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„Niemand ist ein besserer Gefährte für mich gewesen, als Abu Bakr“, sage der
Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) in seiner letzten Predigt.
Wirklich ein großes Lob! Abu Bakr (r) hatte es verdient. Sein ganzes Leben lang
stand er auf der Seite des Propheten
Abu Bakrs Jugend
Abu Bakr war zwei Jahre jünger als der Prophet
Da er sich bereits in früher Jugend zum Islam bekannte, bekam er den Beinamen
„Abu Bakr“,
der eine solche Bedeutung wiedergibt. Unter diesem Namen ist er bekannt
geworden; und auch heute noch kennt ihn die Welt als „Abu Bakr“.
Der Name seines Vaters war ‚Uthman; er war jedoch bekannt als „Abu Quhafa“. Abu
Bakrs Mutter war Salma; sie war auch unter dem Namen „Ummu-l-Hair“ (= Mutter der
guten Dinge) bekannt. Abu Bakr gehörte einem Zweig des Stammes der Quraiš an.
Von früher Jugend an galt Abu Bakr als gutmütig und aufrichtig. Er war ehrlich
und wahrheitsliebend und kam aus einer edlen Familie. Diese Eigenschaften
verschafften ihm großes Ansehen. Durch seine guten Charaktereigenschaften gewann
er auch die Freundschaft des jungen Muhammad
Nachdem Abu Bakr herangewachsen war, wurde er ein reicher Kaufmann. Doch
benutzte er seinen Reichtum, um den Armen zu helfen. Er war sehr gutherzig. Wenn
er jemanden in Schwierigkeiten sah, wurde sein Herz weich, und er half ihm nach
Kräften. Wenn sein Geld Leid abschaffen konnte, sah er nicht darauf, wie viel er
ausgab. Einmal gab er von seinem Gesamtvermögen von 40.000 Dirham 35.000 ab. In
seinem Geschäften war er so ehrlich, dass die Leute ihm ihr Geld zur
Aufbewahrung überließen. Vor allem hatte Abu Bakr ein aufrichtiges Herz und
einen festen Willen. Nichts konnte ihn davon abhalten, etwas zu tun, was er für
richtig hielt.
Diese wertvollen Eigenschaften sollten bald dem höchsten Ziel dienen, das die
Welt kennt. Abu Bakr (r) sollte die stärkste Stütze des Retters der Menschheit
werden. Er sollte Arabien und dadurch die Welt nach dem Tod des Gesandten Allahs
Dem Propheten
Abu Bakr war dem Propheten
„ICH RIEF DIE MENSCHEN ZUM ISLAM AUF. JEDER DACHTE DARÜBER NACH, MINDESTENS EINE
WEILE. BEI ABU BAKR WAR DIES JEDOCH NICHT DER FALL. ER NAHM DEN ISLAM OHNE JEDES
ZÖGERN IM GLEICHEN AUGENBLICK AN, ALS ICH IHM ERÖFFNETE.“
Abu Bakr tat noch mehr. Sobald er Muslim geworden war, begann er, anderen den
Islam zu predigen. Er hatte viele Freunde. Sie wussten, dass Abu Bakr aufrichtig
und wahrheitsliebend war und niemals eine schlechte Sache unterstützen würde. Er
rief sie zum Islam auf, und sie wurden Muslime. Unter ihnen waren Männer wie ‚Uthman,
Zubair, Talh, ‚Abdurrahman Ibn ‚Auf und Sa’d ibn Abi Waqqas. Diese Männer wurden
später bedeutende Kräfte für den Islam. Der Prophet
Abu Bakr riskiert sein Leben
Die Botschaft des Islam verärgerte die Mekkaner über alle Massen; denn sie
verehrten Götzenbilder. Der Prophet
Unter den Anführern von Mekka war einer, Abu Gahl, der der größte Feind des
Propheten
"Heute muss ich Muhammad erledigen", sagte Abu Gahl. Er nahm einen langen
Stoffstreifen und legte ihn um den Hals des Propheten, dann zog er ihn zusammen.
Er war im Begriff, den Gesandten Allahs zu erdrosseln. Die anderen Anführer
sahen im zu und lachten.
Abu Bakr sah dies zufällig aus einiger Entfernung. Er sprang dem Propheten
"Ist der Gesandte Allahs unverletzt?"
Seine eigenen Schmerzen beachtete er nicht. Er war froh darüber, dass es ihm
gelungen war, das Leben des Propheten
Sklavenbefreiung
Von Jahr zu Jahr setzten die Mekkaner den Muslimen mehr und mehr zu und machten
ihnen das Leben schwer. Muslimische Sklaven, die keinen muslimischen Herrn
hatten, mussten am meisten leiden. Sie konnten weder ihren grausamen Herren
davonlaufen, noch wollten sie ihren Glauben aufgeben. Die herzlosen Herren
versuchten alle Arten von Foltern, damit sie den Islam verleugneten. Sie legten
sie nackt auf brennendheißen Sand und beschwerten ihnen dann die Brust mit
großen Steinen. Die armen Sklaven ertrugen das alles ruhig. Für sie gab kein
Entkommen; der Tod war der letzte Ausweg.
Abu Bakrs Reichtum war für viele muslimische Sklaven die Rettung. Er kaufte sie
ihren unmenschlichen Herren ab und gab ihnen die Freiheit. Bilal, der Schwarze, war
einer dieser Sklaven. Er war Sklave von Umayya ibn Halaf. Umayya war ein
herzloser Mann. Er ließ Bilal entkleiden, zur Mittagszeit auf den heißen Sand
legen und gnadenlos auspeitschen. Trotz dieser Tortur hörte Bilal nicht auf zu
rufen:
"Ahadun ahad, Ahadun ahad! (Allah ist der Einzige, Allah ist der Einzige!)"
Als Abu Bakr eines Tages vorbeikam und dies sah, war er von diesem Anblick
heftig bewegt.
"Warum bist du so grausam gegen diesen hilflosen Menschen?" fragte er Umayya.
"Warum kaufst du ihn nicht, wenn du Mitleid mit ihm hast?" erwiderte Umayya.
Da kaufte Abu Bakr Bilal zu einem hohen Preis und gab ihm die Freiheit. Später
wurde Bilal (r) der bekannte Gebetsrufer der Propheten-Moschee in Al-Madina.
Seinen Namen trägt heute die Moschee des Islamischen Zentrums in Aachen.
Auswanderung nach Abessinien
Als das Leben für die Muslime in Mekka zu schwer wurde, dachten sie daran, in
ein anderes Land zu gehen. Mit der Genehmigung des Propheten
"Wohin geht die Reise?" fragte er.
Das Volk von Makka hat mich vertrieben", antwortete Abu Bakr, "ich gehe nach
Abessinien. Dort werde ich in der Lage sein, dem Allmächtigen Gott auf die Weise
zu dienen, wie ich es möchte."
"Ein Mann wie dich sollte man nicht vertreiben", sagte Ibnu-d-Dagna, "du hilfst
den Armen, du bist gütig zu denen, die in Nöten sind, du bist liebenswürdig zu
deinen Gästen. Ich will dich auf meine eigene Verantwortung nach Mekka
zurückbringen."
So kam Abu Bakr nach Mekka zurück. Ibnu-d-Dagna erklärte dem Volk, dass Abu Bakr
unter seinem Schutz stehe und niemand ihm ein Leid zufügen dürfe. Die Mekkaner
sagte, sie würden Abu Bakr in Ruhe lassen, wenn er seinen Glauben nicht
öffentlich predigte.
Abu Bakr (r) konnte jedoch dieser Bedingung nicht lange Folge leisten. Bald
predigte er den Islam so öffentlich wie zuvor. Die Mekkaner beklagten sich bei
Ibnu-d-Dagna. Dieser bat Abu Bakr, seine Lage nicht zu erschweren. Darauf
antwortete Abu Bakr (r):
"Ich brauche deinen Schutz nicht. Allah schützt mich."
Der Titel "As-Siddiq"
Im zehnten Jahr seiner Botschaft erlebte der Prophet
Am nächsten Morgen berichtete der Prophet
"Hört nur", schrieen sie, "was für einen Unsinn er schwatz! Jetzt werden wohl
auch seine Anhänger über ihn lachen. Wer glaubt schon an einen solchen
Mittsommernachttraum?" Das Gerede hielt noch an, als Abu Bakr (r) erschien.
"Weißt du auch, Abu Bakr, welche Neuigkeiten dein Freund heute morgen für dich
hat?" fragte einer der Männer. "Er sagte, er sei letzte Nach in Jerusalem
gewesen. Glaubst du das?"
"Ich glaube alles, was der Gesandte Allahs sagt", entgegnete Abu Bakr.
