du in der Kirche beten", sagte der Bischof.
"Nein", antwortete 'Umar; "denn wenn ich es täte, wäre es vielleicht eines Tages
ein Vorwand für die Muslime, euch die Kirche abzunehmen."
So betete er auf den Stufen vor der Kirche. Er gab dem Bischof auch ein
Schreiben, in dem stand, daß die Stufen niemals für gemeinsame Gebete benutzt
und daß auch der Adan dort nicht gesprochen werden dürfe
Umars Moschee
'Umar (r) wollte in Jerusalem eine Moschee errichten, und er fragte den Bischof,
welcher Platz wohl dafür geeignet sei. Der Bischof empfahl die As-Sahra, den
Felsen, auf dem der Prophet Jakob (a.s.) zu Allah gebetet haben soll. Hier
hatten jedoch die Christen Müll aufgehäuft, um die Juden zu ärgern.
Die As-Sahra wurde sofort vom Unrat gereinigt. 'Umar legte zusammen mit den
anderen selbst Hand an. Jerusalem, die Stadt Davids und Jesu, Allahs Friede auf
beiden, wurde nun zum Beweis für den Frieden, den der Islam dem Christentum und
dem Judentum gewährt. Als alle Spuren von Schmutz beseitigt waren, wurde auf der
As-Sahra eine Moschee errichtet. Diese steht noch heute dort und ist als '"Umars
Moschee" bekannt.
Besetzung des Nordirak
Der Nordirak hatte bisher mit den Muslimen in Frieden gelebt. Dieser Teil des
Irak hieß Al-Gazira. Nun zettelte das Volk von Al- Gazira. eine Verschwörung an,
um die Muslime aus Syrien zu vertreiben. Der Kaiser von Byzanz wurde gebeten,
ein Heer auszusenden, damit der Plan ausgeführt werden könnte. Er entsprach
diesem Wunsch, und das Volk von Al- Gazira. nahm Verbindung mit seinem Heer auf.
Abu 'Ubaida (r) und andere muslimische Heeresführer sahen sich deshalb
gezwungen, sich in die Stadt Hirns zurückzuziehen, die der Feind daraufhin
belagerte. Als der Kalif diese alarmierende Nachricht erhielt, zog er an der
Spitze einer Streitmacht aus, um seinen Leuten zu helfen. Aber ehe er die Stadt
erreichte, war der Feind bereits zurückgeschlagen.
Nun ordnete der Kalif an, Al- Gazira. zu besetzen. 'Ayaz Ibn Gannam führte den
Befehl aus und überrannte es innerhalb kürzester Zeit.
Die große Seuche
Im Jahre 17/18 n.H. wütete im Irak, in Syrien und Ägypten eine schlimme Seuche.
Die Epidemie raffte einen großen Teil der Menschen hinweg. Auch die islamische
Armee in Syrien war von dieser Plage betroffen, und die Zahl der Todesopfer war
so groß, daß 'Umar (r) selbst nach Syrien ging, um sich ein Bild von der Lage zu
machen. In Saara wurde er von den Heeresführern empfangen, und sie beschworen
ihn, dem verseuchten Gebiet fernzubleiben. Der Kalif fragte 'Abdurrahman Ibn
'Auf (r), einen Sahabi des Propheten (Friede sei mit ihm) um Rat. Dieser
zitierte ihm einen Ausspruch des Propheten
"Wenn eine Epidemie eine Stadt heimsucht, so begebt euch nicht dorthin; und wenn
ihr euch darin befindet, so verlaßt sie nicht."
"'Umar, willst du vor Allahs Fügung weglaufen?" "Ja", antwortete 'Umar, "ich
laufe vor Allahs Fügung weg zu Allahs Fügung hin."
Einige Tage, nachdem 'Umar weggegangen war, starb Abu 'Ubaida (r) an der Seuche.
