.::Papst Sixtus oder die gefälschte Bibel::. 

 

 

Es ist in der Kirchengeschichte häufig so gewesen, daß derjenige Kardinal zum Papst gewählt wurde, der noch am kürzesten zu Leben hatte. (So konnte man vor Veränderungen und vor Machtverlust in der Kirche sicher sein.)

 

Hier ist nun die Biographie des Papstes, der die Bibel umschrieb.

 

Kardinal Montalto spielte eine perfekte Rolle: 1572 zog sich der Franziskanerkardinal aus seinem öffentlichen Leben zurück. Er tat so, als wäre er fast tot und wollte sich deshalb auf den Tod vorbereiten. Wenn sich das Heilige Kollegium mal traf, dann mußte er auch dabei sein. Dort spielte er seine Rolle auch weiter: Er hustete ständig und machte sich Jahre älter als das Thema sterben angesprochen wurde.

1585 starb Papst Gregor. Montalto kam hohlwangig, trübäugig und mit Falten zur Papstwahl. Er ging so langsam, wie eine Schnecke kriecht und man hörte kaum seine Stimme, so leise sprach er. Er benutzte Krücken und ging so krumm, daß sein Kopf fast den Boden berührte. Natürlich wollten die stimmberechtigten Kardinäle so einen zum Papst haben. Was sollte der schon machen?

Doch sobald Monalto die Wahl gewonnen hatte, streckte er sich, warf seine Krücken fort und schrie: „Jetzt bin ich Cäsar!“, bevor er mit Donnerstimme das „Te Deum“ anstimmte. Dies überlieferte sein Biograph Leti. Er war jetzt Papst und aus Montalto wurde Papst Sixtus.

 

Der Papst leistete erstaunliches:

Er ließ dem Petersdom die Kuppel aufsetzen.

Er ließ den Obelisken Zentimeter für Zentimeter bis an seine heutige Stelle auf den Petersplatz versetzen.

Er baute die Bibliothek des Vatikans.

Er ließ ein Aquädukt über Berg und Tal bauen, um über 20 Meilen Wasser nach Rom zu schaffen.

Und er schrieb die Bibel um.

Die Vulgata, also die lateinische Bibelübersetzung wurde im 4. Jahrhundert vom heiligen Hironymus angefertigt. Hironymus änderte die Schriften an 3500 Stellen. Die Vulgata wurde von der Kirche über mehrere Jahrhunderte angefochten. Im Mittelalter wurde sie aber zur Institution. Doch hatten sich im Laufe der Zeit viele falsche Lesarten eingeschlichen, weil die Bibelkopierer nicht genau genug abgeschrieben hatten. Mit der Buchdruckkunst erhöhten sich nicht nur die Anzahl der Bibelausgaben, sondern auch die Anzahl der Fehler in ihnen. Die Protestanten hatten seit der Reformation ihre eigene Übersetzung. Die Katholiken brauchten immer dringender einen verläßlicheren Text für ihre Streitfragen. Im Konzil von Trient 1546 wurde die Vulgata als echte Bibelfassung deklariert. Doch dann wurde eine neue Vulgata von den Konzilsvätern von Trient in Auftrag gegeben. Ende 1588 legten die Gelehrten, die Sixtus mit der Anfertigung der neuen Vulgata beauftragt hatte, ihm ihre Endgültige Fassung vor.

Doch für Sixtus war zuviel Gelehrsamkeit darin und es wurden zuviel Varianten mit aufgenommen. Er schrie die Beauftragten an und verkündigte, daß er es allein viel besser machen könnte.

In einer Bulle erklärte er in einem Satz von 300 Wörtern, daß er als Papst, die einzige Person sei, die die Frage einer echten Bibel für die Kirche entscheiden kann.

Er arbeite Tag für Tag und Nacht für Nacht, denn er schlief nachts nicht. Er hatte nur einen hauptamtlichen Sekretär, den er fast ins Grab brachte.

Was die Bibelübersetzung angeht, so war Sixtus oft spontan und unwissenschaftlich. Er übersetzte oft nach Laune, fügte überall etwas ein, wo er es für nötig hielt. Auch ließ er oft ganze Verse aus.

1590 erschienen die ersten Folioexemplare. Zuerst war Sixtus begeistert, doch dann sah er vielen Druckfehler, die die Drucker gemacht hatten, da sie genauso schnell wie er arbeiten mußten. Doch Sixtus wußte auch mit diesem Problem fertig zu werden. Er begann die Fehler selbst zu korrigieren. Er schrieb die Korrektur auf kleine Papierstückchen und klebte dies Stückchen über die Fehler. Doch damit verpfuschte er mehr als er rettete. Durch die Bulle Aetermus Ille befahl Sixtus, daß dies Bibel echt und wahr ist. In der Mitte des Monats April bekamen die Kardinäle und Gesandten auch Exemplare. Sie inspizierten sie und rissen die Augen auf.

Am 27. August 1590 starb Sixtus. Nach 12 Tagen starb auch sein Nachfolger. Papst Gregor (1590-1591) kam danach und hatte ein Problem: Die Bibel hatte Fehler, das konnte ein Blinder mit einem Krückstock sehen. Doch dieselbe Bibel wurde der Kirche aufgezwungen. Aufgezwungen durch einen Papst, der mit der Bibel auch gleich die Exkommunion mitlieferte. Gregor steckte schwer im Dilemma. Die Protestanten lachten sich über diese Situation tot, während die Akademiker in Aufruhr waren.

Der Papst löste das Problem wie folgt: Er log!

Er ließ die Fehler korrigieren und schrieb ins Vorwort, das Sixtus, nachdem er die Fehler gesehen hatte, die Bibel noch mal überarbeiten wollte. Doch er sei gestorben, bevor er seine Arbeit vollendet hätte. Doch seine Nachfolger hätten natürlich nichts lieber getan und nicht lieber übernommen, als die Fertigstellung dieser Arbeit. deswegen sind zwei Bibelversionen entstanden. Eine unkorrigierte Ausgabe und eine überholte und korrigierte Ausgabe. Ende 1592 wurde die Bibel fertig und der nächste Papst (Papst Clemens VIII) hatte nichts dagegen, daß die Bibel unter dem Namen Sixtus erscheint.

Übrigens, eine Ausgabe der 1. Sixtusbibel gelangte in die Bodleian Library in Oxford, wo sie wie Gold behandelt wurde.