Als der Prophet
"Abu Bakr ist ein Siddiq"
Ein "Siddiq" ist ein Mann so aufrichtigen Herzens, dass niemals ein Zweifel
seine Liebe beeinträchtigen kann. Abu Bakr (r) bekam diesen Titel, weil sein
Glaube zu fest war, um durch irgend etwas erschüttert zu werden.
Auswanderung nach Al-Madina
Als das Leben für die Muslime in Mekka zu schwer wurde, dachten sie daran, in
ein anderes Land zu gehen. Mit der Genehmigung des Propheten, Allahs Segen und
Friede auf ihm, wanderte ein Teil von ihnen nach Abessinien aus. Dort lebten sie
in Frieden, und viele Muslime folgten ihnen.
Als einer der ersten Anhänger des Islam zog sich Abu Bakr den besonderen Zorn
und Hass der Oberen von Mekka zu. Unter dem starken Druck, dem er sich bald
ausgesetzt fühlte, bat er den Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, um die
Erlaubnis, nach Abessinien gehen zu dürfen.
Der Prophet erteilte ihm die Genehmigung, und er trat seine Reise an. Unterwegs
traf er Ibnu-d-Dagna, das Oberhaupt des Stammes der Qara "Wohin geht die Reise?"
fragte er. "Das Volk von Mekka hat mich vertrieben", antwortete Abu Bakr, "ich
gehe nach Abessinien. Dort werde ich in der Lagesein, dem Allmächtigen Gott auf
die Weise zu dienen, wie ich es möchte."
"Einen Mann wie dich sollte man nicht vertreiben", sagte Ibnu-d-Dagna, "du
hilfst den Armen, du bist gütig zu denen, die in Nöten sind, du bist
liebenswürdig zu deinen Gästen. Ich will dich auf meine eigene Verantwortung
nach Mekka zurückbringen."
So kam Abu Bakr nach Mekka zurück. Ibnu-d-Dagna erklärte dem Volk, daß Abu Bakr
unter seinem Schutz stehe und niemand ihm ein Leid zufügen dürfe. Die Mekkaner
sagten, sie würden Abu Bakr in Ruhe lassen, wenn er seinen Glauben nicht
öffentlich predige.
Abu Bakr (r) konnte jedoch dieser Bedingung nicht lange Folge leisten.
Bald predigte er den Islam so öffentlich wie zuvor. Die Mekkaner beklagten sich
bei Ibnu-d-Dagna. Dieser bat Abu Bakr, seine Lage nicht zu erschweren. Darauf
antwortete Abu Bakr (r): "Ich brauche deinen Schutz nicht. Allah schützt mich."
Beteiligung an Kämpfen
Abu Bakr (r) nahm an allen Kämpfen teil, die der Prophet
In Badr kämpfte einer von Abu Bakrs Söhnen, der den Islam noch nicht angenommen
hatte, auf der Seite der Mekkaner. Als er später Muslim geworden war, sagte er
eines Tages: "Vater, bei Badr war dein Leben zweimal in meiner Hand. Aber meine
Liebe zu dir hielt mein Schwert zurück."
"Mein Sohn", bemerkte Abu Bakr, "wenn ich eine solche Gelegenheit auch nur
einmal gehabt hätte, wärst du nicht mehr."
Bei den Friedensgesprächen in Al-Hudaibiya saß Abu Bakr an der Seite des
Propheten
Dies setzte die Unterhändler von Mekka in Erstaunen.
"Was für ein Wandel in Abu Bakr!" flüsterten sie sich zu. "Er ist als
weichherzig bekannt. Wie hart und fest ist er jetzt geworden! Er ist nicht mehr
derselbe Abu Bakr."
Der Feldzug nach Tabuk war die letzte Unternehmung des Propheten
"Allah und Sein Gesandter genügen ihnen", entgegnete Abu Bakr ruhig.
Die Umstehenden waren verblüfft. Es war unmöglich, Abu Bakr im Dienst für den
Islam zu übertreffen. Dem Propheten
Abu Bakr vertritt den Propheten (Friede sei mit ihm)
Mekka fiel im 8. Jahre n.H. Die Kaaba befand sich jetzt erstmals in den Händen
der Muslime; sie mußte von allen Spuren des Götzendienstes und alberner Übungen
heidnischer Tage gereinigt werden. Denn bis dahin hatten heidnische Araber in
der Zeit der Pilgerfahrt (Hadsch) absurde Dinge getan. Sie gingen nackt um das
Haus Allahs und taten viele andere närrische und unreine Dinge. All dies mußte
aufhören. Der erste Hadsch der Muslime fiel in das 9. Jahr n.H. Der Prophet
Der Prophet
So kam Abu Bakr (r) zu Lebzeiten des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm,
zur höchsten Würde des Islam. Als Abu Bakr eines Tages geschäftlich unterwegs
war, leitete 'Umar (r) in seiner Abwesenheit das gemeinsame Gebet. "Das ist
nicht Abu Bakrs Stimme", sagte der leidende Gesandte Allahs, "Niemand außer ihm
sollte die Gebete vorsprechen." Denn Abu Bakr war die am meisten geeignete
Person für dieses hohe Amt.
Am letzten Tage seines Lebens besserte sich der Zustand des Propheten
Abu Bakr wird Kalif
Ein kritischer Augenblick
Der Prophet
Die Nachricht vom Tode des Propheten
"Wenn jemand sagt, der Gesandte Allahs sei tot, werde ich ihm den Kopf
abschlagen!"
In diesem Augenblick betrat Abu Bakr (r) die Moschee. Am frühen Morgen hatte er
sich einige Meilen von AI-Madina entfernt, weil es dem Propheten
Diese Worte Abu Bakrs wirkten Wunder. Im Nu war die Verwirrung verschwunden. Die
Worte des Qur'an fegten alle Zweifel aus den Gedanken der Menschen hinweg. Sie
waren bereit, den Tatsachen ins Auge zu sehen.
Abu Bakrs Wahl
Die erste Aufgabe war die Wahl eines neuen Führers. Der Staat mußte ein
Oberhaupt haben, sonst konnte es nicht weitergehen. Die Sache war zu dringend,
um aufgeschoben zu werden. Ein Aufschub hätte Unordnung bedeutet und alles
zunichte gemacht, was der Gesandte Allahs geschaffen hatte. Allahs Prophet
"Aber was ist mit den Muhagirun? Sie haben vielleicht einen größeren Anspruch."
"Dann sollen es eben zwei Kalifen sein", schlug einer vor, "einer von den Ansar
und einer von den Muhagirun." Jemand erzählte Abu Bakr (r), was bei dieser
Zusammenkunft gesprochen worden war. Er erkannte die Notwendigkeit, schnell zu
handeln, um eine neue Verwirrung zu verhindern. Daher ging er mit einer Gruppe
von Muslimen nach Taqifat Bani Sa'ida. Er wandte sich mit folgenden Worten an
die Versammelten:
"Beide, Muhagirun und Ansar, haben große Verdienste um den Islam erworben. Aber
die Muhagirun waren als erste zum Islam gekommen. Sie waren immer sehr eng mit
dem Gesandten Allahs verbunden. Daher, Leute der Ansar, laßt den Kalifen aus
ihrer Reihe sein!" Darauf erwiderte ein Mann aus dem Stamm Al-Hazrag: "Wenn du
keinen Kalifen aus unserer Mitte willst, dann laß es doch zwei Kalifen geben,
einen Ansari, und einen Muhagir."
"So geht es nicht", sagte Abu 'Ubaida Ibn Al-Garrah, "Ansar, ihr seid
diejenigen, die den Islam stark gemacht haben. Jetzt tut nichts, was eure Arbeit
zunichte machen könnte!" Als er das hörte, stand ein anderer Mann aus dem Stamm
Al-Hazrag auf und sagte:
"O Ansar! Was wir auch für den Islam getan haben, geschah zu Ehren Allahs und
Seines Gesandten. Wir taten es nicht, um damit irgend jemand zu verpflichten. Es
sollte kein Vorwand sein, um ein Amt zu erlangen. Hört, der Prophet gehörte zum
Stamm der Qurais. Die Qurais haben ein größeres Recht, seinen Platz einzunehmen.
Bei Allah, ich halte es nicht für richtig, mit ihnen darüber zu streiten.
Fürchtet Allah und widersprecht ihnen nicht!"
Diese Rede eines Mannes aus ihrer Mitte brachte die Ansar zum Schweigen. Sie
stimmten zu, daß ein Muhagir Kalif werden sollte.