Seinen Nachfolger Mu'ad Ibn Gabal traf dasselbe Schicksal. Die Befehlsgewalt
ging nun auf 'Amr Ibn Al-'As über. Er befahl den Truppen sofort, sich auf die
Höhen verschiedener Hügel zu verteilen, und dieser kluge Befehl brachte die
Epidemie unter Kontrolle. Aber inzwischen waren schon 20.000 Krieger gestorben;
unter ihnen einige der fähigsten Heeresführer des Islam.
Als die Epidemie vorüber war, besuchte 'Umar Syrien zum letzten Mal. Der Grund
des Besuchs war, die Probleme zu lösen, die durch den Ausbruch der Seuche
entstanden waren. Einige Kilometer vor der Stadt Ela gab er seinem Diener sein
Pferd und ritt auf dessen Kamel. "Wo ist der Führer der Gläubigen?" fragte das
Volk den Diener.
"Da, vor euch!" antwortete dieser und zeigte auf den Kamelreiter. Die Leute
wunderten sich und trauten ihren Augen nicht. Schließlich wurde ihnen klar, daß
der Islam keinen Unterschied zwischen Herr und Diener macht.
Während seines Aufenthalts in Syrien gewährte der Kalif den Familien
Unterstützung, die ihren Ernährer verloren hatten. Anstelle der verstorbenen
Hauptleute wurden andere ernannt. Eines Abends bestand das Volk darauf, daß der
Kalif Bilal ersuchen sollte, den Adan zu sprechen. Bilal (r), der seit dem Tod
des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, nie wieder den Adan gesprochen
hatte, willigte ein. Als er begann, tauchten die Szenen aus der
Propheten-Moschee in AI-Madina vor den Augen der Männer auf, und alle fingen an
zu weinen.
Die Hungersnot
Im folgenden Jahr brach eine große Hungersnot in Al-Higaz aus. Der Kalif
unternahm Schritte, um Lebensmittel von Syrien und Ägypten heranzuschaffen;
trotzdem war die Not weit verbreitet.
'Umar (r) fühlte sehr mit dem Volk, so sehr, daß er schwor, weder Butter noch
Honig zu essen, solange die Hungersnot andauere. Dies wirkte sich nachteilig auf
seine Gesundheit aus. Als sein Diener das sah, brachte er ihm einfach eines
Tages Butter und Honig zum Essen. Aber 'Umar (r) weigerte sich, es anzurühren
und sagte:
"Wenn ich das Leiden nicht selbst verspüre, wie kann ich dann das Leiden anderer
verstehen?"
Der Feldzug nach Ägypten
'Amr Ibn Al-'As war versessen darauf, Ägypten zu erobern. Es muß deutlich
gemacht werden, daß von Ägypten für den Islam eine Gefahr ausging. Im Jahre 18
n.H., als 'Umar (r) Syrien besuchte, bat 'Amr um die Erlaubnis, in Ägypten
einfallen zu dürfen. Der Kalif wollte nicht recht, aber 'Amr bedrängte ihn.
Schließlich erlaubte er 'Amr (r), an der Spitze von 4000 Mann loszuziehen.
'Amr war noch nicht in Ägypten angelangt, als er einen Brief vom Kalifen
erhielt, der ihn zurückrief. Der Gedanke an unnötiges Blutvergießen hatte 'Umars
Meinung geändert. Aber 'Amr war so begierig, Ägypten zu erobern, daß er den
Brief erst öffnete, als er schon im Land war.
Ehrenvolle Behandlung
Ägypten stand unter der Herrschaft eines Vizekönigs des Kaisers von Byzanz. Der
Kaiser unterhielt ein großes Heer in Ägypten, das unter seinem Oberbefehl stand.