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Abu Bakr sagte:
"Freunde, ich denke, entweder 'Umar oder Abu 'Ubaida sollte Kalif werden. Wählt
einen von den beiden! "
Als sie das hörten, sprangen 'Umar und Abu 'Ubaida auf und riefen:
"O Siddiq, wie kann das sein? Wie kann ein anderer dieses Amt ausüben, solange
du unter uns bist? Du bist der erste Anwärter unter den Muhagirun. Du warst der
Gefährte des Propheten in der Höhle des Berges Taur. Du leitetest die
gemeinsamen Gebete an seiner Stelle während seiner letzten Krankheit. Das Gebet
steht an erster Stelle im Islam. Mit all diesen hervorragenden Voraussetzungen
bist du die am besten geeignete Person als Nachfolger des Propheten. Strecke
deine Hand aus, daß wir dir die Bai'a geloben können."
Aber Abu Bakr streckte seine Hand nicht aus. 'Umar sah, daß dieses Zögern alle
Fragen erneut aufrollen würde. Das hätte leicht neue Schwierigkeiten schaffen
können. So ergriff er selbst Abu Bakrs Hand und gelobte ihm seine Bai'a. Andere
folgten seinem Beispiel, und dann strömten von allen Seiten die Männer herbei,
um dem Nachfolger des Propheten ihre Bai'a zu bekunden. So wurde Abu Bakr (r)
Kalif mit allgemeiner Zustimmung der islamischen Gemeinde.
Die erste Ansprache
Am folgenden Tag ging Abu Bakr (r) in die Propheten-Moschee. Hier legte das Volk
die Bai'a ab. Danach bestieg Abu Bakr das Podest als Kalif des Islam und sprach
zur versammelten Menge:
"O ihr Menschen! Ich bin zu eurem Führer gewählt worden, obgleich ich nicht
besser bin als irgendeiner von euch. Wenn ich etwas Gutes tue, gebt mir eure
Unterstützung! Tue ich etwas Falsches, dann macht mich darauf aufmerksam! Hört,
Wahrheit ist Ehrlichkeit, und Unwahrheit ist Unehrlichkeit. Die Schwachen unter
euch sind in meinen Augen so lange mächtig, bis ich ihnen das gegeben habe, was
ihnen zusteht, wie Allah es will. Die Mächtigen unter euch dagegen sind so lange
schwach in meinen Augen, bis ich ihnen das genommen habe, was den anderen
zusteht, wie Allah es will. Ich sage euch, wenn die Menschen aufhören, den
Willen Allahs zu erfüllen, läßt Allah sie in Ungnade fallen. Wenn die Menschen
zu Übeltätern werden, schickt Allah Unglück über sie. Merkt euch, ihr müßt mir
so lange gehorchen, wie ich Allah und Seinem Gesandten
Ali verzögert seinen Treueschwur
Ali und einige seiner Verwandten hatten wegen einer Meinungsverschiedenheit
mit dem Kalifen die Bai'a sechs Monate hinausgezögert. Der Prophet
Fatima (r) wußte nichts von diesem Ausspruch ihres Vaters. Sie war der Meinung,
daß ihr Anspruch völlig zu Recht bestand. Sie und ihr Gatte Ali waren deshalb
etwas verbittert. Heuchler waren schnell bereit, das Mißverständnis
aufzubauschen.
Abu Bakr und Ali waren beide uneigennützig. Fatima war krank, und Abu Bakr
ging zu ihr und klärte das Mißverständnis persönlich auf. Nachdem Fatima kurz
darauf gestorben war, suchte Ali Abu Bakr auf und sagte:
O Siddiq, wir erkennen deine Überlegenheit an. Wir neiden dir nicht die
Stellung, die dir Allah gegeben hat. Aber als Verwandte des Propheten, Allahs
Segen und Friede auf ihm, waren wir doch der Meinung, daß das Kalifat uns
zustehe.
Wir glaubten, du hättest uns dieses Recht genommen“
Diese Worte rührten Abu Bakr zu Tränen und er sagte: "Bei Allah! Die Verwandten
des Propheten sind mir teurer als meine eigenen Verwandten." Ali war mit
dieser Versicherung zufrieden. Er ging in die Moschee und legte öffentlich den
Treueschwur ab.
Usamas Feldzug nach Syrien
Einige Wochen vor seinem Tod hatte der Prophet
Der Tod des Propheten
Bei vielen von ihnen wurden Anzeichen bemerkt, daß sie aus der Gemeinschaft des
Islam ausbrechen wollten. Abu Bakr sah sich in einer schwierigen Lage. Er mußte
die Befehle des Propheten
"Wie kann ich die Flagge einziehen, die der Gesandte Allahs selbst entfaltet
hat?" fragte er. "Es ist einfach undenkbar!" Dann wandten einige ein, daß Usama
noch zu unerfahren sei - er war noch keine 20 Jahre alt -, um den Feldzug zu
führen. Es sei klüger, einem erfahreneren Mann das Kommando zu übertragen. Diese
Bedenken erregten Abu Bakrs Zorn. "Welches Recht habe ich", fragte er, "einen
Mann abzusetzen, der vom Gesandten Allahs ernannt worden ist?"
So brach die Expedition unter Usama ungefähr drei Wochen nach dem Tod des
Propheten
"Bei Allah", entgegnete Abu Bakr, "ich stimme keinem der beiden Vorschläge zu.
Was macht es schon, wenn meine Füße staubig werden, während ich einige Schritte
auf Allahs Wegen schreite? Jeder Schritt auf Allahs Wegen wiegt so viel wie 700
gute Taten."
Auch 'Umar war unter Usamas Kommando. Aber Abu Bakr brauchte ihn in AI-Madina
als Berater. Deshalb bat er Usama um die Einwilligung, daß 'Umar in AI-Madina
bliebe. Usama war einverstanden.
Ehe der Kalif sich von Usama trennte, gab er ihm viele wertvolle Ratschläge,
unter anderem:
"Sei nicht unehrlich! Täusche niemanden! Verstecke deine Kriegsbeute nicht!
Verstümmele niemanden! Töte nicht Frauen, Alte und Kinder! Verbrenne keine
Dattelpalmen! Schlage keine Obstbäume um! Schlachte eine Ziege, eine Kuh oder
ein Kamel nur als Nahrung! Du wirst Menschen antreffen, die der Welt entsagt und
sich in ein Kloster zurückgezogen haben; laß sie in Frieden!"
Usamas Feldzug war sehr erfolgreich. Er fiel in die Grenzbezirke Syriens ein und
kehrte nach 40 Tagen nach Al-Madina zurück. Das Unternehmen brachte noch einen
weiteren Erfolg. Es öffnete denen die Augen, die glaubten, daß der Islam am Ende
sei. Sie erhielten den klaren Beweis dafür, daß der Islam es mit den größten
Mächten der damaligen Welt aufnehmen konnte. Dies beeindruckte die schwankenden
Stämme. Einige von ihnen, die erst kürzlich vom Islam abgefallen waren, kehrten
in seine Gemeinschaft zurück.
Kampf gegen Schwindler und Abtrünnige
Die Schwindler
Bald geriet das Land in einen Bürgerkrieg. Die entlegenen Provinzen, wie Nagd,
waren die ersten, in denen Schwierigkeiten entstanden. Sie hatten den Islam
angenommen, als ihnen der Anschluß an die Muslime die größte Sicherheit bot. Sie
wußten nichts vom wahren Geist des Islam. Jahrhunderte lang waren sie von keiner
fremden Macht beherrscht worden. Sie waren es gewohnt, so frei zu sein wie der
Wind, der über die Wüste weht. Der Islam legte ihnen Disziplin auf» und sie
mußten nach seinen moralischen Gesetzen leben. Alkohol und Glücksspiel wie in
den Tagen der "Gahiliya" gab es nicht mehr. Der freie Geist der Wüste lehnte
sich gegen diesen moralischen Zwang auf. Der Tod des Propheten
Gleichzeitig tauchte eine noch ernstere Schwierigkeit auf. Menschen, die den
Propheten
"Alles, was wir tun müssen", dachten sie bei sich, "ist, Prophet zu werden und
ein Gefolge zu haben."
Auf diese Weise hofften sie, zu Macht und Ruhm zu gelangen. Mancher tüchtige
Mann fiel diesem Wunschtraum zum Opfer, und schließlich tauchte eine Unmenge von
Schwindlern in verschiedenen Teilen Arabiens auf. Alle behaupteten von sich,
Propheten zu sein.
Entschlossene Tat
Die Lage war ernst, und deshalb war äußerste Umsicht notwendig. Abu Bakr (r)
rief seine Ratgeber zusammen, um ihre Ansichten zu hören. Viele befürworteten
behutsames Vorgehen.
"Es ist nicht klug“, sagten sie, "den Kampf an allen Fronten zur gleichen Zeit
aufzunehmen. Gehe im Augenblick nicht gegen die vor, die sich weigern, die Zakah
zu zahlen. Wir können uns mit ihnen noch befassen, wenn wir mit den Schwindlern
fertig sind."