Die erste Schlacht führte 'Amr gegen die kaiserlichen Truppen. Sie dauerte einen
ganzen Monat. Aber am Ende siegte 'Amr (r); und das erleichterte den weiteren
Vormarsch. Dabei nahm er die Stadt Balqis ein, wo die Tochter des Vizekönigs
lebte. Sie war mit dem Sohn des Kaisers verheiratet und wollte gerade nach
Byzanz aufbrechen. Mit ihrer reichen Aussteuer fiel sie in die Hände der
Muslime. Aber 'Amr schickte sie zu ihrem Vater mit allem, was sie besaß. Der
Vizekönig war 'Amr sehr dankbar für diese Güte.
Der Vizekönig gibt auf
'Amr zog nun vor die stärkste Festung der kaiserlichen Streitkräfte. Sie lag am
östlichen Ufer des Nil. Gegenüber auf dem westlichen Ufer befand sich der Palast
des Vizekönigs. Der Befehlshaber der kaiserlichen Streitkräfte zog sich in seine
Festung zurück.
Die Belagerung dauerte lange und versprach wenig Hoffnung auf einen Sieg. 'Amr
schrieb nach Al-Madina, worauf ihm der Kalif eine Verstärkung von 12.000 Mann
sandte. Mit ihr kamen einige der bekanntesten früheren Kriegsteilnehmer. Einer
von ihnen, Az-Zubair Ibn Al-'awwam, war ein sehr starker Mann. Ihm gelang es,
auf die Festungsmauer zu klettern, und viele andere machten es ihm nach. Als sie
zusammen in den Ruf "Allahu akbar!" ausbrachen, verlor der kaiserliche
Befehlshaber die Nerven. Er und seine Männer bestiegen die auf der Flußseite
liegenden Boote und segelten davon.
Der Vizekönig war nun seines stärksten Schutzes beraubt und bat daher um
Frieden. Die von ihm entsandten Unterhändler behielt 'Amr zwei Tage bei sich,
damit sie die islamische Lebensweise kennenlernen sollten. Dann sandte er sie
mit einer hoffnungsvollen Antwort zurück. Der Vizekönig fragte seine
Unterhändler, was für eine Art Menschen die Sieger seien.
"Herr", antworteten sie, "die Muslime sind Menschen, die den Tod mehr lieben als
wir das Leben und die Bescheidenheit mehr als den Stolz. Habgier ist ihnen
unbekannt. Sie halten es nicht für unwürdig, auf dem Boden zu sitzen, und sie
essen nicht an einem Tisch. Ihr Befehlshaber ist einer wie sie, er hat kein
besonderes äußerliches Kennzeichen. Die Muslime kennen keinen Unterschied
zwischen hoch und niedrig, Herr und Knecht. Wenn die Zeit des Gebets kommt,
nehmen alle ihre Waschungen vor und stehen Schulter an Schulter voll Demut vor
dem Herrn."
Der Vizekönig war sehr beeindruckt.
"Solch ein Volk", erklärte er, "wird jede Macht erringen. Es ist besser, wir
machen Frieden mit ihm." Daraufhin unterzeichnete der Vizekönig den
Friedensvertrag. Darin gewährten die Muslime den Kopten Sicherheit des Lebens
und des Eigentums und Glaubensfreiheit. Die Kopten ihrerseits verpflichteten
sich, den Muslimen im Kampf gegen die kaiserlichen Truppen beizustehen.
Der Kaiser von Byzanz war sehr verärgert über diesen Vertrag, aber der Vizekönig
von Ägypten störte sich nicht daran. Er stand fest zu den Vertragsbedingungen
genauso wie die Muslime. Die Folge war, daß in kurzer Zeit der größte Teil
Ägyptens von den kaiserlichen Truppen geräumt war.
Der Fall Alexandriens
Alexandrien war die letzte Festung der kaiserlichen Streitkräfte in Ägypten.
Weil Byzanz die Stadt auf dem Seeweg mit Menschen und Hilfsgütern versorgen
konnte, schien ihre Eroberung schwierig.