Aber Abu Bakr wollte nicht auf diesen Rat hören. "Bei Allah ", erklärte er,
"selbst wenn einer nur ein Zicklein schuldig ist, muß er es hergeben, auch wenn
er sich weigert.
Ich werde ihn deshalb bekämpfen Wenn andere mich dabei nicht unterstützen, werde
ich es allein tun. Niemand ist befugt, ein Gebot Allahs abzuwandeln."
Die Lage war wirklich äußerst schwierig. Zu den Verweigerern der Zakah gehörten
die Nachbarstämme der 'Abs und Dubyan, der Asad und Tay'. Sie wollten ein
Zugeständnis des Kalifen erzwingen, ehe Usamas Streitmacht nach Al-Madina
zurückkäme. Sie sandten deshalb eine Abordnung zum Kalifen mit dem Angebot, in
der Gemeinschaft des Islam zu bleiben, wenn ihnen die Zakah erlassen würde.
Wie zu erwarten war, wies Abu Bakr den Vorschlag entschieden zurück.
Gleichzeitig veranlaßte er die Verstärkung der Verteidigung AI-Madinas; denn er
erwartete einen hinterhältigen Angriff der aufrührerischen Stämme.
In der dritten Nacht kam der tückische Schlag. Aber Abu Bakr war darauf
vorbereitet. Er schlug so heftig zurück, daß die Feinde Hals über Kopf flohen.
Einige Tage später kehrte Usama nach AI-Madina zurück. Der Kalif entschied nun,
persönlich gegen die verräterischen Stämme in den Kampf zu ziehen. Das Volk bat
ihn, sein Leben nicht aufs Spiel zu setzen. Aber Abu Bakr hörte nicht darauf. Er
ließ Usama als seinen Stellvertreter in AI-Madina zurück, führte ein Heer gegen
Abs und Dubyän und besiegte diese Stämme endgültig. Ihre Weiden wurden dem Heer
zur Nutzung überlassen.
Diese entschlossene Tat überzeugte manchen Schwankenden davon, daß es unmöglich
ist, einen Teil des Islam anzunehmen und den anderen abzulehnen. Sie bestätigte,
daß der Islam das ganze Leben als Einheit durchdringt. Und so wurden durch den
unbesiegbaren Glauben Abu Bakrs die Grundlagen des Islam gesichert.
Krieg gegen die Schwindler
Nun war die Zeit gekommen, gegen die Schwindler vorzugehen. Usamas Heer war
ausgeruht und bereit zu neuen Taten. Abu Bakr (r) ließ es etwa 12 Meilen auf den
Weg zum Nagd marschieren. Hier teilte er es in 11 Bataillone. Jede dieser
Abteilungen wurde unter den Befehl eines erfahrenen Anführers gestellt und
sollte gegen einzelne Schwindler vorgehen.
Vor Aufbruch dieser Streitmacht wurden die Schwindler und ihr Anhang gewarnt.
Ihnen wurde Vergebung zugesichert, wenn sie zum Islam zurückkehrten. Der Kalif
gab folgende Anweisung an seine Befehlshaber:
"Ich verlange von den Soldaten des Islam, unter allen Umständen Allah zu
fürchten und Seine Gebote einzuhalten. Sie sollen gegen diejenigen kämpfen, die
vom Islam abgefallen und in die Fänge Satans geraten sind. Aber ehe sie ihr
Schwert ergreifen, müssen sie die Botschaft des Islam verkünden. Wenn die
Abtrünnigen sie annehmen, sollen die Soldaten sofort einhalten und die Waffen
senken. Aber wenn die Botschaft zurückgewiesen wird, müssen sie angreifen und
solange kämpfen, bis die Gegner ihren Unglauben ablegen. Wenn die Abtrünnigen
zum Islam zurückfinden, muß der Befehlshaber des muslimischen Heeres ihnen die
Rechte und Pflichten im Islam erklären, man soll ihnen dann ihre Rechte geben
und sie veranlassen, ihre Pflicht zu tun. Der Befehlshaber soll seine Männer von
übereilten Handlungen und Untaten zurückhalten. Er soll vermeiden, daß sie
blindlings in feindliche Siedlungen einfallen. Sie sollen mit der gebotenen
Vorsicht eindringen, damit die Muslime keinen Verlust erleiden. Sowohl auf dem
Marsch als auch im Lager soll der Kommandierende gütig und rücksichtsvoll zu
seinen Männern sein. Er soll darauf achten, daß sie mit allem Nötigen versorgt
sind, und freundlich mit ihnen sprechen." Der Kalif erläuterte den Hauptleuten
diese Anweisungen; dann führten sie ihre Bataillone gegen die verschiedenen
Schwindler.
Abu Bakr (r) kehrte nach Al-Madina zurück. Er hatte bereits die Schwankenden
unter den Muslimen gezwungen, Zakah zu zahlen. Jetzt unternahm er einen
umfassenden Angriff gegen die Schwindler und ihre Anhänger.
Tulaiha
Einer der Schwindler war Tulaiha. Er gehörte zum Stamme Banu Asad. Nach seiner
letzten Pilgerreise erhob er Anspruch darauf, ein Prophet
zu sein, und alle seine Stammesgenossen wurden seine Anhänger. Die Stämme Tay'
und Gatafan, die Verbündeten der Banu Asad, schlössen
sich auch dem Schwindler an. Mit dieser großen Anhängerschaft lagerte Tulaiha
bei der Quelle Bazaha im Nagd. Halid Ibn Al-Walid besiegte
ihn, und Tulaiha floh nach Syrien. Später wurde er wieder Muslim. Er diente in
der muslimischen Armee während des irakischen Feldzuges
und versuchte, für seine vergangenen Sünden Buße zu tun.
Malik Ibn Nuwaira
Halid (r) marschierte dann gegen Malik Ibn Nuwaira, das Stammesoberhaupt der
Banu Tamim. Dieser hatte die Zahlung der Zakah eingestellt und die Muslime
seines Stammes bekämpft. Als er von Halids Anmarsch hörte, löste er seine
Truppen auf. Halid stellte ihn und seine Männer unter Arrest. Nun war es in
dieser Nacht ungewöhnlich kalt, und die Gefangenen begannen zu frieren. Halid
ordnete daher an, daß sie gewärmt werden sollten. Aber das arabische Wort für
"wärmen" bedeutet auch "erschlagen" Da die Wachen den Befehl mißverstanden,
töteten sie Malik und seine Männer mit dem Schwert.
Als Halid am nächsten Morgen von Maliks Schicksal erfuhr, wurde er sehr traurig.
Aber er konnte die Tat nicht ungeschehen machen.
"Was Allah fügt, geschieht", sagte er. Den Kalifen erreichten Klagen darüber,
daß Halid in diesem besonderen Fall nicht nach dessen Anweisungen gehandelt
habe. Man verlangte, daß Halid für diese übereilte Handlung bestraft werden
solle. Aber Abu Bakr zahlte selbst das Blutgeld für Malik Ibn Nuwaira. Er sagte:
"Halid ist das Schwert Allahs. Dieses Schwert hat Ungläubige wie ein Blitz
getroffen. Wie kann ich dies ungeschehen machen?"
Musailima, der Lügner
Musailima war der listigste aller Schwindler. Er gehörte zu den Yamama. Als er
von der schweren Krankheit des Propheten Muhammad
"Allah hat mich zum Teilhaber an deinem Prophetentum gemacht. Laßt uns die Erde
unter uns beiden aufteilen! "
Darauf entgegnete der Prophet, Allahs Segen und Friede auf ihm:
"An Musailima, den Lügner! Gewiß ist, daß die Erde Allah gehört. Er gibt sie
denen Seiner Diener zum Besitz, die Er liebt."
Diese Armee mußte er zuerst mit einer Betrügerin namens Sagah, einer Christin
teilen. Nach dem Tode des Propheten
"Warum sollen alle Propheten Männer sein?" fragte sie. "In mir hat Allah nun
eine Frau als Prophetin gesandt."
Das Bataillon unter Ikrima Ibn Abu Gahl sollte Musailima angreifen, das
Bataillon unter Surahbil war als Verstärkung gedacht. 'Ikrima hatte den Befehl,
auf die Verstärkung zu warten. Aber in der Hoffnung, den Ruhm für sich allein zu
gewinnen, wartete 'Ikrima nicht ab. Er griff Musailima an und wurde geschlagen.
Diese Nachricht stimmte Abu Bakr traurig. Er beauftragte sofort Halid Ibn
Al-Walid, Musailima anzugreifen. Die vereinigten Bataillone von Halid und
Surahbil fielen nun über den Schwindler her. Musailima kämpfte verzweifelt.