Schließlich belagerte 'Amr die Stadt, aber selbst nach sechs Monaten schien man
einem Sieg nicht näherzukommen. Dies ärgerte 'Umar, und er schrieb folgenden
Brief an ' Amr: "Ich fürchte, daß die Muslime nicht nach den Lehren des Qur'an
und dem Beispiel des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, gelebt
haben! Sage ihnen allen, daß sie diese Pflicht nicht versäumen dürfen! Mache
ihnen eindringlich klar, daß sie aufrecht, kühn und kampfbereit sein müssen!
Hole vereint mit anderen Heeresführern zum endgültigen Schlag aus!"
'Amr gab diesen Brief der Armee bekannt. Die darin ausgesprochenen Befehle
wurden sofort ausgeführt, und am Ende des sechsten Monats der Belagerung fiel
Alexandrien. Es war Mittag, als der Bote Al-Madina mit der Siegesnachricht
erreichte. Er wollte den Kalifen zu dieser Tagesstunde nicht stören und setzte
sich in die Moschee des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm. Aber ein
Diener berichtete 'Umar von der Ankunft des Boten. Der Kalif lief hinaus und
fragte diesen:
"Warum bist du nicht gleich zu mir gekommen?"
"Ich dachte", antwortete der Bote, "du hieltest vielleicht einen Mittagsschlaf."
"Wie schade, daß du so gedacht hast!" rief 'Umar.
"Wenn ich anfangen würde, am Tage zu schlafen, wer sollte sich dann um die
Staatsgeschäfte kümmern?"
Ägypten war nun vollständig erobert. 'Amr gründete eine Stadt am Nilufer und
nannte sie Al-Fustat. In ihrer Mitte errichtete er eine große Moschee. Später
entwickelte sich im Laufe der Zeit in der Nähe dieser Stadt die Stadt Kairo.
Im Jahre 23 n.H. hatte 'Amr die muslimische Armee westwärts bis Tripolis
geführt.
Umars Brief an den Nil
Die Kopten waren Christen, aber sie befolgten auch heidnische Bräuche. Jedes
Jahr im Frühsommer feierten sie ein großes Fest, das ein Tag allgemeiner
Vergnügungen war. Das Fest wurde aber durch Menschenopfer beeinträchtigt: Eine
schöne, als Braut geschmückte Jungfrau wurde in den Nil geworfen. Das Volk
glaubte, daß dieses Opfer notwendig sei, um den Nil zu beschwören, große
Wassermengen für ihre ausgetrockneten Felder herbeizubringen. Wenn der Nil
beleidigt wäre, dachten sie, würde es keine Flut und somit keine Ernte geben.
Die Kopten baten 'Amr um die Erlaubnis, wie gewöhnlich eine Jungfrau opfern zu
dürfen. Er verweigerte natürlich seine Einwilligung zu diesem heidnischen
Brauch, und ausgerechnet in diesem Jahr hatte der Nil wenig Wasser; es gab eine
Mißernte und viele Bauern verließen das Land. 'Amr bat den Kalifen schriftlich
um Rat.
Der Kalif billigte 'Arnrs Entscheidung, und sandte einen an den Nil gerichteten
Brief. Darin stand:
"Vom Diener Allahs und Führer der Muslime an den Fluß Nil in Ägypten: O Nil,
wenn du aus eigenem Willen fließt, dann fließe nicht. Aber wenn dein Fließen von
Allah dem Allmächtigen bestimmt wird, dann beten wir zu Ihm, dich fließen zu
lassen."
Dieser Brief wurde in den Fluß geworfen, so wie es der Kalif angeordnet hatte -
und der Nil trat in diesem Jahr über die Ufer; seit Jahren hatte es keine so
große Flut mehr gegeben. So hatte der Nil wohl dem Kalifen gehorcht. Das Land
war wieder einmal grün und fruchtbar, die Bauern waren glücklich, und der
heidnische Brauch des Menschenopfers war für alle Zeiten abgeschafft.
Umars Tod
In Al-Madina lebte ein persischer christlicher Sklave mit Namen Abu Lu'lu'a
Firoz. Eines Tages kam er zum Kalifen und sagte:
"Mein Herr verlangt eine zu hohe Gebühr für mich. Sorge bitte dafür, daß sie
herabgesetzt wird."
"Wie hoch ist denn die Gebühr?" fragte 'Umar.
"Zwei Dirham täglich", antwortete der Sklave.
"Was kannst du?" war die nächste Frage des Kalifen.
"Ich bin Schreiner, Maler und Schmied", sagte Abu Lu'lu'a.
"Dann ist die Gebühr keinesfalls zu hoch", erwiderte der Kalif.
"Na gut", brummte der Sklave, als er wegging, "ich werde noch mit dir
abrechnen."
'Umar schenkte diesen Worten keine Beachtung.
"Ich bin von einem Sklaven getadelt worden", bemerkte er lächelnd.
Früh am nächsten Morgen ging 'Umar (r) wie gewöhnlich zum Gebet in die Moschee.
Abu Lu'lu'a hielt sich bereits mit einem Dolch in der Hand in einer Ecke
versteckt. Als 'Umar mit dem Gebet begann, sprang der Sklave plötzlich auf ihn
zu und stieß sechsmal mit dem Dolch auf ihn ein. Als die entsetzten Gläubigen
den Mörder überwältigten, tötete der Schurke sich selbst mit dem gleichen Dolch.
'Umar (r) lag in seinem Blut bis zum Ende des Gebets, dann wurde er
heimgetragen.
"Wer ist mein Mörder?" fragte'Umar.
"Abu Lu'lu'a", sagten die Leute.
"Alles Lob gebührt Allah!" sagte 'Umar, "Es ist wenigstens kein Muslim, der mein
Blut vergossen hat."
Ein Arzt wurde gerufen, um die Wunden des Kalifen zu behandeln. Als er sagte,
sie seien zu schwer, um zu heilen, begannen viele der Umstehenden zu weinen.
"Weint bitte nicht", flehte 'Umar. "Wißt ihr denn nicht, dass der Gesandte
Allahs gesagt hat, das Weinen der Verwandten vergrößere den Schmerz des
Sterbenden?"
Als er sein Ende nahen fühlte, rief 'Umar seinen Sohn ´ Abdullah zu sich.
"Mein Sohn", sagte er, "gehe zu 'A'ischa; grüße sie von 'Umar. Sprich zu ihr
nicht von mir als dem Führer der Gläubigen; denn ich bin es nicht mehr.
Übermittle ihr meinen letzten Wunsch, in ihrer Gruft an der Seite des Gesandten
Allahs und meines großen Vorgängers beigesetzt zu werden."
´A'ischa (r) weinte, als 'Abdullah ihr den Wunsch seines Vaters überbrachte.
"Ich wollte diesen Platz eigentlich für mein eigenes Grab freihalten, aber 'Umar
gilt mir mehr", sagte sie. 'Abdullah brachte seinem Vater 'A'ischas
Einverständnis.
"Alles Lob gebührt Allah!" sagte 'Umar. "Das war mein größter Lebenswunsch. Aber
höre, 'mein Sohn, wenn du meinen Leichnam zu 'A'ischas Gruft bringst, grüße sie
nochmals von mir und bitte sie nochmals um ihre Erlaubnis. Willigt sie ein,
bestatte mich dort. Sonst bringe mich auf den Friedhof von AI-Madina."
Die Frage nach dem Nachfolger
Die Leute baten den sterbenden Kalifen, seinen Nachfolger zu bestimmen.
"Wenn ich es tue", sagte 'Umar, "folge ich Abu Bakrs Beispiel. Aber wenn ich es
nicht tue, handle ich nach dem Beispiel des Gesandten Allahs. Wenn Abu 'Ubaida
noch am Leben wäre, würde ich ihn ernennen, weil der Prophet ihn den "Treuhänder
der Umma" genannt hat. Oder wenn Hudaifa, der Sklave Salims, noch lebte, hätte
ich ihn ernannt, weil der Prophet ihn "einen glühenden Verehrer Allahs" genannt
hat."