Einer seiner Leute erreichte sogar Halids Zelt. Aber Halid behielt die Nerven.
Er sammelte seine Leute erneut und führte selbst einen letzten Angriff.
Verblüfft über den plötzlichen Ansturm ergriffen Musailimas Männer die Flucht.
Der Schwindler und einige seiner Begleiter verbargen sich in einem befestigten
Garten. Aber die Krieger des Islam rannten seine Tore ein, und der
niederträchtige Schwindler und seine Freunde fielen dem Schwert zum Opfer.
Unter denen, die Musailima niedermachten, befand sich auch Wahsyy, der
schwarze diener, der Hamza, den Onkel des Propheten, bei Uhud getötet hatte. Er
hatte dies getan, um seine Freiheit zu erlangen. Hind, die Frau Abu Sufyans,
hatte ihm versprochen, ihn freizukaufen, wenn er Hamza (r) erschlüge. Nach dem
Fall von Mekka wurde Wahsyy Muslim. Der Prophet
"Wahsyy, geh bitte aus meinen Augen. Du erinnerst mich an meinen lieben Onkel"
Wahsyy war immer traurig wegen seiner Sünde und wollte sich davon reinwaschen.
Die Schlacht gegen Musailima gab ihm hierzu Gelegenheit: Mit seinem Wurfspeer
versuchte er, ihn zu treffen. Geschickt stieß er die vergiftete Spitze in seinen
Körper, und der Schurke fiel mit einem Aufschrei zu Boden. Im nächsten
Augenblick wurde ihm der Kopf abgetrennt.
"Alles Lob gebührt Allah!" rief Wahsyy aus. "Ich habe damit meine Sünde wieder
gutgemacht!"
Musailima gehörte zum Stamm der Banu Hanifa. Der Kalif ordnete an, daß alle
Männer des Stammes, die die Waffen gegen den Islam erhoben hatten, getötet
werden sollten. Aber Halid (r) hatte bereits versprochen, ihr Leben zu schonen.
Deshalb galt sein Wort, und der ganze Stamm nahm den Islam wieder an.
Al-Aswad Al-'Ansyy
Kurze Zeit vor dem Tod des Propheten
Der Prophet
So kam der Yemen wieder unter muslimische Herrschaft. Diese Nachricht erreichte
AI-Madina einen Tag nach dem Tode des Propheten,
Ein früherer General Al-Aswads namens Qais bemühte sich, an die Macht zu kommen.
Er gab den Islam auf und versammelte die Anhänger seines getöteten Herrn um
sich. Er hatte auch die Unterstützung einiger Oberhäupter der Yemeniten, die den
Islam zwar nach außen zur Schau stellten, innerlich aber gegen ihn waren.
Er scharte genügend Männer um sich, um San'a' einzunehmen, und wurde der
Beherrscher des Yemen. Aber das Heer der Muslime stand bereit. In der
Zwischenzeit erreichten auch die beiden von Abu Bakr ausgesandten Bataillone den
Yemen, und Sana´a wurde zurückerobert. Qais und sein Hauptverbündeter 'Amr Ibn
Ma'di Karib Zubairyy wurden nach AI-Madina geschickt.
Sie bereuten beide ihre Sünden, und es wurde ihnen vergeben.
Al-Bahrain
Das Volk von Al-Bahrain nahm den Islam zu Lebzeiten des Propheten
Auch einige Stämme von 'Uman fielen vom Islam ab, Abu Bakrs Heeresführer
brachten sie aber alle in die Gemeinschaft des Islam zurück.
So gelang es Abu Bakr in wenigen Monaten, den Aufruhr zu unterdrücken, den die
Schwindler im ganzen Land verursacht hatten. Halid Ibn Al-Walid (r) trug hierzu
mehr bei als jeder andere.
Krieg mit Persien
Das Zeitalter der Eroberungen beginnt
Die Kaiser Persiens hatten alles, was sie konnten, getan, um den Islam zu
vernichten. Der schändliche Khusro Pravez hatte sogar befohlen, den Propheten
Im ersten Monat des Jahres 12 n.H. wurde Halid Ibn Al-Walid ausgesandt, um die
persischen Streitkräfte anzugreifen. Ein anderes Heer unter Al-Qa'qa' Ibn 'Amr
sollte ihn unterstützen. Halid sollte Ramla, den südlichen Vorposten des
persischen Reiches, angreifen, ein zweites Heer unter 'Ayaz Ihn Gannam sollte an
der Nordgrenze des Irak kämpfen. Nach islamischer Gepflogenheit richtete Halid
folgenden Brief an Hurmuz, den persischen Befehlshaber:
"Nimm den Islam an, und du bist sicher. Tust du es nicht, dann stimme zu, die
Gizya zu bezahlen, oder du wirst es zu bereuen haben! Ich führe gegen euch ein
Volk, das den Tod so liebt wie ihr das Leben."
Der stolze persische Befehlshaber beachtete diese Warnung jedoch nicht. Er fiel
in der darauf folgenden Schlacht, und das persische Heer wurde vernichtend
geschlagen. Danach kämpften noch einige bekannte persische Generäle gegen Halid.
Zwei von ihnen waren Bahman und Dschahan. Aber sie wurden alle besiegt, und die
persischen Verluste waren schwer.
Die Stadt Al-Hira an der persischen Grenze war die Hochburg der christlichen
Araber. Halid eroberte diese, woraufhin sich auch die anderen Oberhäupter der
Grenzregionen unterwarfen.
Nach Al-Hira eroberte Halid die beiden wichtigen Außenposten des persischen
Reiches Al-Anbar und 'Ainu-t- Tamr. Da erhielt er einen Brief von Ayaz, der ihn
in den Norden des Irak um Hilfe rief: In Daumatu-1-Gandal war er in harter
Bedrängnis. Halid kam ihm eilends zu Hilfe und sandte ihm folgende Botschaft:
"Halte noch eine Weile aus! Kamele mit löwenhaften Kämpfern sind bald bei dir;
wie Wellen nähern sich unsere Truppen."
Akidar, einer der feindlichen Generäle, wußte aus eigener Erfahrung, daß es
sicher unmöglich war, einen Angriff Halids aufzuhalten. Er schlug den anderen
Generälen deshalb vor, den Kampf gegen die Muslime einzustellen. Als sie seinen
Vorschlag nicht beachteten, ließ er sie ruhig gewähren, aber seine Freunde sahen
die Richtigkeit seines Vorschlags ein, als sie eine demütigende Niederlage durch
Halids Hand erlitten. Ein anderes wichtiges Ereignis fand in Faraz statt. Eine
starke Streitmacht aus Persern und Arabern überquerte den Euphrat. Am 15. des
Monats Du-1-Qa'da im Jahre 12 n.H. vertrieb Halid dieses Heer. Von hier kehrte
er nach Al-Hira zurück.
Halid Ibn Al-Walid
Halids Heldentaten
"Islam ist der Weg der Wahrheit, offenbart durch Allah ", sagte er. "Daher
verteidigt Allah ihn gegen alle Feinde."
Abu Bakr wußte, daß er nicht so sehr von der Stärke seiner Truppen als von
Allahs Hilfe abhängig war. Die Ergebnisse bewiesen, daß sein Glaube richtig war.
Eine wichtige Hilfe war ihm auch Halid Ibn Al-Walid (r), der größte Feldherr des
Islam. Sein militärisches Geschick und sein Mut ließen mit Allahs Macht die
geringen Streitkräfte des Islam zehnmal stärker erscheinen. Die Ergebnisse waren
überwältigend: Halid war mit einer Handvoll Truppen in der Lage, nicht nur mit
allen inneren Feinden fertig zu werden, sondern auch Arabien für den Islam zu
sichern. Er konnte auch den Irak in Kürze für den Islam gewinnen. Vom Irak aus
marschierte er gegen die byzantinischen Streitkräfte und vertrieb sie. Dies
geschah alles im Zeitraum von zwei Jahren. Während dieser Feldzüge erlitt Halid
keine einzige Niederlage. Er überraschte den Feind durch Gewaltmärsche und gab
sich erst mit dessen vollständiger Niederwerfung zufrieden. Dies machte Halid
zum Schrecken für seine Feinde. Die Wahrheit ist, daß Halids Heldentaten die
Siege Alexanders des Großen oder Napoleons weit in den Schatten stellen.
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Allahs Schwert
Halid Ibn Al-Walid war der geborene Feldherr. Bei Uhud kämpfte er auf der Seite
der Qurais. Er war es, der den Gang der Schlacht entschied: Der Sieg der
Muslime war schon in naher Sicht, die Führer der Qurais wichen schon zurück.