"Ernenne deinen eigenen Sohn 'Abdullah", schlug einer vor.
"Aufgrund seines Wissens und seiner Frömmigkeit ist er sehr geeignet."
"Aus Al-Hattabs Familie ist ein Mann genug, um vor Allah die Sache des Islam an
führender Stelle zu verantworten", entgegnete 'Umar. Wenn 'Umar diese Erwartung
erfüllt hat, wird er sehr glücklich sein. Ich habe diese Bürde während meines
Lebens getragen, ich möchte sie nach meinem Tode nicht auch noch auf meinen
Schultern haben." Als man ihm die Frage noch einmal vorlegte, sagte er: "Da sind
sechs Männer, denen der Gesandte Allahs vorhergesagt hat, daß ihnen das
Himmelreich sicher sei. Es sind 'Ali Ibn Abi Talib, 'Utman Ihn 'Affan, 'Adurrahman
Ibn 'Auf, Sa'd Ibn Abi Waqqas, Az-Zubair Ibn al-'Awwam und Talha Ibn 'Ubaidullah.
Ich bitte sie, sich zusammenzusetzen und aus ihrer Mitte den Kalifen zu wählen.
Wenn sie sich nicht auf einen Namen einigen können, soll die Mehrheit der
Stimmen entscheiden."
'Umar hinterließ folgendes Vermächtnis an seinen Nachfolger:
"Fürchte Allah und schütze die Rechte der Muhagirun und der Ansar! Gib den Armen
vom Überfluß der Reichen! Behandle die Andersgläubigen gut und stehe immer zu
deinem Wort!"
Die Todesstunde
Als es mit ihm zu Ende ging, weinte 'Umar aus Furcht vor Allah.
"Mein Sohn", bat er' Abdullah, ''hilf mir,meine Stirn auf den Boden zu drücken."
, Abdulla gehorchte.
"O Allah", murmelte der sterbende Kalif, "vergib mir. Tust du es nicht, dann
wehe mir und meiner Mutter, die mich gebar." Im nächsten Augenblick war 'Umar im
Schöße Allahs Vergebung und Erbarmen. 'Umar (r) starb am Mittwoch, dem 27. des
Monats Du-1-Higga des Jahres 23 n.H., nachdem er drei Tage verwundet gelegen
hatte. Er war 63 Jahre alt geworden.
Die zehn Jahre von Umars Kalifat
'Umar war zehn Jahre und sechs Monate Kalif. Diese Periode wird als das "Goldene
Zeitalter des Islam" bezeichnet: Die zarte Pflanze, die der Gesandte Allahs
(Friede sei mit ihm) hinterlassen und die Abu Bakr (r) gegen Stürme
geschützt hatte, wuchs unter 'Umars unermüdlicher Pflege zu einem hohen und
weit verzweigten Baum heran. Der Islam wurde zu einer Weltmacht und konnte nun
die Zeiten überstehen. Jetzt war Wirklichkeit geworden, wofür der Prophet
'Umars erstaunlicher Erfolg hatte zwei Ursachen - seine Gottesfurcht und seine
Liebe zum Propheten
Seine ganze Macht setzte er ein zum größeren Ruhm Allahs und Seines Gesandten.
'Umars Heere warfen zwei mächtige Weltreiche nieder. Aber er selbst führte ein
einfaches und strenges Leben.
Außer der geringen monatlichen Zuwendung, die ihm bewilligt worden war, erhielt
'Umar keinen Pfennig aus der Staatskasse für sich oder seine Familie.
Als Kalif unterhielt er diplomatische Beziehungen zu anderen Herrschern. Einmal
bat seine Frau den Gesandten in Byzanz, der Kaiserin eine Flasche Parfüm als
Geschenk mitzunehmen.
Als Gegengeschenk sandte die Kaiserin ihr ein Perlenhalsband. Als 'Umar davon
erfuhr, gab er das Halsband zum Staatsschatz und sagte zu seiner Frau:
"Der Bote reiste auf Kosten der Allgemeinheit."
Abends pflegte der Kalif aus dem Baitu-1-Mal Öl für seine Lampe zu verbrauchen.
Dies tat er aber nur so lange, wie er die Papiere für die Staatsgeschäfte
durcharbeitete. Danach löschte er die Lampe, obwohl er kein anderes Licht in
seinem Hause hatte.
'Umar kümmerte sich persönlich auch um die geringsten Angelegenheiten des Volkes
wobei er sich wie ein Schwerarbeiter abmühte. Jeden Abend machte er einen
Rundgang durch die Stadt, um sich mit eigenen Augen zu überzeugen, wie das Volk
lebte und fühlte. Er war stets bereit, denen zu helfen, die seine Hilfe
brauchten. Auf seinen Schultern schleppte er Proviant herbei und gab ihn in den
Häusern der Armen ab. Nichts konnte 'Umar davon abhalten, seine Pflicht
gegenüber dem Volk zu erfüllen. Alle Bürger einschließlich des Kalifen waren vor
dem Gesetz gleich. Einmal mußte 'Umar vor dem Gericht in AI-Madina erscheinen;
denn jemand hatte gegen ihn geklagt. Als er das Gericht betrat, stand der
Richter auf, um ihm seine Achtung zu erweisen.
"Das ist die erste Ungerechtigkeit, die du dem Kläger gegenüber begangen hast",
sagte 'Umar zum Richter. Moderne, demokratische Staaten müssen dieses Maß an
Aufrichtigkeit erst noch erreichen; denn ihre höchsten Vertreter dürfen vor ein
gewöhnliches Gericht nicht vorgeladen werden.
Der größte Wunsch 'Umars war es, die Segnungen des Islam in vollem Maße allen
Völkern zuteil werden zu lassen, die unter seiner Herrschaft standen. Er war für
jedermann erreichbar. Selbst der einfachste Mann konnte ihn auf der Straße
ansprechen. Er konnte den Kalifen fragen, warum er diese oder jene Anordnung
getroffen habe. Auch eine arme Frau konnte ihm widersprechen und ihn auf
irgendeinen Fehler aufmerksam machen. Trotz all seiner Macht und Frömmigkeit
hielt er sich nicht für fehlerlos. Er begrüßte es, wenn Ansichten geäußert
wurden, die mit seinen nicht übereinstimmten.
"Allahs Gnade komme über die, welche mich zur Erkenntnis meiner Unzulänglichkeit
bringen", sagte er.
Einmal erfuhr 'Umar (r), daß einer seiner Statthalter sich vom Volke abgesondert
hatte. Er wurde daraufhin sofort nach Al-Madina zurückberufen. Der Kalif ließ
ihn sein seidenes Gewand ablegen und schickte ihn als Schafhirten in die Wüste.
'Umars Gerechtigkeit machte auch vor dem höchsten Rang nicht Halt.
'Umar hatte ein großes Reich zu verwalten und erwies sich dieser Aufgabe mehr
als gewachsen. Sie bestand darin, sich um ausgedehnte militärische
Unternehmungen zu kümmern, die gleichzeitig im Osten und im Westen stattfanden.
Er meisterte diese Herausforderung mit erstaunlichem Erfolg. Danach mußte er
Frieden und Ordnung in seinem riesigen Reich schaffen. Auch hierin war sein
Erfolg unerreicht. Nirgendwo in der übrigen Welt kannte man so viel Freiheit,
Gerechtigkeit und Sicherheit, wie er sie seinem Volk gab. Kurz gesagt: 'Umar (r)
wurde zur Quelle, aus der unverfälscht der Segen floß, den der Gesandte Allahs,
Allahs Segen und Friede auf ihm, der Menschheit gebracht hatte.