Plötzlich sah Halid den Engpaß im Rücken der muslimischen Armee unverteidigt -
an der Spitze eines Stoßtrupps stürmte er über den Paß und griff die islamische
Armee überraschend an. Nach dem Frieden von Al-Hudaibiya nahm Halid den Islam
an. Sein militärisches Talent überstrahlte bald die anderen. Der Gesandte
Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, erkannte sofort seinen Wert und gab ihm
den Titel "Saifullah" (Schwert Allahs). Aber die übrige Welt bemerkte seine
unerreichte Begabung für die Kriegskunst erst, als der Islam über die Grenzen
Arabiens hinausdrang.
Auch Abu Bakr erkannte gleich Halids Fähigkeiten. Er übertrug ihm den Oberbefehl
für den irakischen Feldzug. Halids Heldentaten in diesem Unternehmen haben in
der Geschichte wenig ihresgleichen. In etwa elf Monaten überrannte er den ganzen
Irak und brachte ihn unter das Banner des Islam, obwohl er nicht mehr als 10.000
Mann hatte. Mit dieser kleinen Streitmacht besiegte er Massen, die zwanzigmal
größer waren. Ihre Waffen und ihre Ausrüstung waren den seinigen überlegen, aber
mit seinem Glauben an Allah wußte Halid, wie man mit einer kleineren
Streitmacht und weniger guten Waffen gewinnt.
Im Irak schlug Halid insgesamt 15 Schlachten. In allen war sein Sieg
vollständig, und die Fahne des Islam durfte das Schlachtfeld niemals verlassen,
ehe der Feind endgültig geschlagen war. So wurde Halid gegen Ende des Feldzuges
zum Schrecken des Feindes: Schon allein die Tatsache, daß Halid ein Heer
befehligte, ließ den Feind erzittern.
Ein guter Verwalter
Halid war aber nicht nur ein großer Eroberer, sondern auch ein erstklassiger
Verwalter, Er achtete darauf, daß in den von ihm eroberten Städten und Gebieten
alles wohl geordnet wurde. Er zog nie weiter, ehe dies erledigt war. Er ließ
einen Stellvertreter zurück, der auf alles aufpassen mußte. Auch ernannte er
einen Richter, der die Streitigkeiten der Bevölkerung schlichtete.
Halid (r) war äußerst gutherzig und gerecht. Sein Heer hatte strikte Anweisung,
Bauern und Bürgern kein Leid zuzufügen. "Sie sind die Stärke der Gesellschaft",
sagte er. "Sie sollen immer mit Güte und Achtung behandelt werden."
Dies war etwas Neues für das eroberte Land. Die persischen und byzantinischen
Hauptleute waren sehr hart zum Volk gewesen. Halids Behandlung gewann die Herzen
der Bevölkerung in dem Maße, wie sie ihre früheren Herren haßte.
Liebe zu Allah
Halids Liebe zu Allah war so groß wie sein Haß gegen Allahs Feinde.
Im Monat Du-l-Qa`da des Jahres 12 n.H. war sein Feldzug im Irak zu Ende. In der
Mitte dieses Monats errang er den letzten Sieg. Halid gönnte seinem Heer eine
Ruhepause von zehn Tagen. Dann befahl er den Rückmarsch zu seinem Hauptquartier
in Al-Hira. Aber da war noch die Pilgerreise, auf die Halid nicht verzichten
wollte. Er gab bekannt, daß er die Nachhut bilden wolle. Und mit einigen Männern
hetzte er dann auf einer Abkürzung durch die leblose Wüste nach Makka.
Unmittelbar nach seinen Siegen war er nun in der heiligen Stadt und erklärte:
"Labbaika-llahumma labbaik (Hier bin ich, o Herr, hier bin ich zu Deinem
Dienst!)"
Selbst auf dem höchsten Gipfel seines Ruhmes vergaß Halid nicht, daß er im
Dienste Allahs stand.
Sobald der Hagg vorüber war, eilte Halid zurück an seinen Posten. Er traf seine
Männer vor Al-Hira. Die ganzen Tage über hatte die Truppe geglaubt, daß der
Befehlshaber die Nachhut führe. Aber als die Krieger jetzt seinen geschorenen
Kopf sahen, wußten sie, daß er als Pilger in Mekka gewesen war.
Abu Bakr (r) war erstaunt, als er von dem gewagten Abstecher Halids zum Hause
Allahs hörte. Er verbot ihm jedoch, in Zukunft das Heer allein zu lassen. Solch
ein Schritt, führte er aus, könne leicht eine schwierige Lage heraufbeschwören.
Härte gegen den Feind
Halid war sehr hart gegen die Menschen, die die Waffen gegen den Islam erhoben.
Er meinte, daß man solchen Leuten nur zwei Möglichkeiten lassen sollte: Sie
sollten entweder nachgeben oder bis zum Tode kämpfen. Wenn sie vom Schlachtfeld
flohen, verfolgte er sie überall hin, bis sie um Gnade baten oder getötet
wurden.
Diese Strategie Halids erwies sich als nützlich. Er wurde mit dem geschlagenen
Feind ein für allemal fertig. Er ließ nicht zu, daß er die Waffen ein zweites
Mal erhob; denn die Streitkräfte der Muslime waren zu klein, um wiederholte
Aufstände niederschlagen zu können.
Es gibt in der Geschichte kaum einen Feldherrn, der so viele hervorragende
Eigenschaften in sich vereinigte wie Halid (r). Er ist nach dem Propheten
Muhammad, Allahs Segen und Friede auf ihm, unbestreitbar der größte Heeresführer
des Islam.
Krieg gegen Byzanz
Schon zu Lebzeiten des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, ergab sich
die Notwendigkeit zu kriegerischen Handlungen gegen Byzanz. So war Abu Bakr (r)
gezwungen, etwas gegen diese Gefahr zu tun.
Im Jahre 13 n.H. rüstete er eine große Streitmacht aus und teilte sie in vier
Abteilungen, die jeweils einem Befehlshaber unterstellt wurden. Jede von ihnen
sollte an einem anderen Abschnitt der syrischen Grenze losschlagen. Abu 'Ubaida
Ibn Al-Garrah hatte den Befehl, nach Hims zu marschieren,' Amr Ibn AI-'As nach
Palästina, Yaild Ibn Abu Sufyan nach Damaskus und Surahbil Ibn Hasna an den
Jordan.
Diese Bataillone sollten den Feind gleichzeitig angreifen. Das Ziel war, ihn
daran zu hindern, eines der Bataillone mit voller Stärke anzugreifen.
Goldene Regeln für die Kriegsführung
Vor dem Aufbruch der Heere gab Abu Bakr (r) die folgenden Anweisungen an ihre
Befehlshaber:
Seid freundlich zu den Männern, die euch unterstellt sind, und behandelt sie
gut!
Gebt kurze Anordnungen; denn wenn sie zu lang sind, werden sie vergessen!
Geht anderen mit gutem Beispiel voran! Sie werden sich nach euch richten.
Achtet die Vertreter des Feindes!
Haltet eure Pläne geheim!
Seid immer wahrhaftig, dann werdet ihr gute Ratschläge bekommen!
Sitzt abends, wenn ihr frei seid, unter euren Männern! Das hält euch in
Verbindung mit ihnen.
Teilt den Wachdienst zum Schutz des Heeres gut ein!
Meidet unaufrichtige Menschen und haltet euch an ehrliche und gläubige Sahaba!
Seid offen zu allen, mit denen ihr zu tun habt!
Hütet euch vor Feigheit und Ehrlosigkeit!
Ihr werdet Menschen begegnen, die der Welt entsagt und sich in die Einsamkeit
zum Gebet zurückgezogen haben. Laßt sie in Frieden!"
Vereinigung der vier Heeresabteilungen
Die Nachricht vom Einmarsch der Muslime brachte Kaiser Heraklios aus der
Fassung. Er hielt sich zu dieser Zeit gerade in Jerusalem auf. Er fragte seine
Fürsten um Rat. Da er selbst sich gern mit den Muslimen geeinigt hätte, sagte
er:
"Es ist besser, halb Syrien aufzugeben, als das ganze Reich zu verlieren." Seine
Ratgeber waren damit aber nicht einverstanden. Es wurden also vier mächtige
Armeen gegen die Muslime ausgesandt. Eine davon wurde vom Bruder des Kaisers
befehligt. Jede Armee war siebenmal so stark wie die muslimische, die sie zu
bekämpfen hatte. Darüber machten sich die muslimischen Heeresführer Sorgen und
trafen sichdeshalb zur Beratung. Einer wies darauf hin, daß es töricht sei,
getrennt zu kämpfen.
"Wir werden vom Übergewicht zerschmettert werden, wenn wir getrennt kämpfen",
sagte er.
Die anderen Befehlshaber sahen das ein, und sie beschlossen, die vier
Abteilungen zu einer einzigen Armee zu vereinigen. So würde das Heer auch den
muslimischen Soldaten selbst größer erscheinen. Sie teilten dem Kalifen ihren
Entschluß mit. Dieser billigte ihn und sandte ihnen folgende schriftliche
Botschaft:
"Muslime können nie deshalb besiegt werden, weil sie zu gering an Zahl sind;
aber wenn ihre eigenen Sünden sie überwältigen, werden sie eine Niederlage
erleiden. Deshalb haltet euch fern von Sünden aller Art!"
Die Schlacht am Al-Yarmuk
Als Heraklios erfuhr, daß die vier islamischen Armeen zu einer vereinigt worden
waren, befahl auch er eine ähnliche Zusammenfassung, und die vier byzantinischen
Armeen schlössen sich zu einer gigantischen Masse von Menschen zusammen. Im Tal
des Al-Yarmuk hoben sie Schützengräben aus. Nach dem Befehl des Kalifen bezogen
die Muslime Stellungen auf der gegenüberliegenden Seite. Wochenlang lagen sich
die beiden Heere gegenüber, und keines der beiden wagte es, den Kampf zu
eröffnen.
Die byzantinischen Streitkräfte hatten jeden Vorteil auf ihrer Seite. Zu der
zahlenmäßigen Überlegenheit kam, daß sie den Fluß vor und Berge hinter sich
hatten. Die muslimischen Heerführer forderten daher vom Kalifen Verstärkung an,
und daraufhin ließ Abu Bakr Halid sofort nach Syrien eilen.
Halid legte den Oberbefehl im Irak in die Hände von Al-Mutanna Ibn Harita. An
der Spitze von 10.000 Mann begab er sich nach Syrien, so schnell er konnte.
Trotz aller Eile eroberte Halid auf dem Weg dorthin viele Befestigungen und
Städte. Er erreichte schließlich den Al-Yarmuk fast zur gleichen Zeit, als die
byzantinische Armee ebenfalls Verstärkung erhielt. Ihre Gesamtstärke erreichte
damit 240.000 Mann, die muslimische Streitmacht umfaßte nur 36.000.
Neuordnung des Heeres
Halid erkannte sogleich, daß er das Heer den besonderen Verhältnissen
entsprechend neu gliedern müsse, um zu siegen. Das bedeutete vor allem ein
einheitliches Oberkommando. Daher berief er die anderen Kommandeure zu sich und
sagte:
"Wir kämpfen alle für die Sache des Glaubens. Keiner darf an sich denken. Wir
können uns eine Zersplitterung der Befehlsgewalt nicht leisten. Das würde dem
Feind nur nützen. Laßt uns deshalb den Oberbefehl auf einen einzigen Mann
übertragen, meinetwegen im Wechsel. Wenn ihr damit einverstanden seid, überlaßt
mir den Oberbefehl für den ersten Tag der Schlacht!"
Dieser Plan gefiel allen, und Halid übernahm die oberste Befehlsgewalt. Er
teilte das Heer in verschiedene Abschnitte. Jeder erhielt einen Kommandeur, und
jeder Abschnitt war in Unterabschnitte aufgeteilt, von denen jeder einen
Anführer hatte. Abu Sufyan war zum anfeuernden Herold ernannt worden.
Er sprach Worte der Ermunterung zu allen Kämpfern. Als sich die beiden Armeen
gegenüberstanden, bemerkte ein muslimischer Soldat:
"Wie zahlreich der Feind ist!"
Halid hörte das und sagte:
"Die Zahl macht es nicht! Wichtig ist der Ausgang der Schlacht!"
Als die Schlacht schließlich begann, stieß Halid mit einem ausgewählten Trupp in
das Zentrum der feindlichen Kräfte. Es gelang ihm, einen Keil zwischen das
feindliche Fußvolk und die Reitertruppe zu treiben und sie voneinander
abzuschneiden.
Kampf bis zum Tod
Auch 'Ikrima Ibn Abu Gahl kämpfte am Al-Yarmuk mit. Gleich nach der Eröffnung
der Schlacht begannen die islamischen Truppen unter dem zahlenmäßigen
Übergewicht des Feindes zu wanken. Als 'Ikrima das sah, rief er aus: "Früher
kämpfte ich in allen Schlachten gegen den Gesandten Allahs, jetzt aber streite
ich für die Sache Allahs. Auf gar keinen Fall werde ich fliehen! Wer von euch
ist bereit, mit mir bis zum Tode zu kämpfen?"
Als er dies sagte, streckte er seine Hand aus, daß sie einschlagen sollten. Sein
Sohn 'Amr legte als erster den Schwur ab, vierhundert Mann folgten ihm. Dann
schlugen die Männer wie Wildkatzen auf die feindlichen Horden ein. Sie teilten
so wirkungsvolle Schläge aus, daß die Menschenwoge sich vor ihnen teilte. Ihr
verzweifelter Angriff brachte Verwirrung in die feindlichen Reihen.
Niederlage des Feindes
Bald befand sich die feindliche Reitertruppe eingekeilt zwischen Halids
Stoßtrupp und der islamischen Hauptarmee. Verwirrung entstand, und die Feinde
flohen. Die islamische Armee machte ihnen Platz zur Flucht.
Nun konnte Halid (r) sich auf die feindliche Fußtruppe werfen. Diese wurde
völlig überrascht, da plötzlich der Schutz der Reiter fehlte. In äußerster
Verwirrung zog sie sich zurück, aber der Berg versperrte ihr den Weg.
Verzweifelt rannten die Männer zum Fluß zurück. Hier erwartete sie der Tod in
den Fluten. Die meisten waren aneinandergekettet, um eine Flucht unmöglich zu
machen, und die Ketten erwiesen sich nun als Todesfallen: Denn als einige Männer
in den Fluß fielen, rissen sie ihre Kampfgenossen mit in das nasse Grab. Nach
einer Schätzung ertranken 120.000 Mann im Fluß. Die Byzantiner erlitten eine
vollständige Niederlage. Dreitausend Muslime waren als Märtyrer gefallen.
Mut der Frauen
Die muslimischen Frauen spielten eine wesentliche Rolle in dieser Schlacht. Sie
bildeten eine Abteilung hinter der Kampftruppe und versorgten die Männer mit
Wasser, sie behandelten auch ihre Wunden und sprachen ihnen Mut zu, wenn sie
Zeichen der Schwäche zeigten. Diese Worte der Ermunterung richteten die Männer
wieder auf; wie der Blitz stürmten sie von neuem nach vorn und säten Tod in die
feindlichen Linien.
Zuerst zwang die byzantinische Armee die Muslime zum Rückzug. Da kam Halid zu
den Frauen, die auf einem Bergkamm standen, und sagte zu ihnen:
"Ihr Töchter des Islam, wenn auch nur einer dem Schlachtfeld den Rücken kehrt,
tötet ihn sofort!"
Die Frauen taten, worum Halid sie gebeten hatte; sie standen auf ihrem Posten
und erfüllten ihre Pflicht:
Mit Steinen in den Händen beobachteten sie das Schlachtfeld, und wenn einer um
sein Leben lief, empfing ihn ein Steinhagel. Er lief dann zurück und kämpfte bis
zum Letzten.
Viele Muslime hatten ihre Familien bei sich. Die Frauen lebten in Zelten hinter
dem Lager der Truppe. Ihre Worte der Ermunterung an die Tapferen und die
Schmähung der Feiglinge hatten großen Einfluß auf das Tempo und den Ausgang der
Schlacht. Der Sieg am Al-Yarmuk war also in nicht geringem Maße dem Mut der
muslimischen Frauen zu verdanken.
Zwei große Märtyrer
Am folgenden Morgen verschaffte sich Halid einen Überblick über die Verluste der
islamischen Armee. 'Ikrima und sein Sohn Amr wurden zu ihm gebracht. Sie waren
schwer verwundet, und ihr Zustand war ernst. Halid barg ihre Köpfe in seinem
Schoß - einige Minuten später verstarben sie.
Ikrima war der Sohn Abu Gahls, eines Erzfeindes des Islam. Als Makka fiel, floh
'Ikrima, weil er um sein Leben bangte. Aber er kehrte nach Makka zurück, als er
hörte, daß der Gesandte Allahs allen Feinden vergeben habe. Der Prophet, Allahs
Segen und Friede auf ihm, kam ihm zu seiner Überraschung entgegen, um ihn zu
begrüßen. Von da an war 'Irkima (r) ein treuer Sohn des Islam; er gab sein Leben
für dessen Ruhm.
Selbstlosigkeit Halids
Die Schlacht am Al-Yarmuk war noch nicht zu Ende, als ein Brief aus Al-Madina
eintraf und Halid ausgehändigt wurde. Darin stand, daß Abu Bakr (r) gestorben
und 'Umar (r) sein Nachfolger geworden sei. Der Brief enthielt auch die
Nachricht, daß der neue Kalif Halid von seinem Kommando abgelöst und ihn durch
Abu 'Ubaida ersetzt habe. Halid las den Brief. Dann setzte er Abu `Ubaida Ibn
Al-Garrah davon in Kenntnis, daß der Oberbefehl auf ihn übergegangen sei. Aber
die Nachricht wurde nicht öffentlich bekanntgemacht, weil die Armee nicht den
Mut verlieren sollte.
Der Brief änderte Halids Verhalten in keiner Weise. Er fuhr fort, so verwegen zu
kämpfen wie zuvor.
Als nach dem Ende der Schlacht Halids Absetzung bekannt wurde, sagte jemand zu
ihm:
"Warum hat die Nachricht deinen Kampfgeist nicht gedämpft?"
"Ich habe nicht für 'Umar, sondern für Allah gekämpft", entgegnete Halid (r)
Abu Bakrs letzte Krankheit
Am 7. des Monats Gumada-1-Ahira im Jahre 13 n.H. wurde Abu Bakr krank.
Er hatte hohes Fieber; es wurde alles getan, um das Fieber zu senken, doch
vergebens. Dem betagten Kalifen wurde klar, daß sein Ende gekommen war.
Selbst in diesen letzten Tagen beschäftigte ihn der Gedanke an die Zukunft des
Islam. Er wollte ihn sichern, auch für die Zeit nach seinem Tod.
Er hatte all seine Energie darauf verwendet, die heftigen Stürme der Unruhe
niederzuhalten, die nach dem Tod des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm,
losgebrochen waren, und Abu Bakr wollte nicht, daß nach seinem eigenen Tod
solche Stürme erneut losbrächen
Umars Ernennung
Das Wohlergehen der Muslime war immer Abu Bakrs erste Sorge gewesen. Er wollte
nichts zulassen, was den Islam hätte schwächen können. Was er jedoch am meisten
fürchtete, war eine Spaltung unter den Muslimen. Er erinnerte sich daran, was
nach dem Tod des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, geschehen war.
Daher wollte er verhindern, daß Uneinigkeit die Muslime entzweien könnte, wenn
er nicht mehr sei. Einigkeit war das Geheimnis der Stärke und um jeden Preis
notwendig.
Als er kränker wurde, beschäftigte sich Abu Bakr immer mehr mit dieser Frage.
Wer würde nach ihm Kalif sein? Sollte er selbst den Namen des besten Mannes
nennen? Oder sollte er die Entscheidung dem Volk überlassen? Im letzteren Fall
würden Streitigkeiten entstehen. Sie würden die Grundlagen des Islam
erschüttern. Das Risiko war zu groß, Abu Bakr wollte es nicht auf sich nehmen.
Nach sorgfältiger Überlegung entschied er sich, 'Umar zu ernennen. Er
unterbreitete seinen Vorschlag den führenden Männern seiner Umgebung. Den
meisten gefiel der Vorschlag, nur einer sagte;
"'Umar ist ohne Zweifel der beste Mann, aber er ist zu streng!"
Darauf erwiderte Abu Bakr:
"Wenn er die Bürde des Kalifats tragen muß, wird er milder."
Nachdem alle Sahaba einverstanden waren, wurde 'Utman gerufen. Abu Bakr
diktierte ihm 'Umars Ernennung, die dem Volk verkündet wurde. Sie lautete:
"Dies ist der Wille Abu Bakrs, des Kalifen des Gesandten Allahs. Er tut seinen
Willen kund, ehe er diese Welt verläßt. Zu diesem Zeitpunkt wird sogar ein
Ungläubiger gläubig, und selbst ein Sünder vertraut auf Allah. Ich ernenne 'Umar
Ibn Al-Hattab zu eurem Herrscher. Dabei habe ich nur das Beste für euch im Sinn
gehabt. Ich hoffe, daß er gerecht und wahrhaftig sein wird. Aber ich kann nicht
voraussehen, was geschehen wird, wenn er den Pfad der Gerechtigkeit verläßt. Mir
liegt einzig das Wohlergehen der Muslime am Herzen. Jeder ist für sein Tun
verantwortlich."
Nachdem dieser letzte Wille dem Volk verkündet worden war, bestieg Abu Bakr (r),
gestützt von zwei Männern, das Dach seines Hauses. Er richtete folgende Worte an
das Volk: "Meine Brüder im Islam, ich habe keinen meiner eigenen Brüder oder
Verwandten zu eurem Kalifen ernannt. Ich habe einen Mann aus eurer Mitte
erwählt, der mir am meisten geeignet erscheint. Seid ihr mit ihm einverstanden?"
"Natürlich sind wir das!" ertönte ein Ruf aus Hunderten von Kehlen.
Dann rief Abu Bakr 'Umar an sein Bett und sprach zu ihm: "'Umar! Ich habe dich
zu meinem Nachfolger ernannt. Mein letzter Rat ist, daß du Allah fürchten und
für das Wohl der Muslime arbeiten sollst. Bedenke, 'Umar, daß du die Pflichten,
die du Allah schuldest, zur rechten Zeit erfüllst, sei es bei Tag oder Nacht.
Das Wichtigste muß zuerst erledigt werden. Am Tage des Gerichts werden nur die
erfolgreich sein, deren gute Taten ins Gewicht fallen.
Die Menschen, deren böse Taten schwerer wiegen als die guten, werden eine
schreckliche Zeit haben. Der Qur'an und die Wahrheit sollen deine Führer zu
Erfolg und Wohlergehen sein. Du weißt, 'Umar, daß die Verse des Qur'an sowohl
von Belohnungen als auch von Bestrafungen sprechen. Deshalb muß man die Furcht
vor Allah in die Herzen der Gläubigen senken, damit sie um Vergebung beten. 'Umar,
wenn du im Qur'an über die Verdammten in der Hölle liest, dann bete zu Allah,
daß er dich nicht zu einem von ihnen macht. Aber wenn du über die Bewohner des
Paradieses liest, dann bete, daß auch du zu ihnen gehören wirst. Wenn du den Weg
gehst, den ich dir vorgezeichnet habe, wirst du mich an deiner Seite finden!"
Als 'Umar gegangen war, hob der sterbende Kalif seine Hände zum Bittgebet und
sagte:
"O Herr! Ich habe diesen Schritt zum größten Nutzen der Muslime getan, weil ich
Uneinigkeit zwischen ihnen befürchtete. Ihre Folgen sind Dir wohl bekannt. Nach
sorgfältigem Überlegen habe ich einen Mann ernannt, der sich am aufrichtigsten
und tatkräftigsten für das Wohl des Volkes einsetzt. Ich bin jetzt an der
Schwelle des Todes, so hilf Du, o Herr, den Muslimen, wenn ich nicht mehr bin.
Sie sind Deine Diener. Ihre Zukunft liegt in Deiner Hand. O Herr, laß sie nach
Deinen Gesetzen auf dem richtigen Weg wandeln. Mache 'Umar zu einem der edelsten
Kalifen und hilf den Muslimen, ihn zu unterstützen."
Abu Bakrs Tod
Nach einer Krankheit von zwei Wochen starb Abu Bakr (r) im Alter von 63 Jahren.
Er wurde an der Seite des Propheten (Friede sei mit ihm)
beigesetzt. Vor seinem Tod sagte er noch:
"Nehmt keine neuen Tücher, um meinen Leib zu bedecken. Das Stück Tuch, auf dem
ich liege, genügt. Wascht es!" "Aber es ist zu alt und abgenutzt, Vater", sagte
seine Tochter A'ischa(r).
"Dieses alte, abgetragene Tuch genügt für mich", antwortete er.
Dieser letzte Wunsch wurde befolgt.
Der zweite Wunsch des sterbenden Kalifen war:
"Verkauft mein Land und zahlt alles Geld zurück, welches ich als Gehalt erhalten
haben!"
Auch dies wurde befolgt.
Abu Bakr war ein wohlhabender Kaufmann, als er Kalif wurde. Die Aufgaben des
Kalifats ließen ihm keine Zeit, sich um seine eigenen Geschäfte zu kümmern.
Deshalb genehmigten ihm die Sahaba ein Gehalt von 6000 Dirham jährlich. Das
ganze Geld wurde nach dem Tod des Kalifen an Baitu-1-Mal zurückgezahlt.
So gab Abu Bakr, der erste Kalif, ein edles Beispiel selbstlosen Dienens. Er
lebte und wirkte für den Islam bis zum letzten Atemzug, und für seine
unermüdliche Arbeit suchte er keine weltliche Belohnung.